Kapitalistische Katastrophe und proletarische Kämpfe

Es geht weiter: Griechenland...

"Sich aufzubreiten ist die unentbehrliche Bedingung für den Sieg eines Aufstandes..." [1]

Wie wir in den ersten Teil dieses Artikels behauptet haben, hat sich der Aufstand des Proletariats gegen den Weltkapitalismus im Laufe dieser letzten Monate auf internationales Niveau weiter konkretisiert, insofern, als die bürgerliche Gesellschaft die ganze Last ihres katastrophalen Zustandes auf die verarmte Bevölkerung der Welt weiter setzt. In Griechenland kommt dieser Aufstand zum Ausdruck durch Kämpfe in den Gefängnissen, durch Kämpfe von den illegalen Einwanderern, von den Studenten oder von Randgruppen... während mehrerer Monate bis Ausweitung in Dezember 2008 und also ahnen lassend, was in anderen Ländern geschehen kann und muss, den Beispiel gebend, was zu tun ist. Dieser internationale und internationalistische proletarische Einspruch gegen den Kapitalismus, der, gerade als diese Seiten geschrieben werden, noch in Guadeloupe, in Martinique, in Reunion zum Ausdruck kommt, verstärkt sich allmählich in Griechenland bis den ganzen Ausbruch, der sich in Dezember infolge des Mordes an dem jungen Alexis Grigoropoulos durch die Handlanger dieses schändlichen sozialen Systems ereignet hat.

Die Abschottungen, die Abtrennungen, welche der Kapitalismus durch seine zahlreiche Diener hergestellt hatte, um die Realität des proletarischen Kampfes zu leugnen, sind durch die Bewegung zerrissen worden, selbst wenn das nur noch in diesem Land und in dem Höhepunkt des Kampfes passiert ist. Das ist nicht nur passiert, weil die Proletarier als solche gegen ihren Feind kämpften (einheimische oder ausländische Arbeitslose und Arbeiter, Studenten und junge Vorortbewohner, Praktikanten und Zeitarbeiter, Junge (selbst Kinder) und Alte, Frauen und Männer, legale und illegale Einwanderer, Häftlinge und „frei“ herumgelaufene Menschen, Demonstranten mit oder ohne Kapuze und vermummte Demonstranten, Schüler und Lehrer, Landarbeiter und Stadtarbeiter...), sondern auch, denn die Bewegung selbst mit allen zu ihrer Verfügung gestellten Mitteln: Flugblätter, Internet, Zeitschriften... prangerte all diese Disqualifizierungen ausdrücklich an, mit denen die historischen Feinde jene außerordentliche und großzügige soziale Bewegung beschimpft und zu isolieren und zu liquidieren probiert haben.

Von wem sind diese Aktionen, die die Flamme unterhalten und verbreiten... Die Anarchisten? Die Studenten? Die Einwanderer? Die erniedrigten Arbeitslose? Die Jugend aus der reichen Süd- und Nordvororten? Die Zigeuner? Die Hooligan? Die Arbeiter? Zu ihnen gehören die Aktionen, die die unabwendbare Lava des Vulkans bilden, welcher erwachte, als der undenkbare Mord an Alexandros am letzten Samstag das ganzen Griechenland erschütterte“ proklamieren die ersten durch die Welt verbreiteten Ausdrücke der Bewegung [2]. Über die Grenzen hinaus dieser ersten schriftlichen Äußerungen der Bewegung, sind sie gegen alles, was man in den Medien zu übermitteln versucht, weil sie äußern, dass der Aufstand der Aufstand von allen ist.

Wenn während des Aufstandes in den französischen Vororten (November 2005) die Disqualifizierung und die Beschimpfungen ganz und gar ungestraft gelassen worden waren, indem sie so weit gegangen waren, die kämpfenden Proletarier in Namen des Proletariats selbst zu beschimpfen, ist alles in Griechenland getan worden, um dasselbe zu tun. Es gelang aber der Kraft der Bewegung als Staatsverteidiger anzuprangern und lächerlich zu machen, all jene, die diesen Aufstand disqualifizieren wollten und ihn auf eine besondere Kategorie einschränken [3]. Unsere Feinde die Medien haben gesagt, wie immer, dass es sich nur um Anarchisten, Hooligan, Junge handelt, die zerstören wollten, aber die Verbreitung des Aufstandes in das ganze Land und die Meldungen, die den proletarischen und revolutionären Charakter des Aufstandes proklamierten, haben darüber die anderen Proletarier in Griechenland und anderswo im keinen Zweifel gelassen. Außerdem waren die Proklamierungen sehr deutlich über die Tatsache, dass, wie die internationale Presse sagte, es sich nicht handelte, um die Rechte durch die Linke zu ersetzen, ein Regierungsprogramm abzulehnen, um ein anderes anzunehmen oder eine andere Regierung bekommen, um zur Normalität wieder zu kommen. Im Gegenteil sind diese Normalität selbst, dieser Alltagstrott durch den proletarischen Aufstand angeprangert worden, weil sie genau die Lohnsklaverei und die beständige Erpressung sind. Gegen jede invariante Verfälschung von der Gegenrevolution rief die Bewegung unsere Wahrheit aus.

Schon lange hat das kämpfende Proletariat in einem Teil der Welt seine revolutionären Ziele so deutlich nicht mehr proklamiert: „ wir sind ein Teil des Aufstandes des Lebens gegen den alltäglichen Tod, den die bestehenden sozialen Verhältnisse uns aufzwingen“, was man in einem Genossenkommuniqué lesen kann. [4] Weiter wird es hinzugefügt: „Wir werden eine unerschütterliche Barrikade gegen die widerliche Normalität der Produktion- und Distributionszyklus errichten. In dem heutigen Zustand ist nichts wichtiger als diese Barrikade gegen den Klassenfeind zu festigen. Selbst wenn wir uns gegenüber dem Druck des Staatsabschaums und der Brüchigkeit der Barrikade zurückziehen, wissen wir schon, dass nichts in unseren Leben wie zuvor sein wird“.

Was für eine Superbehauptung des Proletariats als Klasse! Was für einen Terror für die herrschende Klasse dieses Wiederbehaupten des proletarischen Kampfes für die Abschaffung des sozialen Systems! „Außerdemleben wir einen historischen Zustand, in dem ein neues Klassensubjekt sich wieder zusammensetzt, das die Verantwortung schon lange trägt, die Totengräberrolle des kapitalistischen Systems zu übernehmen. Wir glauben, dass das Proletariat niemals eine Klasse wegen seiner Stellung gewesen ist, sondern sie wird im Gegenteil eine Klasse als Klasse für sie selbst in ihrem Kampf gegen das Kapital erst in der Praxis, um danach das Bewusstsein ihrer Taten sich anzueignen.„ [5]

Auf der Strasse lebt das Proletariat wieder auf, in dem Kampf gegen das Kapital wird das Proletariat stärker und behauptet es sich. Die revolutionäre Theorie selbst wird durch die Äußerungen von Avantgarde wieder behauptet. Selbst der Proletariatsbegriff, welcher immer verfälscht, soziologisiert, oft zu dem Industriearbeiter reduziert, systematisch der Dynamik seiner sozialen Gegenstellung durch alle gegenrevolutionären Kräfte entrissen [6], wird hier durch die Genossen behauptet: das Proletariat... erhebt sich im Kampf gegen das Kapital! Das Proletariat behauptet sich als Kraft gegen „die Lohnarbeit, die immer eine Erpressung gewesen ist...“ [7]

Als es schon nicht mehr möglich war, die Ausweitung des Aufstandes weder auf nationales Niveau noch auf internationales zu verschleiern, erklärte unser historischer Feind mit allen Verbreitungsmitteln, dass „die rechtsgerichtete Regierung Fehler gemacht hatte“, „dass sie aufgeben musste“. Aber es gab viele Meldungen und Proklamationen, die diese furchtbare Lüge anprangerten.

"Eine Clique von Politikern und Journalisten drehe sich wie Wespen im Kreise um uns herum, um zu versuchen, von unserer Bewegung zu profitieren und ihren engstirnigen Standpunkt aufzuzwingen. Sie behaupten, dass wir uns rebellieren, weil unsere Regierung korrupt ist, oder weil wir mehr Geld, mehr Arbeit... haben wollen.
Falsch!
Wenn wir die Schaufenster der Banken einschlagen, das bedeutet, dass wir in ihrem Geld eine der Hauptursachen unserer Traurigkeit erkennen. Wenn wir die Schaufenster der Laden einschlagen, das bedeutet wirklich nicht, weil das Leben teuer ist, sondern weil die Ware uns am Leben hindern, was auch ihr Verkaufspreis sein mag! Wenn wir Polizeireviere stürmen, das bedeutet nicht nur, dass wir unsere gestorbenen Genossen rächen wollen, sondern auch weil die Polizei zwischen dieser Welt und derjenigen, die wir wünschen, immer ein Hemmnis sein wird.“ [8]

Es ist äußerst wichtig für den Kampf, dass das Proletariat so deutlich erkennt, dass die oder die Regierung, die oder die Partei, oder selbst alle Regierungen nicht sein Feind sind, sondern wohl das Geld, das Kapital, die sozialen Produktionsverhältnisse ! Die Proletarier in Griechenland haben im Kampf auf den Straßen Stichhaltigerweise proklamiert und geschrieben: „Der Terrorismus, das ist die Lohnarbeit! Kein Frieden für die Chefs (Bosse)“ [9] trotz aller antiterroristischen Kampagnen, die von allen Weltstaaten organisiert wurden, um ihr eigenes Terrormonopol zu festigen.

Neben dem eindrucksvollen Verständnis der Notwendigkeit von der sozialen Revolution, von der ganzen Zerstörung des kapitalistischen Systems, behauptet sich die Bewegung selbstverständlich auch auf Grund von wenig deutlichen, mehr bescheidenen Äußerungen.

Man beschuldigt uns oft der Tatsache, dass unser Aufstand blind, wild, einfach reaktiv ist... dass wir noch nicht wissen, was wir wollen, oder was wir nicht wollen, dass wir Diebe und Randalierer sind. Also jawohl wissen wir sehr gut, was wir wollen und nicht wollen. Wir wollen keine Polizisten, die bezahlt werden, um Jungendliche zu terrorisieren, keine chemischen Kriege, die unsere Lungen und Augen verstopfen. Wir wollen keine Antiaufruhr Polizisten, Sondertruppen, Schmarotzer, Sicherheitsbeamten, Aufseher oder keine anderen Berufe, die auf Zwang und Gewalt beruhen. Wir wollen keine Luftverschmutzung, abgebrannte Wälder, Beton, der den Himmel versperrt. Wir wollen keine Gefängnisse, die den Einzelnen zerstört, absurde Gesetze gegen Cannabis, Kameras, die alles bewachen, um das Eigentum von leblosen Objekten zu verteidigen. Deshalb, in diesem Manifestkonzept für ein neues Leben nach dem Aufstand, fordern wir und werden wir folgendes verwirklichen:

  1. Die Stadtmitte Athen von Wagen frei machen. Die Stadt für die Radfahrer, die Fußgänger und die Kinder.
  2. Umbauen der niedergebrannten Banken in Anstalt für die Armen, in Bibliotheken, in kostenlose Interneträume und „coffe shops“ wie in Amsterdam.
  3. Umbauen der zerstörten Polizeireviere in Volksküchen, die eine Natur- und Freinährung schenken wird, jedem, der sie brauchen und fragen wird.
  4. Schluss mit dem geistigen Eigentum. Kostenlose Freizügigkeit des geistigen Materials und der Information, kostenlose Verbindungen an Internet mit modernen Glasfasern.
  5. Nutzung von Benzin und Erdgas durch Solartafeln und vollständig verwendbare Energiequelle ersetzen.
  6. Alle von der Polizei verbotenen Bordelle stürmen und alle erzwungenen Prostituierten sofort befreien. Anerkennung der Frauensexualität und ihrer Freiäußerung. Kein Erbarm mit den Vergewaltigern und Pädophilern. Keine Demütigung für jene, die ihre Sexualität anders leben, insoweit sie dafür keine Gewalt gebrauchen.
  7. Die Gefängnisse stürmen und alle befreien, mit Ausnahme von Pädophilie- Vergewaltigung- und Rassismusverbrechen.
  8. Völlige Priorität für die Kinder und ihres Liebes- Spiel- und Zärtlichkeitsbedürfnis.
  9. Medizinische und bildende Freiinfrastrukturen mit gleichzeitiger Beseitigung der Willkür und der Macht von bestimmten Berufen. Freundliche, egalitäre, freimütige, verantwortliche Verhältnisse zwischen Patienten und Ärzten, Lehrern und Schülern.
  10. Freiverkehrsmittel und verallgemeinerte Nutzung des Fahrrads. Eisenbahnexpansion in die ganzen Länder.
Es sind ungefähr die bis jetzt 10 billigten Punkte. WAS WIR WOLLEN UND BEKOMMEN WERDEN. Vielleicht fehlen auch andere Hauptpunkte, aber die schon beschlossenen sind nicht zu verhandeln.

Es würde sehr leicht sein, solche Vorschläge zu verspotten oder die Grenzen dieser Punkte zu blamieren. Doch in dieser Aufzählung von Maßnahmen, die aus Debatten und Versammlungen hervorgekommen sind, unterzeichnen wir vor allem die totale Ablehnung der heutigen Welt, die Aufzählung von allem, „was wir nicht wollen“. Die Ablehnung, die Negation ist der Ansatzpunkt von jeder revolutionären Bewegung. Zudem behaupten wir wieder, dass diese Negation nicht bettelt, niemand etwas fragt (selbst den Staat nicht), sondern aufzwingen will. Überdies haben diese Äußerungen den großen Vorzug zu zeigen, dass, um etwas zu verändern, die Staatsgewalt niedergeschlagen werden muss und eine neue Gesellschaft durch Gewalt aufgezwungen werden muss. Es ist immer gesund, die Spekulations- und Repressionszentren (Banken, Polizeireviere...) in etwas in Dienst des Menschen umgestalten zu wollen, selbst wenn man noch nicht wohl weiß, wie es möglich ist, solche Ziele zu erreichen sind. Man muss unterzeichnen, dass die Protagonisten bewusst sein, dass es um Sofortmaßnahmen geht (viele wirklich wenig anspruchsvoll), dass diese Punkte nicht zu verhandeln sind, dass sie auch andere Hauptpunkte später behandelt werden.

