Allgemeine Merkmale derzeitigen Kämpfe
Dieser kurze Text versucht die allgemeinen Merkmale derzeitigen Kämpfe schematisch darzustellen und zu einer Synthese jede e zusammenzufassen, ohnEinzelheit oder Vorbildlichkeit zu berücksichtigen. Obwohl es keinesfalls als Rezept für jeden Kampfsaugenblick dienen kann, scheint uns ein solcher Umriss sehr nützlich als Basis für die internationalen Regeln, die die Handlungen der avantgardistischen Minderheiten des Proletariats orientieren.
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Allgemeine und ständige Formen des Kanalisieren des Klassenkampfs

Die allgemeine Erhaltungsweise der bürgerlichen Ordnung bedeutet die ständige und tägliche Negation jeder Organisation des Proletariats zu Klasse für die Zerstörung des Kapitals und des Staats. Heute doch handelt es sich nicht für die Bourgeoisie, die Interessen der Arbeiter offen zu leugnen, wie es während der ersten Zeiten der kapitalistischen Entwicklung der Fall war, sondern sie einzurahmen und in Normalinteressen von Bürgern und Verkäufern von Waren zu verwandeln, was auch eine Negation der Interessen des Proletariats wohl bedeutet, aber auf eine hinterhältige Weise. Oder besser gesagt, die vollendeteste Form, die das Kapital gefunden hat [1] um seinen historischen Feind als Klasse zu leugnen, ist ihn zu atomisiertem Bürger zu zerfallen und/oder ihn in verschiedenen berufsständischen Wirtschaftssektoren als Verkäufer von Arbeitskraftwaren aufzulösen [2]. Die entwickeltesten Ausdrücke von diesen beiden Negationen der gegensätzlichen Klasseninteressen sind die Wahltaktik und der Syndikalismus. Es ist klar, dass diese ständige Negation des Proletariats als Klasse in Gestalt des sozialen Friedens täglich lebt und seinen Grund, sowohl historisch als auch logischerweise, in dem vom Staat monopolisierten allgemeinen Terrorismus findet. Aber ausnahmsweise werden wir in dieser Text über dieses entscheidende Aspekt, die Staatsangehörigkeit ("citoyennisation" auf Französisch) und die Wahltaktik nicht zurückkommen, weil sie schon in anderen Texten erwogen wurden, um uns auf das berufsständische Proletenkult ("ouvriériste" auf Französisch) Kanalisieren der Kämpfe zu konzentrieren.

Es gibt keinen Zweifel, dass das Kapital, so oft es kann, sich mit dem Proletariat Sektor pro Sektor, in ganzer Übereinstimmung mit seiner allgemeinen Spaltungstaktik, beschäftigt. In diesem Zusammenhang gelingt es den Gewerkschaften und anderen Kontroll- und Spaltungsapparaten, den sozialen Frieden durch das Einrahmen der Kämpfe in "Streiken" und "Demos" zu erhalten. Diese“ Kämpfe“ stellen den sozialen Frieden nicht nur in Frage, sondern die historische Partei der Konterrevolution (die Sozial-Demokratie in all ihren Erscheinungsformen) nützt den Streik mit den Händen im Schoss und die pazifistische Demos als Mittel schlechthin, um die proletarischen Kräfte zu kanalisieren und aufzuzehren.

Damit wollen wir nicht nur auf Teilarbeitsniederlegung mit Ankündigung und befristet hinweisen, die die Arbeitgeber begeistern. Wir wollen auch über diese „Streike“ [3] reden, die von den Gewerkschaften mitunter radikaler organisiert werden (selbst mit Gewalt durch „kämpferische“ Gewerkschaftler), aber im Allgemeinen berufsständisch, örtlich mit partikularistischen Forderungen gegenüber einem Arbeitgeber oder irgendwelchen Behörden bleiben. Diese „Streike“ brechen mit dem sozialen Frieden im Grunde nicht ab. Dies konkretisiert sich gewöhnlich mit Hilfe von durch alle Arbeiter getroffenen Entscheidungen, ohne Teilnahme von Menschen außerhalb der Arbeitsstelle usw. Mit anderen Wörtern, einen „Kampf“ führen, der kein proletarischer Kampf gegen das Kapital sei, sondern nur ein Ausdruck von Partikularismus und, auf einem globalen Niveau, von bürgerlicher Konkurrenz, d. h. für die Gewerkschaften Sicherheit. Andererseits findet sich die proletarische Macht kanalisiert in Forderungen, die die Ausbeutungsrate grundlegend nicht angreift (man benimmt sich verantwortlich den “Bedürfnissen der nationalen Wirtschaft“ gegenüber), und/oder man errichtet Hindernisse zwischen den Arbeiter dieses oder jenes Sektors. Selbstverständlich ist die Spaltung zwischen den Arbeiter am tiefsten genau überall, wo die kapitalistische Konkurrenz sich auf Grund von autonomen, nationalistischen, selbst rassistischen Kämpfen entwickelt.