Selbstverständlich steht in diesem Manifest einen Komplex von Illusionen, die jeder entstehenden und heterogenen Bewegung eigen sind, welche von den Umständen und dem ideologischen Druck dazu angetrieben wird, konstruktive Lösungen hastig zu äußern, ohne ihre Negationskraft der ganzen bestehenden Gesellschaft noch genug behaupt zu haben. Deswegen erscheinen etwas illusorische Lösungen über die Mittel, um zu verändern, was ihnen am meisten in dem alltäglichen Leben berührt, ohne wirklich begonnen zu haben, das Bedürfnis zu behaupten, die Grundlage des ganzen sozialen Ausbeutungssystems zu vernichten. Auch wahr ist, dass man in diesen Äußerungen den Einfluss von Modeideologien feststellt, die von der Linke und Ökologen auskommen, welche die Perspektive jeder Bewegung notwendigerweise und Reformistischerweise begrenzen. Die Revolution muss gestern wie heute und in den nächsten proletarischen Bewegungen diesen Grenzen trotzen. Was wichtig ist, steht aber nicht in diesen zaghaften (oft reformistischen) sofortigen Maßnahmen (selbst wenn bestimmte sehr sympathisch sind), sondern in der Behauptung der Negation von dem, was besteht, in der gewaltigen Opposition gegen die ganze Welt des Kapitals, die durch die Linke, das Zentrum und die Rechte verteidigt wird.

Zum Abschluss wollen wir den Punkt 7 unterzeichnen: „Die Gefängnisse stürmen und alle befreien“. Im Rahmen der Formulierung unterscheidet sich dieser Punkt von den anderen, insoweit es nicht geht, um etwas zu bekommen, sondern um eine entscheidende Notwendigkeit der Bewegung auszudrücken, die jener noch nicht übernehmen kann. Was ist also ausgedrückt ist folglich ein wichtiger Wunsch, der nicht übernommen werden kann, wie auch im gewissem Maße andere Punkte wie zum Beispiel 1 oder 5. Im Unterschied aber von allen anderen Punkten steht Punkt 7 klar gegen die demokratische und juristische Struktur des Privateigentums und der bürgerlichen Herrschaft. In diesem Maße zeigt er einen klareren Bruch mit dem Reformismus.

Der proletarische Ausbruch in Griechenland klärt die Welt auf. Nicht die positiven Vorschläge, sondern die Radikalität der Kritik von der heutigen Gesellschaft, das Ausbleiben von an die Regierung gerichteten Forderungen terrorisieren ganz bestimmt am meisten die bürgerliche Macht auf internationales Niveau. Laut revolutionären Redewendungen der kämpfenden Proletarier: „Der Aufstand von Dezember bringt keinekonkreteForderung, genau weil die Beteiligten jeder Forderung gegenüber die wiederholten Absagen von der herrschenden Klasse erfahren und folglich sie sehr gut kennen. Die Flüstern der Linke, die am Anfang die Zurückziehung der Regierung fragten, wurden ein sprachloser Terror und ein verzweifelter Versuch, um die unkontrollierbare Aufstandswelle zu beruhigen. Das Ausbleiben von reformistischen Forderungen widerspiegelt eine latente Anlage (selbst wenn noch unbewusste) zur radikalen Subversion, zu Hinauswachsen von den bestehenden Warenverhältnissen und zur Gründung von qualitativ neuen Verhältnissen.“ [10]

Außerdem, im Gegenteil zu anderen Regionen und besonders zu anderen Ländern in Europa (wo das Proletariat nicht auf die Straße geht, wie es müsste, wenn die illegalen Einwanderer, die Häftlinge, die Randgruppen unterdrückt werden, oder wenn klar rassistische Taten begeht werden) beruhigt die Kraft der Bewegung in Griechenland auf die Tatsache, dass es der Bourgeoisie und ihren verschiedenen Apparaten nicht gelungen ist, die Schichten des Proletariats zu isolieren, welche schon vor Dezember vorbildliche Kämpfe geführt hatten, die im ganzen Land wie im Ausland Auswirkungen hatten. Wir beziehen uns auf Sektoren, die die offene Repression des Staates meist täglich ertragen: die Häftlinge, die illegalen Einwanderer, die Gastarbeiter, die nonkonformistischen Jugendlichen und/oder diejenigen, die nie eine „Normalarbeit“ gehabt haben, wie die gute Gesellschaft sagt, also gewöhnlich alle irregulären, labilen und weniger gut bezahlten Proletarier. Jene sind ohne Zweifel gewesen, die die Bewegung begonnen haben:

Wir sind die 400 Euros Generation. Berufspraktikum, Flexibelarbeit, ewiger Fortbildungslehrgang (immer auf unserer Kosten), Unsicherheit, Teuerung, Diplome, die nichts nützen. Beseitigung unserer Arbeitsrechte, Erniedrigung vonseiten der Arbeitgeber, der Politiker und so vieler anderen.
Wir sind die Generation, die ihr in Schulen einschließen, um zu versuchen, euere Nationalismen, eure Vorurteile, euere Verehrung für das Vaterland, euere Lügen, unsere Unterstellung in unsere Köpfe zu setzen.
Wir sind die Buben, welche die Brigaden gegen die Unruhen, die Geheimpolizeien, die Sonderaufseher und alle andere Bullen (durch die Demokratie überall als Besatzungsarmee gestellt) erniedrigen und provozieren, wenn wir uns, tägliche Objekte ihrer Machtüberschreitung, auf ihrem Weg begegnen.
Wir sind die Verletzten von den Märchen der Studenten und Schüler, unsere Köpfe sind gegen den Asphalt geschlagen worden, unsere Würde ist unter der Gewaltherrschaft zunichte gemacht worden, unsere Hände sind durch ihre Niederknüppeln gebrochen worden, unsere Gesichter sind durch ihre Faustschläge zerschmettert worden, unsere Lungen sind noch voll von dem laut den internationalen Abkommen verbotenen Gas. Wir sterben vorzeitig, weil wir mit den Gesetzen, die unsere Leben rauben, nicht einverstanden waren. Wir sind die Inhaftierten, die für Jahre gerichtlich belangt werden, so Panagiotis, der Schuhe von der falschen Farbe anhatte und 40 Tage im Gefängnis blieb, so Dimitrios Augustinos, der in dem falschen Ort und falschen Moment vorbeiging, so die 50 Verletzten in dem Evangelismos Krankenhaus am 8 März 2007.
Wir brannten ihre Banken nieder. Wir trotzen der Polizei. Wir vernichten den sozialen Frieden, den ihr Nacht und Tag aufbauen, indem ihr den Kopf der Bürger reinwaschen, damit sie gehorchen und schweigen. Wir beleuchten die kalten Nächte, die ihr aufzwingen, weiterhin.“ [11]

Die Kraft des Proletariats in Griechenland besteht darin, die Solidarität gegenüber diesen Schichten, die dem Kapital und der Staat offen trotzten, nicht leugnen zu haben. Es sind genau die Kämpfe der Häftlinge, der Randgruppen, der illegalen Einwanderer... die erschienen sind, wie diese des ganzen Proletariats seiend und die Ursache der Bewegung gewesen sind. Schon in November 2008, als der Kampf sich in den Gefängnissen ausweitete und mehr als 7.000 Häftlinge auf 12.000 auf verschiedene Weisen protestieren (z. B. der Hungerstreik anfangs 3 November) [12], war es unseren Feinden nicht gelungen, diese Bewegung einzuschließen, welche sich auf die Straßen auswirkte, besonders auf die Radikalisierung der Demo vom 17. November. [13] Die direkte durch kleine Gruppen organisierte Aktion wurde spürbar während des ganzen Monats November 2008. Aktionen gegen die Unterdrücker wurden organisiert und auch gegen Staatsüberwachungsformen, wie die Zerstörung von Überwachungskameras in verschiedenen strategischen Orten. Dieser Kampf hat sich schon ins Ausland ausgewirkt und war der erste Aufruf an die internationale Solidarität mit dem kämpfenden Proletariat in Griechenland. In derselbe Bewegung war der Kampf von verschiedenen gruppierten Gastarbeitern und illegalen Einwanderern gegenwärtig, die in den Hungerstreik traten, parallel zu anderen Demos und Aktionen (wie die Rathausbesetzung von der Stadt Janià), was die proletarische Bewegung wieder in Schwung brachte, welche sich in mehreren Städten mit Gewalt äußerte und besonders während der Demo vom 5. Dezember in Athen. Der Kampf wurde täglicher, wie die repressive Antwort der athenischen Demokratie bis auf den Mord an Alexis, was das Fass zum Überlaufen brachte.

Von diesem Augenblick ab wird nichts mehr dasselbe wie früher sein! Wir werden keine Chronik der Bewegung machen, außer einigen genauen Elementen am Sonntag: „Durch Internet und Handys zettelt sich ein unsichtbares Verbindungsnetz zwischen Tausenden Studenten von den höheren Schulen in ganzem Griechenland an. Niemand wird darüber klar. Die Tatsache ist, dass die höheren Schulen am Montagvormittag geschlossen sind... und die Jugendlichen... auf der Straße. Sie versperren die Straßen und Wege und richten all die durch den Mord an Alexis provozierte Wut gegen die Polizeireviere. Kaum ein Polizeirevier, das durch die Schüler noch nicht versperrt wird. Dasselbe in kleinen Städten, selbst sehr klein, dasselbe in Stadtteilen von Athen und Salonica, welche solche Demos nie gekannt haben. Bei Tageslicht sind Jungen und Mädchen dabei, Polizeireviere zu stürmen, Wagen von Polizeistreifen zu verbrennen oder Apfelsinen, Steine, Eier und Farbe auf die Polizeigebäude zu werfen. Es sind Jugendliche von 13, 14, 15 oder 16 Jahren, die ihre Wut gegen diese Ziele richten... In der Nacht von Dienstag wissen schon die Fernsehnachrichten nicht mehr, was sie sofort und danach sagen sollen. Alle Stadtzentren in Griechenland werden niedergebrannt. Eine Information taucht auf: in einer Vorstadt von Athen dort, wo Zigeuner leben, haben 600 von ihnen die Polizeikaserne besetzt, in Brand gesteckt und zwei Gendarmen mit Gewehr verletzt. In 23 Gefängnissen des Landes lehnen all die Häftlinge ab, das Abendessen einzunehmen, weil sie den Aufstand unterstützen und sich solidarisch erklären. Nach den empörenden Worten des Rechtsanwalts, der den Mörder verteidigt und gesagt hat, dass Alexis wegen einer verirrten Kugel getötet wurde, schließen die Schüler ihre Schulen wieder. Sie schließen 25 Polizeireviere in Athen ein und 20 andere anderswohin. Sie hindern am Weiterfahren in 20 Alleen. Sie besetzen 190 höhere Schulen in Griechenland. In den meisten Universitäten gibt es keine Vorlesungen. In etwa zwanzig Städten werden die Banken und die Luxusgeschäfte niedergebrannt.“ [14]

Andere Beschreibungen der Bewegung, die auf Internet umgehen, erzählen die unabwendbare Seite dieser großartigen proletarischen Wut und die Bedeutung des, was angegriffen wird:

„Die Menschen sind wütend. Nein, das ist nicht sicher. Es ist nicht nur Wut, sondern eine aufgehäufte Wut. Eine Wut, die schon auf die Straße wollte und alles ins Vorübergehen mitnehmen. Und sie tat es. Die Menschen sind wütend auf die Straßen gegangen und haben in Athen und auch fast in all den Städten dieses Landes den Notstand verursacht. In den meisten Fällen sind Jugendliche mit Steinen in den Händen und Wut im Herzen auf die Straße gegangen. Und sie haben alles mitgenommen. Mit den Mülleimern, den Pflastersteinen, den Gebäuden, den Läden, den Banken, den Wagen haben sie die verhöhnten Versprechungen und die Gegenwart, die sie abweisen, mitgenommen. Auch das mangelhafte Unterrichtsystem, die fehlende Arbeit, die Unsicherheit der Zukunft, die Gegenwart, die uns unterdrückt, die Vergangenheit, die vergessen ist, haben sie mitgenommen. Mitgenommen werden die Symbole, die das System ihnen vorschlägt, von fern zu sehen, weil sie anzufassen, zuviel kostet. Sie haben die Symbole, welche sie gar nicht brauchen, mitgenommen. Auch mitgenommen werden die Luxuswerbungen, Spiegel eines Lebens, das zwischen den vier Mauern der Arbeit, der Schule, der Universität eingesperrt ist, in dem man den Befehlen von Menschen, die ihre ganze Energie für ein paar kümmerliche Brocken aufbrauchen, gehorchen muss... Mehr als 400 höhere Schulen in dem ganzen Land wie auch viele Universitäten werden heute besetzt und es gibt jetzt eine Koordination der Aktionen von Studenten und Schülern. Jeden Tag stürmen Schüler, Mädchen und Junge, verschiedene Polizeireviere, schreien die Polizisten an, bewerfen diejenigen mit Steinen, stecken ihre Wagen in Brand. Jeden Tag trotzen sie der Polizei auf der Straße, ohne an die Risikos und Folgen zu denken. Lautere und großartige Wut. Die Jugendlichen in diesem Land haben schon zugerufen “so ist’s genug“. Sie fragen die ganze Gesellschaft an ihrer Seite zu sein, „so ist’s genug“ zusammen zurufen, unseres Leben in die Hände zu nehmen. Und die Menschen in den Stadtteilen von Athen und anderen Städten haben ihnen manchmal zugehört. In verschiedenen Stadtteilen werden Besetzungen von Gemeindegebäuden organisiert und meist gibt es mehr Organisations- und Koordinationsversuch der Aktionen. Es gibt Ausweitung der Demos. Barrikaden werden jeden Tag in der Nähe der Universität von Athen errichtet und sie leisten der Polizei Widerstand die ganze Nacht. Die Zigeuner, die die Repression und Straffreiheit der Polizei erleiden, die illegalen Einwanderer, die jeden Tag irgendwie ermordet werden, alle sind auch auf die Straße gegangen und haben wie die Jugendlichen Steine geworfen.“ [15]

In dieser historischen Periode, die sich durch so viele Teilungen innerhalb des Proletariats auszeichnet, ist die Kraft der Klasse, wie schon gesagt, das wichtigste im Kampf in Griechenland, um die Teilungen und Abschottungen, welche für die Herrschaft der Bourgeoisie entscheidend sind, zu sprengen. Gegen die offizielle Verachtung, gegen den dem Kapital und gutem Bürger eigenen Rassismus... hat das im Kampf vereinte Proletariat seine Interessen übernommen. Wenn die Häftlinge, die Einwanderer, die Jugendlichen und die anderen systematisch diskriminierten Schichten mitunter in Dezember der verbündeten Bourgeoisie zwar allein getrotzt haben, im Gegenteil haben sie vereinigt auf der Straße das Land mächtig erleucht und die Proletarier der ganzen Welt sind davon ausgestrahlt worden.

Weit davon entfernt das Problem des Rassismus und der anderen Abschottungen im Interesse der kapitalistischen Herrschaft und Unterdrückung zu ignorieren, [16] sind diese durch die Bewegung als eine Realität übernommen worden und an Diskussionen und Ausrufungen über die Einwanderer- und Ausländerfrage hat es nicht gefehlt. Das Klassenbewusstsein behauptet sich auch gegen die Teilungen von jeher, die Protagonisten forderten offen, dass die einheimischen, eingewanderten und geflüchteten Proletarier Seite an Seite im Kampf waren.

„Im Rahmen dieses großen Einsatzes, hinter den Demos der Studentenavantgarde gibt es eine Massenteilnahme der zweiten Generation von Einwanderern und auch zahlreicher Flüchtlinge. Eine kleine Zahl von wenig organisierten aber spontanen und stürmischen Flüchtlingen kommt auf die Straßen. Im Moment sind sie die tatkräftigsten unter den in Griechenland wohnenden Ausländern... Die Einwandererkinder handeln aktiv und massiv... Es gibt einen zweiten französischen November 2005... Diese Tage sind auch unsere. Diese Tage sind auch für Hunderte von Einwanderern und Flüchtlingen, die an den Grenzen, in den Polizeirevieren, auf den Arbeitsstellen ermordet werden... Diese Tage sind auch für GRAMOZ PALOUSI, LOUAN MPERNTELIMA, ENTISON GIAXAL, TONI ONOUXA, AMNPTOURAKIM INTRIZ, MONTASER MOXAMENT ASTRAF und so viele andere, die wir nicht vergessen haben... Diese Tage sind für die tägliche Gewalt der Polizei, die ungestraft und ohne Antwort bleibt. Sie sind für die Demütigungen an den Grenzen und in den Auffanglagern... Diese Tage sind für die unablässige Ausbeutung... Diese Tage sind für den Preis, den wir bezahlen müssen, um nur zu bestehen und auf zuatmen, für jeden Moment, in dem wir den Beschimpfungen gegenüber die Zähne zusammenbeißen müssen haben. Sie sind für jeden Moment, in dem wir nicht reagiert haben, indem wir die besten Gründe hatten zu reagieren. Sie sind für jedes Mal, wenn wir allein reagiert haben, weil unser Tod und unsere Wut den gestatteten Formen nicht entsprachen, keine Wahlstimmen sammelten, nicht als Schlagzeile in den ersten Seiten der Medien erschienen... Diese Tage gehören zu allen Randgruppen, den Ausgeschlossenen, den Menschen mit Namen schwer auszusprechen und unbegreiflichen Geschichten. Sie gehören zu all denjenigen, die täglich in dem Ägäische Meer und in dem Evros Fluss sterben, zu all denjenigen, die an der Grenze oder auf der Straße im herzen der Stadt Athen ermordet werden. Sie gehören zu der Romgemeinschaft von Zefyri, zu den Drogenabhängigen von Eksarhia. Diese gehören zu den Kindern von der Straße Messollogiou, zu den Ausgeschlossenen, den unkontrollierbaren Studenten. Dank Alexis gehören diese Tage zu uns allen.“ [17]

Der Kampf des Proletariats in Griechenland behauptet so den Internationalismus des Proletariats als Klasse, genau in Europa, historischem Weltzentrum des Kolonialismus und des Rassismus. Der Antagonismus zwischen der gegenwärtigen Welt und der zukünftigen Welt konnte nicht mehr klarer sein, zwischen der Welt des Kapitals, seines Rassismus, seiner Kriege, seiner Sklavereien, seiner Blutbäder und einer Gesellschaft, die durch das Proletariat in seinem revolutionären Kampf getragen wird, die von ihrer Inhumanität befreit wird.

Schon wahr ist, dass die Bewegung, wie so oft, in besonderen Sektoren des Proletariats begonnen ist. Danach, wenn die Bewegung sich von dem Tod eines Jungen ab radikalisiert hat, waren es die Jugendlichen, fast Kinder, die vor allem, laut ihren eigenen kämpfenden Genossen, auf die Straße kamen. So war es auch der Fall in den Vororten und dann in dem Kampf gegen CPE in Frankreich. Selbstverständlich, wie bei anderen Gelegenheiten, ist das am Beginn gelebt worden als ein Problem für die „Kinderprotagonisten“, aber dieser Grenz ist durch die Fortsetzung der Bewegung und die folgende große sektorale und geographische Ausbreitung überragt worden. Diese Wiederbehauptung des Proletariats als Klasse konkretisiert sich im sympathischen Austausch von Kommuniqués zwischen Generationen, von denen wir hier in einem Kasten... einige Passagen betonen, in denen die „Kinder“ eine gute und gesunde Kritik von dem Konformismus und der Staatsangehörigkeit der Erwachsenen, ihrer eigenen Eltern machen.

Wir wollen eine bessere Welt

Hilft uns!

Wir sind entweder Terroristen mit „Kapuzen“ noch „verkannte Bekannte“
WIR SIND EUERE KINDER!
Diese verkannten Bekannten...
Wir wollen träumen- tötet unsere Träume nicht!
Wir haben Leidenschaften- haltet uns nicht zurück!
Erinnert ihr!
Schon lange wart ihr auch jung!
Jetzt erstrebt ihr Geld, nur die Fassade der Dinge interessiert sie.
Ihr seid dick und kahl geworden.
Ihr habt vergessen!
Wir würden erwarten, dass ihr uns stützen würdet, etwas Interesse zeigen würdet,
Dass wir für einmal stolz auf sie sein könnten.
Vergebens!
Ihr lebt falsche Leben. Ihr lauft mit geneigtem Kopf,
Ihr gebt klein bei und ihr erwartet den Tag, an dem ihr sterben werdet.
Ihr habt keine Fantasie, ihr verliebt euch nicht, ihr schafft nichts!
Ihr verkauft und kauft nur:
NUR MATERIAL – LIEBE NIRGENDWO – WAHRHEIT NIRGENDWO.
Wo sind die Eltern? Wo sind die Künstler? Warum geht ihr nicht auf die Straße, um uns zu verteidigen?
Sie töten uns, hilft ihr uns!
Die Kinder
PS: Tränengas brauchen wir nicht mehr, um zu weinen. Das schaffen wir es ganz allein.

Dieses Kommuniqué hat sich viel verbreitet in Griechenland und in Ausland. Selbstverständlich hat es an Menschen nicht gefehlt, die die Urheber herabgewürdigt haben, aber es gab auch Antworten, die in dieselbe Richtung gingen, an die Teilnahme aller Proletarier appellierten und genau diese letzten wollen wir betonen. Siehe weiter den „Brief an alle Studenten von athenischen Arbeitern geschrieben“ von „Proletariern“ unterschrieben.

Selbstverständlich, wie anderswohin, gab es Sektoren von dem Proletariat, die nicht unternommen haben, die vor ihrem Fernsehen, das sein notwendiges ideologisches Gift für die Reproduktion des guten Bürgers verspritzt, unerschütterlich geblieben sind. Es wird immer Proletarier geben, die ihre Klasse verraten und deswegen schweigende Teilnehmer an die Repression dieser sind, wie das Flugblatt der „Kinder“ es anprangert. Es sind nicht die Bourgeois, die hinausgehen, um die kämpfenden Proletarier zu töten und zu unterdrücken. Die Bourgeois zitterten und versteckten sich. Die ganze Klassenherrschaft stützt auf die Fähigkeit der herrschenden Klasse, ein Teil der Proletarier hinzuwählen, um den anderen zu unterdrücken.

In Griechenland, wie schon gesehen, haben die Protagonisten nicht nur den mitschuldigen Bürger im Allgemeinen angeprangert, sondern auch diejenigen, die nicht Partei ergriffen oder mit den von der Linke und den Gewerkschaften geführten Demos von Staatsangehörigkeit nicht abbrachen: die Eigentümer der Werte, Arbeitskraft genannt, die diese in den Markt für eine Sozialversicherung investiert haben und mit der Hoffnung, dass ihre Sprösslinge auf dem Umweg über den sozialen Aufstieg den Umständen entziehen, beobachten die Aufständischen weiter, ohne Partei zu ergreifen, aber deswegen ohne die Polizei zu rufen, um die auseinander zu treiben. Gemeinsam mit der Ersetzung der Sozialversicherung durch die Polizeisicherheit und mit der Zusammenbruch des Marktes von der sozialen Mobilität stehen viele Arbeiter moralisch (was sozial wichtig ist) dem jugendlichen Aufstand bei, aber noch ohne sich offensiv gegen diese verbrecherische Welt zusammen zuschließen, weil sie wegen des Gewichts der katastrophalen kleinbürgerlichen Ideologie und der Mischwirtschaft in die Enge getrieben werden.
Sie schleppen ihre Leichen in die „Dreimonatelitaneien“ der beruflichen Gewerkschaftler weiter, indem sie einen bewegenden sektoralen Defätismus verteidigen, in Opposition zu der streitsüchtigen Klassenwut, welche schnell in den Vordergrund tritt. Diese zwei Welten haben sich am 18. Dezember auf der Straße zusammengetroffen und das ganze Land lodert auf. Die Welt des sektoralen Defätismus besetzte die Straßen, um das demokratische Recht der getrennten Rollen, dieser des Bürgers, des Arbeiters, des Verbrauchers zu verteidigen, indem sie an risikolosen Demos teilnahmen. Nicht davon viel entfernt besetzt die Welt der Klassenstreitlust die Straße in Gestalt kleiner organisierter Scharen, die kaputtmachen, in Brand stecken, plündern und zerstören die Bürgersteige, um Pflastersteine den Mördern zuwerfen. Die erste Welt (wenigstens so wie es der Rede der beruflichen Gewerkschaftler entspricht) fürchtete so viel die Anwesenheit der zweiten, dass am Mittwoch 10. Dezember, versuchte sie, sich zu melden, aber ohne die störende Anwesenheit der „Riff-Raff“.
Das Dilemma betreffend das Wie auf der Straße zu sein stand schon auf dem Tisch: entweder auf der Seite der demokratischen Sicherheit der Bürger oder auf der Seite der solidarischen Konfrontation der Gruppe, des streitsüchtigen Widerstandes, des Vorstoßes, um die Existenz eines jeden mit Barrikaden und radikalen Angriffen zu verteidigen.“ [18]

Zahlreiche Ausdrücke der Bewegung prangern mit Richtigkeit und Gewalt all die Sektoren an, die, selbst wenn sie sich über den Alexis’ Tod empören und gegen ihn auf friedlichem Weg demonstrieren, ganz und gar der herrschenden Ideologie unterliegen und sich in ihrem täglichen Leben an der Macht mitschuldig machen: „Diejenigen, die sich damit zufrieden geben, über die „Inhumanität“ des Mords eines Jungen von sechzehn Jahren, diejenigen, die nicht umhin können, Speichel abzusondern, indem sie geheimes Vergnügen finden, ein realeres Fernsehprogramm als gewöhnlich anzuschauen, diejenigen, die keine Gründe finden, um dieses Ereignis “-bürgerkriegerisch-polemisch“ aufzufassen... es sind diese, die sich nicht in Sicherheit für sie selbst und ihres Eigentum fühlen können und ihre Sicherheit in den Staat suchen, es sind diese, die die Geschäfte mit elektronischen Überwachungskameras füllen, diejenigen, die glauben, dass es davon auf den Straßen nicht genug gibt... und diejenigen, die glauben, dass sie damit errettet werden  werden... es sind die, die ihre Gewehre gegen die Einwanderer richten, dort wo die Kräfte der Koalition von Armee und Polizei nicht genug ist... es sind die Fernsehzuschauer, die gegenüber dem Mord an Mondaser Mohammed Ashraf in dem Polizeirevier der Straße Petru Ralli nur den Sender wechseln... es sind die, die auf die Straße kommen, nur um die Sachschaden nach jeder Konfrontation abzuzählen...“ [19]