Das gleiche, was die Demos betrifft. Obwohl dieser oder jener radikale Ausdruck angenommen wird, haben die fest eingerahmten Protest- oder Friedensmärsche, mit gelegentlicher Duldsamkeit der Ordnungskräfte, als Funktion, den Protest nachzuäffen, die Arbeiterkräfte abzulenken und zu verschwenden [4].

Mit der Entwicklung des Kapitals verstärkt sich eine solche Praxis und hat sich in all den halbwegs beständigen kapitalistischen Organisationen so recht eingebürgt. Schon mit der Geburt des Proletariats und seiner Arbeitsunionen tauchten die Gewerkschaften (als deren Vereinnahmung oder sofort bürgerliche Errichtung) und andere Staatsapparate auf (deren Benennung den Ländern nach viel verschieden ist). Diese so genannten Arbeiterapparate wurden mit dem Einrahmen der Kämpfe beauftragt, sie in ihr Gegenteil zu verwandeln [5]. Im Laufe der Zeit wurden all die beständigen Massenarbeiterunionen vereinnahmt und in Apparate für die Staatsherrschaft verwandelt. Darin liegt ja die greifbare Bezeugung der unmöglichen friedlichen Koexistenz zwischen den Interessen des Kapitalismus und jenen des Proletariats. Im Gegensatz zu der Behauptung von all den Gewerkschaftlern und Sozial-Demokraten im Allgemeinen (einschließlich der Maoïsten, Trotzkisten oder Guevaristen, die behaupten, dass die Gewerkschaften die sofortigen Interessen der Proletariern verteidigen, selbst wenn sie für die historischen Interessen des Sozialismus nicht kämpfen), können selbst die sofortigen Interessen des Proletariats nicht verteidigt werden, ohne dem Kapital und also dem Staat zu trotzen.

Indem die Gewerkschaften ihren Platz an der Seite der Polizei und der Armee zementierten, weil sie als Liquidierungsapparate unserer Kämpfe funktioniert, festigten sich überall ihre unentbehrlichen Praxis („Versammlungen“, partielle Arbeitsniederlegungen, kontrollierte „Streike“, friedliche Demos...), um die bürgerliche Ordnung zu erhalten.

Welche sind, vom Standpunkt beider feindlichen Klasse aus, die Folgen dieses Prozesses gewesen? Selbstverständlich handelt es sich genau für das Kapital um den Prozess selbst des Kapitals, worin seine Allmacht und Behauptung zu Ewigkeit sich beweist. Damit wird alles, was noch gestern dagegen war, vereinnahmt: „Menschen“, Apparate, Organisationen, Anweisungen, Kampfhandlung treten in seinem Dienst.

Und was jetzt vom Standpunkt des Proletariats aus? Zuvor fühlten sich all die Proletarier auf der Welt betroffen, wenn sie das Wort „Streik“ hörten. In irgendwelcher Stadt, Dorf, Betrieb oder Quartier versammelten sich die Proletarier, weil das Leben selbst ein kollektives Klassenleben war. Also während Dutzenden von Jahren diskutierten täglich die Ausgebeuteten über ihre Lebens- und Kämpfbedingungen. Überall und wie ungleichartig auch das Klassenbewusstsein gewesen war, diskutierte man über die Schmerzen dieser Gesellschaft, die Notwendigkeit den Kapitalismus zu zerstören, dem Staat zu trotzen, eine Gesellschaft ohne Ausgebeuteten noch Ausbeuter aufzubauen... Aber im Laufe dieser letzten Jahrzehnte ist alles bestimmt verschwunden. Das Proletariat selbst scheint nicht mehr auf Weltniveau zu existieren [6]. Im Alltagsleben scheinen nur die Einzelnen, die Reichen, die Armen, die Minister, die Arbeitslosen, die Straftäter, die Nationalisten, die Terroristen, die Bürger, die Bauern, die Intellektuellen, die Feministen, die Studenten, die Wähler, die Ökologen... zu bestehen. Die Intellektuellen im Dienst der herrschenden Klasse und/oder der dummen alten Ideologie des Kleinbürgertums, die über das Verschwinden des Proletariats sprechen, sagen nicht nur Lügen, die die Weltbourgeoisie begeistert, sondern auch ein Teilaspekt von einer Wirklichkeit, die wir Proletarier auch erfahren.