Die Genossen betonen eine Realität. Die Sektoren des Proletariats, deren Arbeitsplätze am meisten versichert sind und die, für diesen Grund selbst, meistens gewerkschaftlich organisiert sind, sind die konservativsten Sektoren. Eine große Mehrheit davon hemmt die Solidarität und den proletarischen Kampf wegen ihrer Illusionen und Ideen. Über diejenigen hinaus, die einen „privilegierten“ Platz in dem Produktionsapparat haben, hat die Staatsangehörigkeit ein wichtiges konterrevolutionäres Gewicht. Die Parteien der Linke von der Bourgeoisie spielen eine Grundrolle für die Entwicklung dieser Staatsbürgerlichen Ideologie und bekommen in Griechenland, wie in anderen Ländern, eine wichtige Unterstützung innerhalb der Produktionssektoren, welche systematisch gegen den kommunistischen Kampf sind. Eine ausgezeichnete Aktion gegen die gewerkschaftlich organisiertesten und konservativsten Sektoren des Proletariats wurde die Besetzung der Zentrale der griechischen Gewerkschaften durch die allgemeine Versammlung der aufständischen Arbeiter von Athen. [20] Diese Aktion erlaubte ziemlich viele Lügen in den Medien anzuprangern und dieses Lokal im Dienst der Bewegung zu stellen, wenigstens während dieser kurzen Periode. Dieses Lokal, das von den Proletariern bezahlt wird, aber im Dienst der bürgerlichen Ordnung. So wurde es möglich dem konterevolutionären Flankieren der Gewerkschaften zu trotzen. Über die Brauchbarkeit dieses zentralen Lokals hinaus, zeigte die Besetzung ein ganzes Kampfsymbol gegen das gewerkschaftliche Apparat und seine Bürokratie, wie das folgende Kommuniqué es betont:

Um die schändliche Rolle der gewerkschaftlichen Bürokratiein ihrer Unterminierungsarbeit gegen den Aufstand und auch auf anderen Niveauszu demaskieren. Die Zentrale der Gewerkschaften in Griechenland (GSEE) und das ganze gewerkschaftliche Apparat, das diese Zentrale seit Dutzende und Dutzende von Jahren unterstützt, werten die Kämpfe ab, handelt unsere Arbeitskraft gegen ein paar kümmerliche Brocken aus und verewigt das Ausbeutung- und Lohnversklavungssystem. Das Verhalten der GSEE am letzten Mittwoch ist aufschlussreich: die GSEE hat die doch programmierte Demo der Arbeiter zurückgenommen, um sich hastig mit einer kurzen Ansammlung auf dem Syntagmaplatz zu begnügen, indem sie sich gleichzeitig vergewissert, dass die Teilnehmer sich auseinander gehen würden, aus Angst, dass sie durch den Virus des Aufstandes anstecken würden.“ [21]

Dennoch gingen die zwei klassischen Tendenzen während dieser gewagten direkten Aktion wie überall und immer auseinander. Die eine (im Allgemeinen die Linke der Sozial-Demokratie), die nur die gewerkschaftliche Bürokratie kritisiert; die andere, die die Grundlagen selbst der Gewerkschaft als Apparat der kapitalistischen Unterdrückung radikal kritisiert: „Seit dem Beginnwar es selbstverständlich, dass zwei Tendenzen innerhalb der Besetzung bestand: die eine, für den Proletenkul ("ouvriériste", auf Französich)t, wollte die Besetzung symbolisch gebrauchen, um die gewerkschaftliche Bürokratie kritisieren und den Gedanke einer unabhängigen Basis von dem politischen Einfluss zu fördern; die andere, die proletarische, wollte eine der Institutionen von der kapitalistischen Gesellschaft angreifen, den Syndikalismus kritisieren und das Lokal gebrauchen, um eine andere Kampfgemeinschaft in dem Kontext der Verbreitung der Unruhen ins Leben zurufen.“ [22]

Selbstverständlich konnten die Gewerkschaftler und ihre Kommandotruppen eine solche durch das revolutionäre Proletariat zugefügte Beleidigung nicht erlauben. Am jenem Tag versuchten sie mit Gewalt das Lokal wiederzubekommen. Darum wendeten sie sich an mehr als 50 Schergen, welche versuchten, die Okkupanten zu verjagen, aber diese letzten wehrten sich und dank den Okkupanten der ASOEE (Wirtschaftsuniversität von Athen) gelang es ihnen, die Räumung bis ungefähr dreizehn Uhr nachmittags zurückzustoßen. Um wieder zu besetzen, appellierte man an eine Ansammlung, an der etwa 800 Menschen später teilnahmen.

Trotz vieler Mühe muss man zugeben, dass die Arbeit unserer Feinde Erfolge hat und unter den zahlreichen auf der Straße findenden Arbeitnehmern wenig waren, die während dieser Tage mit dem gewerkschaftlichen und bürgerlichen Flankieren gebrochen haben. Eine große Zahlreiche Arbeiter der großen Betriebe sind mehr als Zuschauer gewesen als Protagonisten, d. h. sie übernahmen nicht den Kampf, den ihre Genossen der Avantgarde ihnen angaben, was eine wirkliche Grenz für den Aufstand war. Die Krisis muss noch so sehr schlimmer werden, dass diese berühmte Sicherheit des Arbeitsplatzes, welche so gut dem Konformismus neue Nahrung gibt, ins Wanken gerät, damit die Proletarier der großen Betriebe mit dem gewerkschaftlichen Flankieren und der Sozial-Demokratie im Allgemeinen brechen. In diesem Fall können sie eine sehr wichtige Rolle für den Kampf spielen. Darüber können wir einen sehr deutlichen Vergleich mit dem proletarischen Aufstand von 2001/2002 in Argentinien ziehen, wo die Krisis so tief war, dass selbst diese Sektoren auf die Straße gegangen sind, was nicht in Griechenland so allgemein war. Ohne Zweifel hat der Kapitalismus in Europa all diese Sektoren frontal noch nicht angegriffen, was all den Staatsapparaten (besonders den Gewerkschaften) erlaubt, das Proletariat zu spalten. Trotz der von ihnen genannten Krisis sind es die exponiertesten oder vor kurzem angegriffenen Sektoren des Proletariats (die Jungen, die illegalen Einwanderer die Gastarbeiter, die Randgruppen, die Zeitarbeiter...), die die Hauptopfer der Katastrophe des Kapitals in Europa geworden sind und infolgedessen all die großen Kämpfe auf diesen Kontinent geführt haben. Vielleicht für diesen Grund sind die Merkmale dieser Kämpfe verschieden von jenen, die gestern in Argentinien stattfanden. In Griechenland während des Ausbruchs und seiner aufständischen Tendenz scheint das Proletariat Vabanque zu spielen, während dagegen die Bewegung in Argentinien länger gedauert hat, aber sie war mehr von den politischen Illusionen angesteckt (verfassungsgebender Versammlung, klassischem Reformismus, argentinischen Fahnen...) und vor allem von den Verwaltungslösungen (Arbeiterselbstverwaltung, von illegalen Einwanderern organisierter Betriebsamkeit...), welche die Hauptkraft innerhalb der Bewegung für ihre Liquidierung gewesen sind. In Griechenland z. B. hat die Ideologie, von Negri, Holloway oder dem Medienmythos des subcommandante Marcos und im Allgemeinen von all diesen, die die Welt verändern wollen, ohne die Frage der Macht zu stellen, fast keine (konterrevolutionäre) Kraft innerhalb der Bewegung gehabt. In Griechenland forderte die Bewegung von Anfang an die Macht heraus (im Stil „weg mit allen“ der Proletarier in Argentinien), behauptete deutlich ihr aufständisches Ziel und hörte nur ihrer Absonderung gegenüber auf. Anders gesagt war es (noch) nicht möglich viel weiter zu gehen, ohne den offenen Kampf des Proletariats von den anderen Ländern (wenigstens den anderen europäischen Ländern laut den Flugblättern).

Darüber gab es auch eine große Klarheit von den Sektoren der Avantgarde: „ Wir wissen, dass für uns der Moment gekommen ist, strategisch zu denken. In diesem so wichtigen Moment wissen wir, dass die unentbehrliche Bedingung für einen siegreichen Aufstand in seine Verbreitung wenigstens auf europäisches Niveau besteht. Diese letzten Jahre haben wie gesehen und gelernt: die Gegengipfel auf der Welt, die Studentenaufruhre auf weltliches Niveau und die Unruhen in den französischen Vororten, die Kampfbewegung gegen die Mehrwertsteuer in Italien, die Kommune von Oaxaca, die Aufruhre in Montreal, die streitsüchtige Verteidigung von Ungdomshuset in Kopenhagen, die Unruhen gegen den Nationalkonvent der Republikaner in den Vereinigten Staaten von Amerika und die Liste geht weiter.
Geboren in der Katastrophe sind wir die Kinder einer globalen Krise: politischen, sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen. Wir wissen, dass diese Welt schon tot ist und man besonders geistesgestört sein muss, um sich an ihrer Leiche festzuklammern... Deshalb ist die Selbstorganisation die einzige vernünftige Option.“ [23]

Die Aufrufe ab Griechenland nahmen zu und die Solidarität mit dem proletarischen Aufstand in Griechenland wurde auf der ganzen Welt fühlbar: „Die Folgen auf internationales Niveau sind konkret. Solidaritätsdemos und Angriffe gegen die griechischen Botschaften sind überall auf der Welt von Moskau bis New York, Kopenhagen und Mexiko in ein Verzeichnis aufgenommen worden. Die Erklärungen und Manifeste der Studentenversammlungen in Griechenland sind fast sofort übersetzt und ins Englisches, Französisches, Italienisches, Türkisches und Serbisches auf das Web gesandt. Während der ersten Tage des Aufstandes haben die Blogger versucht, eine Liste von allen bestehenden Solidaritätsäußerungen zu sammeln, aber die Aufgabe hat sich unmöglich erwiesen: es gab Hunderte; Tausende von Menschen sind auf die Straße gekommen. Im letzten Samstag, überall Tag gegen die Polizeigewalt, gab es wichtige Demos in mehr als 30 Städten auf der ganzen Welt.“ [24]

Die Auswirkungen und die Solidaritätsdemos sind viel zahlreicher als jene für die Aufstände dieser vorigen Jahre, die in anderen Ländern stattfanden. Hoffentlich ist das ein Merkmal, dass das internationale Proletariat, welches oft lahm bleibt, wenn anderswo gekämpft wird, jetzt durch die heutige Katastrophe der bürgerlichen Gesellschaft und die schlagende Antwort der Proletarier in Griechenland gegen den Wunsch der Bourgeoisie wachgerüttelt wird... Sollte das einen Wendepunkt im Unbewusstsein der Klasse bedeuten und dass niemand von nun an gegenüber dieser stark nachempfundenen Katastrophe und vor allem solch einem tapferen Kampf gegen das System noch gleichgültig bleiben könnte? „In der Nacht von 10. Dezember ist ein Molotowcocktail gegen das griechische Konsulat in Moskau geworfen worden, indem ein Fenster des Konsulats in New York zerbrochen worden ist und eine Inschrift gesprayt worden ist: „Mörder, Alexis ist vorbeigekommen“. Selbstverständlich gab es auch Demos und Besetzungen von Konsulaten unter anderen in London, Paris, Edinburg, Barcelona, Florenz, Rom, Bern, Zagreb, Bratislava, Den Hag, Melbourne, San Francisco, Dublin, Glasgow, Bristol, Brüssel und fast in allen Städten von Deutschland...“ [25] Später und dank anderen Gruppen von Genossen haben wir die Liste mit anderen Städten und Länder ergänzt, wo Konsulate, Botschaften und Kulturzentren besetzt worden sind und auch Polizeireviere, Banken mit Solidaritätsgraffitis für den Aufstand in Griechenland angegriffen worden sind: Berlin, Istanbul, Bordeaux, Luxemburg, Neuseeland, Uruguay, Zypern...

Klar ist, dass diese internationalen direkten Aktionen als Beispiele begrüßt werden müssen und dass man sie den ewigen Vorschlägen der bürgerlichen Linke gegenüberstellen muss, welche die Solidarität karikiert (besser gesagt: sie abzulenken, sie zu verhindern versucht...), indem sie friedliche Demos, Petitionen, ungefährliche Karnevale oder humanitäre und wohltätige Kampagnen in Schwung bringt.

Es muss aber darauf hingewiesen werden, dass es noch keine wirkliche, starke, organisierte Klassensolidarität gibt (z. B. die fähig ist, die Häftlinge aus den Gefängnissen herauszureißen), dass, was wir Proletarier in anderen Ländern machen, im Vergleich zu einer solchen außergewöhnlichen Bewegung wie diese, ganz und gar ungenügt ist.

Aber, wie schon oft dargestellt, so wichtig und tapfer die direkte Aktion des internationalen Proletariats für die Solidarität mit dem Kampf des Proletariats in irgendeiner Region sein mag, ist die wirkliche Solidarität die Verstärkung des Kampfes gegen die Bourgeoisie überall. Die tiefste Solidarität zeigt sich, wenn es überall und gleichzeitig gegen denselben Feind gekämpft wird. Nur so wird der Sieg der sozialen Revolution möglich sein, wie zahlreiche internationalistische Gruppen es geäußert haben.

„Genossen, folgen wir dem Beispiel unserer Brüder in Griechenland, das über jeden demokratischen Integrationsversuch hinausgeht. Glauben wir nicht an die Tricks, mit den sie uns verwirren wollen. All die Politikern in der Regierung oder in der Opposition, die der Linke oder der Rechte, die repressiven Einheiten, die Journalisten und andere Sprachrohre des Kapitals... alle sind die Ausdrücke des kapitalistischen Viehs: Ersatzteile, falsche Oppositionen und Werkzeuge, um uns niederzuschlagen. Ab ihren Grundlagen wollen wir die ganze Welt verändern. Dazu verlassen wir uns nur auf uns selbst, organisiert außerhalb und gegen all die Staatsapparate (Parteien, Gewerkschaften, NGOs...) gegen die Spaltungen, die sie uns aufzwingen wollen (Junge/Alte, Arbeiter/Studenten/Arbeitslose, Einwanderer/Einheimische...).“ [26]

Seit Rosario in Argentinien behauptet man auch diesen Standpunkt, der darin besteht, in den Vordergrund zu stellen, dass die wirkliche Solidarität bedeutet: gegen den Kapitalismus überall kämpfen, „seiner eigenen Bourgeoisie trotzen“: „Warumauf diese Ereignisse reagieren, welche so weit entfernt von dem Ort, wo wir probieren zu leben? Weil wir Ausgebeuteten, Unterdrückten kein Vaterland haben: der Patriotismus dient der herrschenden Klasse, um den sozialen Antagonismus, in dem wir leben, zu verdecken, das ist das Alibi, um die Beherrschten zu spalten, damit wir keine Klassenzugehörigkeit haben. Weil wir sind gewesen, sind und werden sein, diejenigen, die dieser Form des Nichtlebens schaden, solidarisieren wir uns mit den Menschen, die die Aufstände in Griechenland weitertreiben, um das leben zu behaupten, um alles zu zerstören, was es, sie und uns zerstört, um die von unseren Brüdern produzierten Nahrungsmittel wiederzubekommen, um die Universitäten zu besetzten, damit wir zusammenkommen, um der Polizei zu trotzen, die Straßen wieder zu verwenden, um außerhalb und gegen die Parteien und Gewerkschaften zu handeln, um zu zeigen, dass die wirkliche Organisation diese von unten ist. „Arbeiter, Arbeitslose, Studenten, die mit Kapuzen“ sind die von den bürgerlichen Medien gebrauchten Kategorien, um zu isolieren und zu spalten. Wir sagen: Alle sind Proletarier! Demnach kämpfen wir und organisieren wir gegen „unsere“ eigene Bourgeoisie in „unserem“ eigenen Region...“ [27]

Das Klasseneunbewusstsein des Proletariats in Europa und im Allgemeinen auf der Welt geht weiter und verhindert überall die unentbehrliche Ausweitung unseres Kampfs, was besonders lebenswichtig für die Umwandlung des Aufstandes in eine internationale soziale Revolution ist. Selbst wenn wir für diesen Aufstand und seine Ausweitung kämpfen, selbst wenn die klare Aussicht früher oder später zu der Normalität wiederzukommen uns betrübt, ohne diese Ausweitung, wie die Genossen von ASOOE es sagen (siehe schon erwähntes Kommuniqué), gibt es ein Moment, in dem das Kräfteverhältnis verhindert, weiter zu gehen. Es ist wichtig das deutlich zu sagen, weil in Griechenland, laut bestimmten Kommuniqués auf Internet, in den Vordergrund zu stellen, dass „der Aufstand so lang möglich dauern musste“, scheint für uns eine wirkliche mangelnde revolutionäre Aussicht zu sein. Dieser so genannte „Insurrektionismus“ weiß nicht, dass in einer proletarischen Aufstand die Konzentration, die Organisation und die Zentralisation der proletarischen Kraft für die Beseitigung von der Macht des Kapitals und all seiner organisierten repressiven Kräfte am entscheidendesten sind. [28]

Der Internationalismus des Proletariats beschränkt sich also noch auf diese trotz alledem vorbildlichen und unentbehrlichen Aktionen von den revolutionären Minderheitsgruppen, die in den verschiedenen Regionen der Welt auf die Straße gekommen sind, um den Aufstand in Griechenland zu unterstützen, um die Symbole und die Darstellungen der Macht anzugreifen, um Manifeste, Proklamationen, Aufforderungen zum Kampf an das schläfrige Proletariat zu verbreiten, das in den anderen Ländern „ansieht“, was in Griechenland durch das karikaturistische und kastrierende Bild des Fernsehens geschieht (was von unseren Feinden gesagt wird, über was in Griechenland geschieht). Leider funktionieren noch die Schlafmittel und die anderen ideologischen Drogen, die verhindern, das revolutionäre Feuer sich zu verbreiten. Bestimmt gab es dieses Mal mehr Reaktionen als für andere proletarischen Aufstände wie in Irak, Algerien, Argentinien... und es gab auch am internationalen Niveau ein Dankbarkeitsgefühl, das eine Stimmung geschaffen hat, die zu jener einer öfters schläfrigen Weltklasse in Widerspruch steht. In militanten Gesprächen, in Versammlungen, in Publikationen, in den Kneipen, auf Internet... stellen wir fest, dass sich zahlreiche Proletarier, die früher noch von den Idiotien, den Ideologien und dem Pazifismus verblüfft waren, mit dieser wunderbaren gewaltigen Äußerung unserer Klasse irgendwie zurechtgefunden haben. Selbst wenn man empfinden können hat, dass dieses im Ansatz Klassenangehörigkeitsgefühl gegen die Welt des Kapitals aufgetaucht hat, kann man aber noch nicht über eine internationale Ausweitung des proletarischen Aufstandes sprechen.

Nicht der Mangel an Internationalismus vom Proletariat in Griechenland verhindert die Ausweitung, sondern im Gegenteil das Unbewusstsein des Internationalismus vom Proletariat in den anderen Regionen zeigt die objektiven Grenzen des griechischen Aufstandes an. In Griechenland hat das Proletariat alles getan, was es erreichen konnte, um nicht isoliert zu bleiben und seine Aktion ist internationalistisch gewesen und hat die Flamme all den proletarischen Brüdern weitergegeben, die die revolutionäre Größe in diesem Aufstand wohl sehen wollten. Außerdem hat das Proletariat in Griechenland durch seine Aktionen, seine Proklamationen und Demos nicht nur seine Klassenbrüder aufgefordert, sich in den Kampf zu stürzen, sondern hat auch im Kampfe solidarisch mit den kämpfenden Proletariern von verschiedenen Ursprüngen in Griechenland selbst und mit dem Proletariat von anderen Ländern praktisch gehandelt. Es gab Flugblätter und Aktionen in Griechenland, die die gleichzeitige terroristische Repression des Staates Israel (und der Vereinigten Staaten) gegen das in dem Gazastreifen eingepferchte Proletariat anprangerten. Das beweist, dass man dem internationalen Staatsterrorismus gegenüber nur mit Gewalt und direkter Aktion solidarisch sein kann.

Übrigens wollen wir einen sehr wichtigen Punkt betonen. Im Einsatz sind die Proletarier in Griechenland sich darüber klar geworden, dass die Vereinigten Staaten die Verbrecher des jüdischen Staates durch Astakos Hafen mit Nachschub versorgen und sie haben mit allen Mitteln gekämpft, um das zu verhindern. Siehe hier wie „Voices of resistance from an occupied London“ [29] uns über den Zustand informiert: „ Die Reportagen der großen Tageszeitungen haben ans Licht gebracht, dass die nord-amerikanische Armada gerade zu versuchen ist, 250 voll von Munitionen (etwa 3.000 Tonnen) Container von ungefähr 20 Fuß... von dem Privathafen Astakos bis Israel zu chartern. Es handelt sich um ein Sonderverfrachten, um die Kriegsverbrechen gegen die Menschen in dem Gazastreifen weiter zu unterstützen. Die Informationen über den genauen Augenblick der Verwirklichung dieses Transportes sind widersprüchlich. Die möglichen Daten sind den 15, 25 oder 31. Januar... Gruppen und Einzelne sind dabei eine Sperre des Astakos Hafens auf internationales Niveau zu organisieren. Die antiautoritäre Bewegung, die internationale Bewegung gegen den Krieg und die Lokalversammlungen der Bewohner vom Astakos Dorf haben schon für eine Konzentration in den Hafen dieser Stadt am 15. Januar aufgefordert...“

Einige Tage später gaben die Vereinigten Staaten dem Staat Israel bekannt, dass das Verfrachten unter irgendeinem Vorwand annulliert worden war. Aber mit den kämpfenden Proletariern in Griechenland, in Palästina und auf der Welt wissen wir wohl, dass unsere Feinde vorzogen haben, das Verfrachten zu stoppen (vielleicht es auf eine andere Weise sicherzustellen), anstatt es festzuhalten und damit der internationalen proletarischen Solidarität zu trotzen, denn das würde eine sehr klare Gewalt Klasse gegen Klasse im Allgemeinen provoziert haben. Die Folge davon würde ein objektives Element geworden sein, um das Klassenbewusstsein des Proletariats auf ein internationales Niveau zu begünstigen. Was ihnen wirklich Angst macht, das ist genau die Tatsache, dass nur der revolutionäre Kampf des Proletariats fähig ist, die Kriege, die Repressionen und Massaker des Staates einzustellen, all die pazifischen Rede und Demos lächerlich machend.

Bleibt die Frage: was jetzt mit dem Aufstand in Griechenland? Erwähnen wir noch einmal die Klarheit von Protagonisten unserer Klasse: „ Alles beginnt und reift in der Gewalt – aber nichts bleibt stehen. Die zerstörende Gewalt, die während der Ereignisse von Dezember losbricht, provozierte die Einstellung der kapitalistischen Normalität im Zentrum der Metropole, eine notwendige aber ungenügte Bedingung für die Umwandlung des Aufstandes in einen sozialen Befreiungsversuch.
Die Destabilisierung der kapitalistischen Gesellschaft ist unmöglich, ohne seine Wirtschaft lahm zu legen – d. h. ohne die Funktion der Produktion- und Distributionszentren auf dem Umweg über Sabotagen, Besetzungen und Streike zu unterbrechen. Das Ausbleiben eines positiven und kreativen Vorschlags hinsichtlich einer neuen Weise, um die sozialen Verhältnisse zu organisieren, war – bis heute – eine wirklich klare Tatsache. Doch muss der Aufstand von Dezember sich im historischen Kontext verstehen, in dem der sich auf internationalen Niveau abspielende Klassenkampf sich verhärt.“ [30]

In dem Moment diesen Text zu beenden (Februar 2009), der Kampf des Proletariats in Griechenland geht weiter aber in geringer Weise. Nach einer Sperrewelle aller Straßen und Autobahnen, die vor allem durch die Landarbeiter geführt wurde, es dauerte fort mit Besetzungen, Versammlungen. Gruppen ziehen das Fazit und die Lehre aus den Ereignissen für den nächsten Ausbruch, welcher genauso sicher wie die Katastrophe des Kapitals unvermeidlich ist.

Nichts mehr wird gleich sein, noch in Griechenland weder anderswohin. Die Genossen, die auf der Straße in Griechenland waren, haben viele Lehren für die zukünftigen Kämpfe in ganzem Europa und auf der ganzen Welt zu ziehen und weiterzuleiten. Möge unser Text dazu beitragen.

Das Proletariat in Griechenland zeigt dem Weltproletariat den unentbehrlichen Weg zu folgen

Eine der größten Schwierigkeiten für das Proletariat überall auf der Welt ist „Was tun“, um die Genossen Häftlinge aus den Klauen der Repression nach jedem kleinen Konflikt oder großen Kampf zu entreißen. In dem heutigen internationalen Kräfteverhältnis, ganz klar ist die ernste Unfähigkeit des Proletariats diese Notwendigkeit auf einem Klassenniveau zu unternehmen. Die Unmöglichkeit die Befreiung der Genossen Häftlinge durch die direkte Aktion und Gewalt aufzuzwingen ist ein beständiges Erpressungselement, mit dem die Demokratie und ihre Bediensteten dauernd spielen, um uns auf ihres Gebiet mitzunehmen, das Gebiet des Einzelwesens dem Staat gegenüber, das Gebiet des einsamen Bürger dem juridischen Apparat gegenüber, in dem es keine andere „Verteidigung“ bleibt als die individuelle Verteidigung auf Basis der Rechte und der „Solidarität“, die in der Zusendung von materieller Hilfe besteht, um das Gefängnis zu ertragen, um dem Prozess zu trotzen und den Rechtsanwalt zu bezahlen... Eine heikle Diskussion ist: wie dem Zustand in jedem konkreten Fall zu trotzen. Tatsächlich muss man nicht vergessen, dass die Bourgeoisie ihre Diktatur übt, nicht nur wenn sie die Genossen einsperren, sondern auch wenn sie uns die Rechte mit Gewalt und diese individuelle Verteidigung als Bürger aufzwingt. Die staatsbürgerlichen Rechte, welche unsere Feinde so sehr befürworten, umfassen immer diesen Bestandteil von Staatsterror, der gebraucht wird, um sich gegen die Organisation des Proletariats als Macht zu stellen.