Die Proletarier selbst fühlen sich nicht Proletarier. Das Unbewusstsein ist so, dass sie ja sogar nicht wissen, dass sie derselben Klasse gehören. Dieser fühlt sich dem Proletarier überlegen, weil er die Krawatte trägt und in der Bank arbeitet. Jener hält sich für Bauer und arm, und noch dieser für Arbeitsloser. Ein anderer glaubt, sein Auftrag im Leben sei, für den Feminismus zu kämpfen. Andere fügen sich auf verschiedene Niveaus in die rassistischen (einschließlich der Anti-Rassistischer) kapitalistischen, nationalistischen, anti-imperialistischen... Kämpfe ein. Zuletzt versammeln sie sich nicht, diskutieren sie nicht über das Leben, die Welt als Proletarier. In den Kneipen wird nur über Fußball gesprochen... und die Mehrheit der Proletarier besucht doch die Kneipen nicht mehr. Der Proletarier ist beinahe als Mensch ganz verschwunden, und nach der Lohnversklavung bleibt er noch ein einfacher Zuschauer. Die Fernsehen- und Videokombination hat das historische Werk des Staats vollendet, zum Verschwinden des Proletariats, zu seinem individuellen und familiären Auflösen noch mehr beitragend. Nach acht Stunden Arbeit und acht Stunden, die für seine Ruhe bestimmt sind, damit er wieder arbeiten kann, bleibt aber heute der Proletarier Gefangener der noch vorhandenen acht Stunden.

Das Kapital macht alles, was es kann, um den idealen Höhepunkt dieses Prozesses zu erreichen, um zu einer Gesellschaft zu gelangen, wo es keinen historischen drohenden Feind nicht mehr geben würde, wo nur gute erzeugende Bürger und, wenn möglich, blöde brauchbare Menschenähnliche leben würden, um die Gesellschaft zu reproduzieren, ohne sich die geringste Frage zu stellen. Alle Tätigkeits- und Forschungsbereiche arbeiten für die Verwirklichung dieses idealen Zwecks. Im Betrieb und Büro werden die Menschen von der Automatik und letztere von den Maschinen ersetzt. Die Informatik und Robotik streben ideal nach einer Welt, worin jedes menschliche Leben von einer künstlichen Apparatur ersetzt werden würde. Die Biologie, die Genetik, die Forschungen über die Insemination zielen auf die Schöpfung eines “Menschen“, der kein ist, einen „Mensch“, der für diese Gesellschaft programmiert wird, d. h. für das Kapital. Solange solch ein menschenähnlicher Körper nicht geschöpft wird, um Werte zu produzieren, ohne jemals zu protestieren [7] oder sich zu revoltieren, wird man probieren, sich diesem Ergebnis zu nähern, dank Radios, Fernsehen, Computerspielen, Wahlen, Drogen... alle Mitteln, um die Menschen dumm zu machen. Für all die Verweigerer gibt es immer die psychiatrischen Kliniken, die Gefängnisse, die Irrenanstalten, die Beruhigungsmittel, die Kriege, die Viren, die Kernunfälle, usw. Als ob diese Enthumanisierung des Menschen nicht genügte, verspricht man uns sehr bald Spiele mit virtuellen Bildern, denen werden wir unseren „wirklichen Genuss“ [8], mit einem(er) virtuellen Partner(in), eine “ Reise um die Welt“, einen „Kampf gegen jemanden auf einem anderen Kontinent“ verdanken, das alles, ohne aus dem Haus zu gehen.

Unsere Feinde sind bestimmt erfolgreich. Große Unterwerfung, allgemeine Verwirrung, kollektive Dummheit, heute mehr denn je. Dennoch ist das Proletariat nicht tot.

Bestimmt drückt es nicht wie früher aus, also täglich, mit Hunderten von ständigen Verbänden, mit Solidaritätsorganisationen, mit internationalen und internationalistischen Gruppen, mit einer auf der Welt alle Proletarier verbindender Arbeiterpresse... Aber wenn es sich ausdrückt, drückt es sich mit allgemeiner Gewalt direkt aus.