Fußnoten

[1] Auszug aus einem in Griechenland verbreiteten Flugblatt „Von Griechenland aus: Für eine neue Internationale“. Siehe am Ende dieses Textes die vollständige Übersetzung dieses Flugblattes. Es ist auch auf Spanisch mit anderen in Griechenland verbreiteten Dokumenten auf Internet zu finden. (http://www.solidariasgrecia.org:Desde-Grecia-Llamada-a-una-nueva)
[2] Übersetzter Auszug von Indymedia London aus einem der ersten Flugblätter der Versammlungen, der ein hohes Niveau der Spontaneität und Unschuld betreffs der Ziele der Bewegung zeigt und über die wir weiter kommentieren.
[3] Aktion „escrache“. In Argentinien geht es um eine Praxis, um die Folterer, die versuchen anonym ungestört zu leben, mit allen möglichen Mitteln anzuprangern und ihnen das Leben unerträglich zu machen. Siehe unsere Zeitschrift auf Französisch „Communisme“ Nr. 50 (Juni 2000): Chile-Argentinien: gegen die Straflosigkeit der Mörder und Peiniger.
[4] « Wir zerstören die Gegenwart, weil wir aus der Zukunft kommen. Kommuniqué der Proletariern von der besetzten Fakultät ASOEE (Universität für die Wirtschaft in Athen)“. Siehe Beilage.
[5] Idem.
[6] Siehe unseren Text « Proletario yo? » (Proletarier, ich?) in unserer Zeitschrift auf Spanisch Nr. 57 (Februar 2008), der bald in unserer Zeitschrift auf Französisch herausgegeben werden wird.
[7] Siehe Fußnote 4.
[8] Auszug aus „Von Griechenland ab: Für eine neue Internationale“. Siehe Beilage.
[9] Aus verschiedenen Meldungen und Graffiti in mehreren griechischen Städten. Nach eines Genossen Aussage hat das Wort „Chef“, mit dem diese Parole in Europa bekannt gegeben worden ist, wenigen Sinn auf Griechisch. Wahrscheinlich geht es vielmehr um eine ideologische Übersetzung (vor allem im Material von Indymedia), derer Inhalt äußerst arm ist, um die Lohnarbeit zu verurteilen: anstatt nur die Hierarchie oder den politischen Aspekt des Verhältnisses in Frage zu stellen, proklamiert letztes die Notwendigkeit, um jedes soziale kapitalistische Verhältnis abzuschaffen.
[10] Siehe oben „Wir zerstören die Gegenwart, weil wir aus der Zukunft kommen“.
[11] Siehe in der Beilage den Auszug aus dem Dokument mit dem Titel „ Wir haben keine Illusionen. Wir haben keine einzige Hoffnung. Deshalb sind wir gefährlich. Eure ruhigen Nächte sind erledigt.“
[12] « Wir die HäftlingeIinnen in den Vernichtungszentren des griechischen Staats, die von den falschen Versprechungen aller Justizminister dieser letzten zehn Jahre betreffend die Verbesserung der Strafbedingungen müde sind, beschließen, uns zu mobilisieren und unsere richtigen Forderungen zu erfordern“ , erklärt ein Kommuniqué. Die internationale Presse behauptete, dass „von dem 3. November 2008 ab begonnen mehr als 8.000 HäftlingeInnen von den Knästen des griechischen Staats ein Massenfasten, das in einem Hungerstreik kulminierte, der bis mehr als 7.000 HäftlingeInnen sammelt“...
[13] Zum jeden Gedenktag des « Sturzes der Diktatur » gibt es Demos, aber dieses Jahr, zur Gelegenheit des Kampfes von den Häftlingen, werden sie radikaler und die Solidarität wurde mit denjenigen proklamiert, was der Höhepunkt wurde.
[14] « Der Aufruhr in Griechenland, Werk der Jugendlichen, deren Perspektive vernichtet wird“ von Eugenia Apostolou, La Jornada herausgegeben.
[15] « Die Wut der Jugend » Kollektiv ALANA.
[16] Der schlimmste Aspekt des Rassismus besteht in dem Wesen selbst der kapitalistischen sozialen Verhältnisse, welches erklärt, dass die Arbeitskraft eines nationalen und weißen Arbeiter mehr Wert hat als diese eines schwarzen und/oder ausländischen und das ist ebenso verderblicher, wenn man betrachtet, dass das nicht existiert und diese Behauptung von einer ideologischen „antirassistischen“ Rede begleitet wird.
[17] Diese Kommuniqué wurde am 15. Dezember 2008 ausgegeben und endigt mit folgenden Unterschrift und Genauigkeit: „Dieser text ist von dem Verein albanischer Einwanderer den Studenten ausgegeben. worden, die das Hauptpolizeirevier umzingeln“.
[18] Schon zitierter Auszug aus « Wir zerstören die Gegenwart, weil wir von der Zukunft kommen“
[19] Verbreitete Streitschrift am 15. Dezember 2008 und « Selbst verwaltendes Lokal der architektonischen Schule“ unterschrieben.
[20] Siehe die in Beilage nachgedruckte „ Erklärung der Versammlung der aufständischen Arbeiter von Athen“.
[21] Auszug aus der in Beilage nachgedruckten „Erklärung der Versammlung der aufständischen Arbeiter von Athen“.
[22] Auszug aus : « Neues von der Front », http://dndf.org ( siehe in der Chronologie den 17. Dezember).
[23] Schon zitierter Auszug aus „Von Griechenland ab: Aufruf für eine neue Internationale„.
[24] Von Uri Gordon übersetzt : „Grecia: preambulo de una revolucion“.
[25] Auszug aus dem Text „Griechenland: warum bin ich mit denjenigen mit Kapuzen“ von Akis Gavrillidis unterschreibt und wir betonen auch folgendes: „was während dieser letzten Wochen passiert, ist die zweite griechische Revolution und meiner Meinung nach ist sie vielleicht wichtiger als die erste – und jedenfalls sicher viel massiver. Vielleicht auch für das erste Mal in meinem Leben fühle ich mich stolz, griechisch zu sein. Diese Tage sind der größte Beitrag von dem heutigen Griechenland zu der Weltkultur und es ist das erste Mal – vielleicht das zweite nach 1821, aber mit einer sehr größeren geographischen und demographischen Dimension als damals – dass die Blicke der ganzen Welt sich auf Griechenland mit Bewunderung und Hoffnung richten“.
[26] Übersetzer und in Beilage nachgedruckter Auszug aus dem Aufruf des Komitees von Asturien für die Solidarität mit den Kämpfen in Griechenland (solidariosg@gmail.com).
[27] Der hier nachgedruckte und übersetze Aufruf heißt: „Wir werden die Finsternis beleuchten!!“ unterschrieben von Anarquistas de Rosario, Argentinien (www.anarquistasrosario.cjb.net – anarquistasrosario@yahoo.com.ar)
[28] Wir behaupten hier nicht, die komplexe Frage derjenigen, die sich „Insurrektionalisten“ beschreiben, zu behandeln. Wir, die die Notwendigkeit der Diktatur der Revolution proklamieren, sind Anhänger des proletarischen Aufstandes und in diesem Maße (wie alle Revolutionäre) sind wir Insurrektionalisten. Hier versuchen wir nur, eine Strömung anzuprangern, die sich „insurrektionalistisch“ proklamiert, ohne es zu sein, eine Strömung, die im Grunde auf den Aufstand nicht einwirkt, sondern ihn entstellt, indem sie ihn auf eine Zunahme von direkten Aktionen einschränkt und den notwendigen Qualitätssprung nicht berücksichtigt, welcher zu der besonderen aufständischen Phase geeignet ist, wie hier knapp erwähnt wird.
[29] Darüber siehe den ganzen Artikel auf Englisch auf http://www.occupiedlondon.org/blog/
[30] Siehe den schon in Beilage erwähnten Auszug „Wir zerstören die Gegenwart, weil wir von der Zukunft kommen“.

 

Armee : Repression und Verwesung

Der Widerspruch zwischen der Armee als Staatsrepressionsapparat und den Soldaten als Proletariern in Uniform, die die Repression hemmen können, ist in jedem großen Kampf gegenwärtig. Wenn die anderen Staatsapparate überlastet sind, dann kommen alle die internationalen Kräfte des Kapitals der lokalen Armee helfen und die Repression der sozialen Bewegung mit Hilfe von Ratgebern und internationalen Streitkräften koordinieren (im Allgemeinen von den internationalen Gendarmenstaaten zur Verfügung gestellt). Wohl bekannt ist, dass viele großartige Bewegungen des Proletariats durch diese gemeinsame Aktion von den repressiven Kräften der ganzen Welt blutig niedergeschlagen worden sind, um mit Hilfe von Sonderkommandos und der lokalen Armee die Revolution zu liquidieren.

Das uns geschickte und hier vorgestellte Kommuniqué beweißt, dass Griechenland keine Ausnahme ist. Nicht nur die griechische Bourgeoisie, sondern auch die internationale (selbstverständlich auch die internationalen repressiven Organisationen wie die NATO, das Pentagon, die EU...) haben die Armee dazu angetrieben, seine natürliche Aufgabe zu übernehmen: den Aufstand blutig niederschlagen. Aber das Proletariat war zu sehr von dem proletarischen Aufstand überzeugt, als dass die Soldaten bereit waren, ihre Brüder zu unterdrücken. Leider wissen wir nichts über andere Einzelheiten, doch zeigt das folgende Flugblatt, wie weit der Aufstand den Gehorsam in der Armee vermint hat und dass zahlreiche Soldaten nicht bereit waren, den Befehlen der Repression zu gehorchen. Dieses Flugblatt wird hier in vollem Umfang und mit Vorrang veröffentlicht. 

Wir begrüßen die griechischen Soldaten, die es abgelehnt haben, zu gehorchen! 

Dieser Ungehorsam ist ein Beispiel, das die Soldaten der ganzen Welt folgen müssen! 

Wir begrüßen die revolutionären Minderheiten, die diesen Ungehorsam ermöglicht haben und auch dieses Kommuniqué, das den Grund der Verwesung von den repressiven Kräften zeigt!

Wir lehnen es ab, Repressionskräfte gegen die Demos zu sein.

Wir unterstützen den Kampf der Studenten in den Schulen, den Unis und der Arbeiter.

Wir sind Soldaten vom ganzen Griechenland. Soldaten, die in Hania Befehle bekommen haben, Studenten, Arbeitern und Feuerwehrleuten von der anti-militärischen Bewegung mit geladenen Waffen zu trotzen. Soldaten, auf deren Schultern die Last der Reformen und der Vorbereitung von der griechischen Armee gelegt wird. Soldaten, die ideologisch mit Militarismus, Nationalismus täglich bedrängt werden, die den Mangel an Lohn, die Ausbeutung und die Unterdrückung von unseren „Vorgesetzter“ täglich leben. 
In den militärischen Lagern, in denen wir dienen, hören wir von einem „Einzelunfall“: dem Tod eines Jungen von fünfzehn Jahren, der Alexis hieß und der von einer Polizeirevolverkugel erschossen wurde. Wir hören die Parolen, die zu uns von den Unis wie ein Donner in der Ferne herkommen. 
Wurde zufällig der Tod von drei unserer Kollegen im August auch nicht „Einzelunfall“ genannt? Wurde der Tod von 42 Soldaten im Laufe der letzten dreieinhalbe Jahre auch nicht als „Einzelunfälle“ abgeschlossen? 
Wir hören, dass Städte wie Athen, Thessaloniki und andere in Griechenland in Krawallgelände sich umgewandelt haben, wo die Wut von Tausenden von Jungen, Arbeitern und Arbeitslosen tobt. 
Obwohl wir Militär- und „Arbeitskleidung“ anhaben, das Lager schützen, Aufträge haben, die Domestiken von den „Vorgesetzter“ sind, fühlen wir ja dort (in dieselben Geländen), wo wir als verzweifelte Studenten, Arbeiter und Arbeitslosen lebten, wo wir ihre „verirrten Kugeln“ einstecken müssten und wo wir die Verachtung der Unsicherheit, der Ausbeutung, der Entlassungen und der Gerichtsverfahren ertrugen. 
Wir hören das Gemurmel und die Anspielungen der Offiziere, wir hören die Bedrohungen der Regierung, die bekannt gegeben werden, über das Aufzwingen eines „Notstandes“. Wir wissen wohl, was das bedeutet. Wir erleben das durch die Intensivierung (der Arbeit), die Steigerung der Aufgaben (militärischen) der immer extremen Bedingungen, mit dem Finger am Abzug. 
Gestern haben sie uns befohlen, Acht zu geben und „die Augen offen halten“. Wir haben sie gefragt: VOR WEM MÜSSEN WIR ANGST HABEN? 
Heute haben sie uns befohlen, „alarmbereit“ zu sein. Wir haben gefragt: GEGEN WEM MÜSSEN WIR ALARMBEREIT SEIN? 
Sie haben uns befohlen für die Notstandserklärung fertig zu sein und zugleich: 
- sie haben bestimmten Einheiten von Attiki (Umgebung von Athen) beladene Waffen ausgegeben, mit dem Befehl, dass sie gegen bedrohliche Bürger gebraucht werden. (z. B. : eine Militäreinheit in Menidi dort, wo Angriffe gegen die Polizeikaserne von Zephiri stattgefunden hatten. 
- sie haben den Soldaten in Evros (an der Grenze mit der Türkei) Bajonette ausgegeben. 
- sie haben befohlen, den Demonstranten mit Zugsbewegungen nach den Militärlagern am Stadtrand Angst zu machen. 
- sie haben befohlen, Polizeistreifen in die Militärlager in Nayplio-Tripoli-Korinth zu bewegen, damit diese geschützt werden. 
- sie haben in Korinths Kasernen Plastikkugeln ausgegeben, um gegen unsere eigenen Mitbürger zu schießen, wenn sie “bedrohlich“ werden (wem Auffassung nach?). 
- sie haben vor dem Denkmal des „unbekannten Soldaten“ genau gegenüber den Demonstranten am 13 Dezember ein Sonderkommando aufgestellt und Soldaten von der Nayplios Kaserne gegen die Arbeiterdemo. 
- sie haben (die Bürger) mit Sondertruppen aus Deutschland und Italien -Wie eine Besetzungsarmee- bedroht und bewiesen, dass die EU wirklich autoritär und gegen die Arbeiter ist. 
Die Polizei schießt und zielt auf die Gegenwart und Zukunft des Aufstandes. Deswegen bereiten sie die Armee vor, damit sie die Aufgaben einer Polizeikraft übernimmt und die Gesellschaft, damit sie die Rückkehr der Armee, des reformistischen Totalitarismus annimmt. 
Sie machen uns bereit, um unsern Freunden, unsern Bekannten, unseren Geschwistern zu trotzen. Sie machen uns bereit, um unseren alten und zukünftigen Kollegen bei der Arbeit und an der Universität zu trotzen. All diese Maßnahmen zeigen, dass die Armee- und Polizeiführer mit Hinofolis’ Zustimmung (ehemaliges Mitglied der Berufsarmee, jetzt Vizeinnenminister, verantwortlich für die „inneren Angelegenheiten“) mit der Zustimmung des Oberkommandos, der ganzen Regierung, der EU Führer, der Handelseigentümer und auch der wütenden Bürger und jener von der extremen Rechten darauf zielen, die Militärkräften als irgendeine Besetzungstruppe zu gebrauchen, in den Städten, wo wir geboren sind, in den Stadtteilen und Straßen, wo wir spazieren gingen. (Seid ihr nicht diejenige, die uns „Friedenstruppen“ nennt, wenn ihr uns nach außen schickt, um genau dieselben Dinge zu tun?). 
Die militärpolitische Führung vergisst, dass wir ein Teil dieser Jugend sind. Sie vergessen, dass wir das eigen Fleisch und Blut eines Jungen sind, der innerhalb und außerhalb der Militärlager der Wüste der Realität gegenübersteht. Fleisch und Blut einer Jugend, die empört, widerspenstig und vor allem OHNE ANGST ist. 
WIR SIND ZIVILISTEN IN UNIFORM. 
Wir werden nicht annehmen, dass wir in Werkzeug des Terrors verwandelt würden, das manche der Gesellschaft als Schreckgespenst aufzwingen wollen. Wir werden nicht annehmen, dass wir in Repressions- und Terrorkraft verwandelt würden. Wir werden dem Volk nicht trotzen, mit wem wir dieselben Ängste, dieselben Bedürfnisse, dieselben Wünsche, eine gemeinsame Zukunft, Gefahren und Hoffnungen teilen. 
WIR LEHNEN AB, DIE STRAßEN IN NAMEN IRGENDEINES AUSNAHMEZUSTANDES GEGEN UNSERE GESCHWISTER ZU BESETZEN. 
Als Junge in Uniform äußern wir unsere Solidarität mit den kämpfenden Menschen und rufen, dass wir keine Statisten des Polizeistaates und der Staatsrepression mehr sein würden. Wir werden unserem Volk nie trotzen. Wir werden nicht erlauben, dass eine Atmosphäre, wie diese in den Tagen von 1967 (als die griechische Armee ihren letzten Staatsstreich macht) in dem Armeekorps aufgezwungen würde.
 
Hunderte von Soldaten von mehr als 42 Kasernen.

WIR ZERSTÖREN DIE GEGENWART, WEIL WIR VON DER ZUKUNFT KOMMEN

Kommuniqué der Proletarier von der besetzten Fakultät ASOE (Universität für Wirtschaft in Athen)

Nach der tiefsten Finsternis kommt das erste Licht bei Tagesanbruch. 

Bis Samstagabend 6. Dezember hätten man sagen können, dass alles bis jetzt gut ging, da wir den individuellen Sturz jedes von uns in die Wüste des kapitalistischen Systems miterlebten. In diesem Moment tauchte den Bruch und die zerstörerische Tollheit eines großen Teils von der Jugend im Land auf. Zuerst, wie mehrmals in der Geschichte, haben die Tatsachen gesprochen. 

Erstens hat ein Polizist sich das Tötungsrecht gegeben, weil er von irgendeiner Behörde verteidigt war. Das Blut eines Jugendlichen floss und die Tränen gossen sich sofort von Exarhia bis in das wirtschaftliche Zentrum der Metropole und anderer großen Städte, Tränen von Flammen und zerbrochenen Fenstergläsern, die die Banken und die Einkaufszentren in eine Rauchwolke von Wut mit der Meldung RACHE verwandelten. 

Zwei Tage später erschienen die Weihnachtsmärkte in den Stadtzentren wie Zielscheiben von Kriegsbombardierungen, indem die kritische Wirtschaftslage mitten ins Herz durch Waren zerstörende Horde von „Hooligan“ getroffen wurde. „Der Vertrag von Varkiza wird abgebrochen, wir stehen wieder im Krieg. Wir sprechen über die Wiederkehr des Klassenkampfes im Vordergrund, wir sprechen darüber, was für uns die Lösung der Krise ist. Wir stehen noch am Anfang. Vorwärts... 

Wir sind ein Teil des Lebensaufstandes gegen den täglichen Tod, den die bestehenden sozialen Verhältnisse uns aufzwingen. Mit der in uns Zerstörungskraft greifen wir die Institution „privates Eigentum“ wild (selbst wenn widersprüchlich) an. Wir besetzen die Straßen, wir atmen frei trotz den Tränengasen, wir greifen den schlimmsten Teil unseresgleichen an: diejenigen, die Sklaven unserer Chefs auf die äußerste und widerliche Weise sind, d. h. Bullen zu sein. 

Wir errichten eine unerschütterliche Barrikade gegen die widerliche Normalität des Produktion- und Distributionszyklus. In der heutigen Lage ist nichts mehr wichtig als diese Barrikade gegen den Klassenfeind zu festigen. Selbst wenn wir gegenüber dem Zwang des (para)staatlichen Abschaums und der Brüchigkeit der Barrikade zurückziehen, wissen wir schon, dass nichts in unserem Leben wie früher sein wird. 

Zudem leben wir eine historische Lage, in der ein neues Klassensubjekt sich wieder bildet, das die Verantwortlichkeit schon lange trägt, die Rolle des Totengräbers des kapitalistischen Systems zu übernehmen. Wir glauben, dass das Proletariat nie eine Klasse wegen seiner Stellung gewesen war, sondern im Gegenteil dass, sie sich als Klasse für sich selbst in der Konfrontation mit dem Kapital bildet, erstens in der Praxis, um danach das Bewusstsein ihrer Taten sich anzueignen. Das wieder Bilden beginnt mit Gruppen von Subjekten, die sich bewusst werden, dass sie ihres eigenen Leben nicht beherrschen, welche aus sozialen Schichten kommen, die bis ins Mark gesaugt worden sind - und noch gesaugt werden- und die sich in widersprüchliche Flugbahnen bis zur Einigung verflechten. 

Die Lohnarbeit wurde immer Erpressung. Heutzutage ist die Erpressung noch intensiver wegen der Zunahme von Arbeitern, die nur pünktlich angestellt werden, mit unsicheren Verträgen in Sektoren, die für die Reproduktion der kapitalistischen Herrschaft notwendig sind, aber rein theoretisch keine soziale Nützlichkeit haben. In diesen Sektoren geht der Klassenkampf von der selbst verwalteten Produktion bis zum Blockieren oder allgemeiner Sabotage. 

Gleichzeitig schaffen die Automatisierung der Produktion und der Verzicht auf die Vollbeschäftigungspolitik große Reserven von arbeitslosen und am Rande der Gesellschaft gedrängten Proletariern, die, um zu überleben, zu unsicheren Arbeiten und illegaler Schattenwirtschaft. Arbeitslose, Arbeiter mit unsicheren Verträgen, Studenten an Hochschulen oder Universitäten, die bestimmt sind, zukünftige Lohnsklaven zu werden, Gastarbeiter der ersten oder zweiten Generation, die täglich die Marginalität und die Repression erleben, alle bilden mit den Minderheiten von radikalen Arbeitern die Gemeinschaft der Aufständischer von Dezember. Eine Gemeinschaft, die auf den gleichen Entfremdungs- und Ausbeutungsbedingungen beruht, welche durch eine auf der Arbeit-Ware basierten Gesellschaft bestimmt werden. 

Erinnern wir daran, dass die Vorwegnahme dieser festlichen Tage durch diejenigen gefeiert worden ist, die sich auf einer noch niederen Stufe befinden, durch diejenigen, die in der Qual der Demokratie jeden Genuss verloren haben: die Häftlinge der griechischen Gefängnisse. 

Die Eigentümer der Ware, die Arbeitskraft genannt wird, haben diese in den Markt investiert, statt Sozialversicherung und mit der Hoffnung, dass ihre Sprösslinge auf dem Umweg über den Aufstieg auf die soziale Stufe aus ihren Verhältnissen herauskommen. Diese Eigentümer beobachten die Aufständischen weiter, ohne Partei zu ergreifen, aber deswegen ohne die Polizei zu rufen, damit diese sie auseinander treiben. Gemeinsam mit der Ersetzung der Sozialversicherung von der polizeilichen Sicherheit und mit dem Zusammenbruch des Marktes von der sozialen Mobilität zeigen viele Arbeiter, die unter dem Gewicht von der unheiligen Welt der kleinbürgerlichen Ideologie und des gemischtwirtschaftlichen Systems eingeklemmt sind, einen moralischen Rückhalt (sozial wichtig) für den jugendlichen Aufstand, aber ohne mit seinem Angriff gegen diese mörderische Welt noch zusammenzuschließen. 

Sie schleppen ihre Leichen in die Litaneien der „Drei Monate“ von den beruflichen Gewerkschaftlern fort, indem sie einen bewegenden sektoralen Defätismus verteidigen, der im Widerspruch zu der schnell im Vordergrund kommenden aggressiven Klassenwut steht. Diese zwei Welten haben sich am Montag 8. Dezember auf den Straßen begegnet und das ganze Land wird in Glut getaucht. Die Welt des sektoralen Defätismus besetzte die Straßen, um das demokratische Recht der getrennten Rollen, dieser des Bürgers, des Arbeiters, des Verbrauchers zu verteidigen, indem sie an Demos risikolos teilnahmen. Unfern von dort besetzte die Welt der Klassenaggressivität die Straßen als kleine organisierte „Banden“, die kaputtmachen, anzünden, plündern, Bürgersteige zerstören, um die Mörder mit Pflastersteinen zu bewerfen. Die erste Welt (wenigstens der Rede der beruflichen Gewerkschaftler nach) fürchtete soviel die Anwesenheit der zweiten, dass sie am Mittwoch 10. Dezember versucht, sich zu zeigen, ohne die störende Anwesenheit der „Riff-Raff“.

Das Dilemma, wie sich auf der Straße benehmen, war schon vorhanden: entweder auf der Seite der demokratischen Sicherheit der Bürger oder auf der Seite der solidarischen Konfrontation, der aggressiven Blockierung, der Handlungsweise, um die Existenz jedes mittels Barrikaden und radikaler Angriffe zu verteidigen. 

Die Ereignisse von Dezember 2004 („Dekemvriana“) sind das letzte Kapitel einer Reihe von Aufständen in der ganzen kapitalistischen Welt. In seiner dekadenten Phase kann die kapitalistische Gesellschaft weder die Zustimmung der Ausgebeuteten dank der Annahme von partiellen Forderungen erreichen noch dieses zum Zweck haben. 

Es bleibt nur die Repression. Mit dem Restrukturieren in der Hälfte der zwanziger Jahre (um den „Bewegung von 68“ genannten proletarischen Aufruhr zurückzustoßen) befindet sich das Kapital dem folgenden Widerspruch gegenüber: einerseits hat es die Fähigkeit, eine Menschenmasse von passiven Fernsehzuschauern und Warenverbrauchern zu schaffen, andererseits musste es gleichzeitig die Möglichkeit (via die Reduktion der Löhne) für sie bestreiten, diese Waren zu bekommen. 

So gesehen keine Überraschung, dass die Einkaufszentren in der Stadiou Straße durch Menschen geplündert wurden, die die falschen Hoffnungen des Konsums täglich teilen, indem sie sehen, dass sie dafür keine Mittel haben. 

Mit dem Aufstand von Dezember gab es keine konkreten Forderungen, genau weil die Teilnehmer die wiederholten Zurückweisungen der herrschenden Klasse jeder Forderung gegenüber ertragen und also diese Klasse sehr gut kennen. Das Flüstern der Linke, die am Anfang die Zurückziehung der Regierung fragte, verwandelt sich in einen stummen Terror und einen hoffnungslosen Versuch, um die unkontrollierbare Aufstandswelle zu beruhigen. Das Ausbleiben von reformistischen Forderungen spiegelt eine latente Anlage (selbst wenn noch unbewusst) zur radikalen Subversion und Übertreffen der bestehenden Merkantilverhältnisse und die Schaffung von qualitativ neuen Verhältnissen wider. 

Alles beginnt und reift in der Gewalt – aber nichts bleibt stehen. Die zerstörende Gewalt, die während der Ereignisse von Dezember losbricht, provozierte die Einstellung der kapitalistischen Normalität im Zentrum der Metropole, eine notwendige aber ungenügte Bedingung für die Umwandlung des Aufstandes in einen sozialen Befreiungsversuch. 

Die Destabilisierung der kapitalistischen Gesellschaft ist unmöglich, ohne seine Wirtschaft lahm zu legen – d. h. ohne die Funktion der Produktion- und Distributionszentren auf dem Umweg über Sabotagen, Besetzungen und Streike zu unterbrechen. Das Ausbleiben eines positiven und kreativen Vorschlags hinsichtlich einer neuen Weise, um die sozialen Verhältnisse zu organisieren, war – bis heute – eine wirklich klare Tatsache. Doch muss der Aufstand von Dezember sich im historischen Kontext verstehen, in dem der sich auf internationalen Niveau abspielende Klassenkampf sich verhärt. 

Eine Folge von Kampfpraxen – deren einzige in zahlreiche Länder elementar aufgetaucht sind, wo wichtige Klassenkonflikte stattgefunden haben, schlagen vor und entwickeln im Ansatz das menschliche Gemeinwesen, das die entfremdeten Merkantilverhältnisse aufheben wird und erfinderisch transzendieren: die besetzten Schulen können gebraucht werden als Zentren, in den man sich organisiert, um die Straßen und die Öffentlichkeit im Allgemeinen zu besetzten; die organisierten Gegenvorlesungen wie in der Lage der jüngsten Bewegung von den prekären Studenten/Arbeitern in Italien, die das Wissen zur Verfügung dem sich bildeten Gemeinwesen stellt; die Kollektiventeignung in den Supermärkten und Buchhandlungen und das Kollektivleben in den Besetzungen als Selbsterfüllungsweise der Ernährungs- und Wohnungsversprechungen und auch von kostenlosen Büchern; eine radikale Protestbewegung gegen die Eigentumsverhältnisse, das Genossenschaftswesen statt der Privataneignung (und manchmal des Wiederverkaufs) von enteigneten Waren; die Verbindung zwischen Wohnviertelversammlungen, erstens mit der Ortproblematik, lässt also eine Gesellschaft ahnen, in der die Entscheidungen ohne die Vermittlung irgendeiner getrennten Behörde getroffen und ausgeführt sein werden (siehe Oaxaca); kostenlose öffentliche Verkehrsmittel; „Umzug“ (in Arbeitsbüros eindringen und all sein Material auf die Straße hinauswerfen), wie es mit der anti-CPE in Frankreich getan worden ist. 

Diese Praktiken (und viele andere, die sich aus der persönlichen und kollektiven Intelligenz ergeben) können die Negationskräfte stärker machen, damit, mitten in dem Durcheinander des Aufstandes, die freie und kommunistische Gesellschaft fängt an, Gestalt anzunehmen. 

Wir machen alles, was wir machen können, um die Besetzungen nicht zu verlassen, weil wir nicht nach Hause zurück wollen. Die „realistische“ Idee, dass wir früher oder später zur Normalität zurückkehren müssen werden, macht uns traurig. Was uns viel Freude macht, ist das wir nur am Anfang eines historischen Auftriebsprozesses des Klassenkampfes sind. Wenn wir es wollen, wenn wir dafür kämpfen, wenn wir an den Klassenkampf glauben, was uns aus der Krise hinauszugehen machen kann, das ist genau ein revolutionärer Ausbruch aus diesem System.
 

24. Dezember 2008
Proletarier der besetzten ASOEE
(Universität für Wirtschaft in Athen)

„Von Griechenland ab: Für eine neue Internationale“ [1]

Dienstag 23. Dezember 2008

Eine Clique von Politikern und Journalisten bilden in unserer Nähe einen Wespenschwarm, um zu versuchen, Vorteil aus unserer Bewegung zu ziehen, indem sie probieren, ihre engstirnige Auffassung aufzuzwingen. Sie behaupten, dass wir uns auflehnen, weil unsere Regierung korrupt ist oder wir mehr Geld, mehr Arbeit haben wollen... 

FALSCH. 

Wir zerbrechen die Schaufenster der Banken, weil wir ihr Geld als eine der Hauptursachen unserer Traurigkeit betrachten. Wir zerbrechen die Schaufenster der Warenhäuser nicht nur, weil das Leben teuer ist, sondern weil die Ware, was auch ihr Preis sein mag, uns zu leben verhindert! Wir stürmen die Polizeireviere nicht nur, um unsere getöteten Genossen zu rächen, sonder weil wir die Polizei, zwischen dieser Welt und jener, welche wir wünschen, immer ein Hemmnis sein wird. 

Wir wissen, dass die Zeit für uns gekommen ist, strategisch zu denken. In diesem so wichtigen Moment wissen wir, dass die Verbreitung des Aufstandes wenigstens auf europäischem Niveau die unentbehrliche Bedingung für seinen Sieg ist. In diesen letzten Jahren haben wir das folgende gesehen und gelernt: die Gegengipfel auf der Welt, die Studentenaufstände auf Weltniveau, die Aufrühre in den französischen Vororten, die Kampfbewegung gegen die TAV in Italien, die Kommune von Oaxaca, die Unruhen in Montreal, die aggressive Verteidigung von Ungdomshuset in Kopenhagen, die Unruhen gegen den Nationalkonvent der Republikaner in den Vereinigten Staaten und es geht weiter. 

In der Katastrophe geboren, sind wir die Kinder einer globalen Krise: politischen, sozialen, wirtschaftlichen, ökologischen. Wir wissen, dass diese Welt schon tot ist und man besonders geistgestört sein muss, um sich an ihren Ruinen festzuhalten... Also ist die Selbstorganisation die einzige vernünftige Option. 

Diese Option bedeutet selbstverständlich die ganze Ablehnung von politischen Parteien und Organisationen, denn sie Teile sind von der alten Welt. Wir sind die Hätschelkinder dieser Gesellschaft, aber von ihr wollen wir nichts. Diese Sünde werden sie uns nie verzeihen. Hinter den schwarzen Schalen sind wir eure Kinder. Gerade organisieren wir uns. 

Wir würden uns nicht so viele Mühe geben, die Materie dieser Welt, ihre Banken, ihre Warenhäuser, ihre Polizeireviere zu zerstören, wenn wir nicht wüssten, dass wir gleichzeitig ihre Metaphysik, ihre Ideale, ihre Ideen und ihre Logik verminen würden. 

De Medien werden alles, was während dieser letzten Wochen geschah, als einen Ausdruck von Nihilismus beschreiben. Sie aber verstehen nicht, dass wir, im Angriff- und Zerstörungsprozess ihrer Realität, eine Art von höherer Teilungsgemeinschaft, eine Art von froher spontaner höherer Organisation für die Grundlage einer andersartigen Welt ausprobiert haben. 

Einige Leute würden sagen, dass unser Aufstand auf seine eigene Finalität stößt, insofern, als sie sich auf die Zerstörung beschränkt. Das würde tatsächlich der Fall sein, wenn wir, neben den Straßenkämpfen, die notwendige Organisation für eine langwierige Bewegung nicht vorgesehen hätten: bevorratete Kantinen durch regelmäßige Plünderungen, vorbereitete Krankenreviere, um unsere Verletzten zu pflegen, Logistik, um unsere Presse herauszugeben und Rundfunksendungen übertragen zu können. 

In dem Maße, wie wir Gebiete von der Staatsgewalt und ihrer Polizei befreien, müssen wir sie besetzen und seinen Gebrauch im Dienste der Bewegung umwandeln. So bestärkt sich die Bewegung weiter. Im ganzen Europa zittern die Regierungen. Die Wiederholung der örtlichen Aufrühre fürchten sie allerdings am meisten nicht, sondern das Bestehen einer sehr wirklichen Möglichkeit, dass die westliche [2] Jugend seine gemeinschaftlichen Ursachen erkennt und sich in Bausch und Bogen erhebt, um dieser Gesellschaft den Gnadenschuss zu geben. 

Dies ist eine Aufforderung an alle, die es hören wollen: 

Von Berlin bis Madrid, von London bis Tarnac ist alles möglich. 

Die Solidarität muss sich in Einverständnis umwandeln. Die Konfrontationen müssen sich verbreiten. Die Kommunen müssen proklamiert werden. 

So wird der Zustand nie zu der Normalität zurückgehen. So werden die Ideen und Praxen, die uns vereinen, wirkliche Bindungen sein. So werden wir nicht zu regieren. [3]

Revolutionärer Gruß an die Genossen der ganzen Welt.

An die Häftlinge: „wir werden sie befreien!“

Fußnoten

[1] Anm. d. Red. (Zeitschrift « Communisme »): Die Übersetzung dieses Flugblatts wurde von der Übersetzung der „Rote Zukunft“ inspiriert und von uns auf Basis der spanischen Übersetzung verarbeitet.
[2] Anm. d. Red. (Zeitschrift « Communisme »): betonen wir den ideologischen Grenz, der darin besteht, die westliche Jugend als besonderes revolutionäres Subjekt vorzuschlagen. Das wirkliche revolutionäre Subjekt ist weder die Jugend noch die westliche, sondern wohl das Proletariat.
[3] Anm. d. Red. (Zeitschrift « Communisme »): tatsächlich noch ein anderer ideologischer Grenz dieses Flugblattes, der darin besteht, zu glauben, dass man ein Gebiet nur mit der Bildung von freien Kommunen befreien könnte, ohne die Kapital- und Staatsmacht auf Weltniveau abzuschaffen.

Hauptversammlungserklärung der aufständischen Arbeiter von Athen

Wir werden unsere Geschichte selbst bestimmen oder sie werden darüber entscheiden. 

Seit 8. Uhr morgens, heute Mittwoch 17. Dezember 2008, haben wir einfache Arbeiter die Zentrale des GSEE (Bund aller Arbeiter von Griechenland) in Athen besetzt. Jetzt ist es Zeit mit der Vermittlung der gewerkschaftlichen Streikbrecher, die niemand vertreten, Schluss zu machen. 

Schluss mit der Medienlüge über die 500 und ihre Kapuze: der Aufstand geht weiter. 

Wir erklären, dass die Zentrale des GSEE ein freier Platz für all die Arbeiter dieses Land geworden ist. 

Generalstreik jetzt! 

Befreiung all der Aufstandshäftlinge sofort! 

Wir Handarbeiter, Angestellte, Arbeitslose, Zeitarbeiter oder Gastarbeiter sind keine passiven Fernsehzuschauer. Seit dem Mord an Alexandros Grigoropoulos samstagabends haben wir an den Demos und Konfrontationen mit der Polizei, an den Besetzungen der Stadtmitte und Umgebungen teilgenommen. Mehrmals haben wir die Arbeit und unsere täglichen Verpflichtungen verlassen müssen, um die Straßen mit den Oberschülern, den Studenten und den anderen kämpfenden Proletariern zu besetzten. 

WIR HABEN BECHLOSSEN DIE ZENTRALE DER GEWERKSCHAFT (GSEE) ZU BESETZTEN 

- Um sie in einen Platz für freie Meinungsäußerung und Treffpunkt für die Arbeiter zu verwandeln. 

- Um den durch die Medien verbreiteten Betrug betreffend die Abwesenheit von Arbeitern in den Konfrontationen aufzuklären. Den Medien nach würde die Wut dieser letzten Tage das Werk von einigen 500 „mit Kapuzen“, von „Hooligans“ oder anderen Märchen sein, gleichzeitig sind die Arbeiter in den Nachrichten als Opfer dieser Konfrontationen gezeigt, indem die kapitalistische Krise in Griechenland und auf der Welt zu unzähligen Entlassungen führt, welche die Medien und ihre Leiter als eine „Naturerscheinung“ betrachten. 

-Um die schändliche Rolle der gewerkschaftlichen Bürokratie in ihrer Unterminierungsarbeit gegen den Aufstand und auch auf anderen Niveaus zu demaskieren. Die Zentrale der Gewerkschaften in Griechenland (GSEE) und das ganze gewerkschaftliche Apparat, das diese Zentrale seit Dutzenden von Jahren unterstützt, wertet die Kämpfe ab, handelt unsere Arbeitskraft gegen ein paar kümmerliche Brocken aus und verewigt das Ausbeutung- und Lohnsklavereisystem. Das Verhalten des GSEE am letzten Mittwoch lässt tief blicken: der GSEE hat die doch programmierte Demo der Arbeiter zurückgenommen, um sich hastig mit einer kurzen Ansammlung auf dem Syntagmaplatz zu begnügen, indem sie sich gleichzeitig vergewissert, dass die Teilnehmer sich auseinander gehen würden, aus Angst, dass sie durch den Virus des Aufstandes anstecken würden. 

- Um diesen Platz für das erste Mal zu öffnen – als Fortsetzung der durch den Aufstand selbst verursachten sozialen Aufgeschlossenheit – Gebäude, das mit unseren Händen errichtet worden ist, von dem aber wir ausgeschlossen worden sind. Während all dieser Jahre haben wir unser Schicksal Rettern aller Art anvertraut und zuletzt haben wir unsere Würde verloren. Als Arbeiter müssen wir erst unsere Verantwortlichkeiten übernehmen und damit aufhören, unsere Hoffnungen auf gute Führer oder „zuständige“ Vertreter beruhen zu lassen. Erst müssen wir mit unserer eigenen Stimme sprechen, uns begegnen, diskutieren, selbst entscheiden und handeln. Gegen die verallgemeinerten Angriffe, die wir ertragen, ist die Gründung von Widerstandsauschüssen an der Basis die einzige Lösung. 

- Um die Idee der Selbstorganisation und Solidarität an der Arbeitsstelle zu verbreiten, die Kampfausschüsse und die Kollektivpraxen an der Basis für die Abschaffung der gewerkschaftlichen Bürokraten zu vermehren. 

- Während all dieser Jahre haben wir das Elend, die Resignation, die Gewalt bei der Arbeit hingenommen. Wir sind daran gewöhnt, unsere Verletzten und Toten zu zählen – die so genannten „Arbeitsunfälle“. Zuletzt sind wir daran gewöhnt, den Tod von den Einwanderern – unseren Klassenbrüdern – zu ignorieren. Wir müssen für unsere Löhne angstvoll sorgen, um unsere Steuern zu bezahlen und unsere Rente zu garantieren, die heute einem weit zurückliegenden Traum glich und dieses Lebens werden wir müde. 

Eben so wie wir kämpfen, damit wir unsere Leben den Händen unserer Arbeitsgeber und gewerkschaftlichen Vertreter nicht überlassen, so werden wir die inhaftierten Aufständischen den Händen des Staates und juristischen Systems nicht überlassen.

DIE INHAFTIERTEN SOFORT BEFREIEN

BELASTUNGEN GEGEN DIE INHAFTIERTEN ZURUCKZIEHEN

SELBSTORGANISATION DER ARBEITER

GENERALSTREIK

Versammlung der aufständischen Arbeiter von dem „befreiten“ Gebäude des GSEE

Mittwoch 17. Dezember 2008 um 18. Uhr.




OL.GE.4.3 Kapitalistische Katastrophe und proletarische Kämpfe... Es geht weiter: Griechenland!