Tatsächlich, da die von den Gewerkschaften organisierten Streike nicht mehr glaubwürdig sind, das nationale politische System und seine Wahlspiele die frühere Anziehungskraft nicht mehr ausüben, zu der Zeit, als man noch glaubte, dass eine Parlamentspartei oder eine Regierung den Zustand verändern könnte, da die pazifistischen Demos oder andere Spatziergänge für diese oder jene Teilforderung ihren Reiz verloren haben, die alten Staatsvermittlungen nicht mehr fähig sind, das Sicherheitsventil zu sein, taucht das angeblich gestorbene Proletariat wieder auf, umso explosiver, als kein kleiner Streik, keine pazifistische Demo, keine Wahlversprechung oder irgendwelche Vermittlung ihn stoppen können.

Umso deutlicher behauptet sich die Nichtexistenz der Einrahmenstrukturen von dem Proletariat, umso mehr stand es fest, dass das Proletariat für immer verschwunden war, und noch größer war die Überraschung, wenn allgemeine Aufstände sich in einer, verschiedenen oder allen Städten eines oder mehreren Länder entwickelten. Erwähnen wir nur die wichtigsten Aufstände: Venezuela, Birma, Algerien, Marokko, Rumänien, Argentinien, Los Angeles...

Selbstverständlich unterscheiden sich sehr diese Beispiele, was die Wichtigkeit der Infragestellung der bürgerlichen Ordnung betrifft, wie wir schon in unseren Publikationen die Gelegenheit gehabt haben, diesen Zustand zu analysieren. Man darf aber nicht übersehen, dass dieser Text nicht von der Analyse dieser Verschiedenheiten, noch von dem Vergleich dieser Zustände handelt, sondern im Gegenteil von der Beschreibung ihrer gemeinsamen Merkmale.

Iraks Fall wird nicht erwähnt, das bedeutet nicht, dass es unmöglich ist, in diesem Fall die Kraft zu beobachten, die in der Mehrheit der heutigen proletarischen Aufständen bestehen, sondern im Gegenteil, weil dieses Land während der letzten zehn Jahren eine wirkliche dauernde proletarische Assoziationsfähigkeit, eine Wirkung von kommunistischen Gruppen mit proletarischen Fahnen gekannt hat. Diese außergewöhnliche Beständigkeit zuwiderläuft der heutigen Periode und macht, dass der Klassenkampfzustand in diesem Land das allgemeine Schema dieses Textes hinausgeht. Wir können nicht voraussagen, wie weit der Zustand in Irak ein allgemeines und weltweites Hinauswachsen des Klassenkampfs bestimmt. Aber wir weißen, dass dieses Hinauswachsen bestimmte Elementarbedingungen braucht, um sich zu ereignen. Die Hauptbedingung ist die Aufnahmefähigkeit des Weltproletariats für die wesentlichen Klassenkämpfe überall auf der Welt, wo sie sich entwickeln. In diesem Sinne stellen wir eine Riesenschwäche des Proletariats fest, die sich ebenso in den Riesenschwierigkeiten zeigt, die das Proletariat in diesem Land empfindet, um seinen Kampf bekannt zu geben, um andere proletarischen Sektoren diesen Zustand wahrzunehmen und zum Eingreifen zu ermuntern. Besonders konkretisiert sich diese Schwäche in unserer Riesenschwierigkeit, wir internationalistischen Proletarier, die internationale direkte Aktion in diesem Sinne zu zentralisieren [9].

Die Art der durch die heutige Periode kenngezeichneten proletarischen Aufstände: die proletarische Kraft

Gestern zeigte das Proletariat täglich sein Dasein und seinen Antagonismus der sozialen Ordnung gegenüber. Mit Ausnahme der ständig bestehenden winzigen revolutionären proletarischen Organisationen (wie unsere Gruppe), deren Existenz, als historisches Produkt des Proletariats und seiner Praxis, die proletarische Entschlossenheit stromaufwärts behauptet, zeigt heute das Proletariat sein Dasein, widerlegt sein viel zitiertes historisches Verschwinden, nur durch seine sozialen Ausbrüche, die das Jahrzehnt 1980 und den Beginn der Neunzigerjahre kennzeichneten [10]. Wir werden hier versuchen, die für uns Hauptmerkmale dieser Aufstände zu betonen.

Diese Ausbrüche kennzeichnen sich durch die gewaltige und entschlossene Aktion des das auf die Straße gehenden und allen Staatsapparaten trotzenden Proletariats. Die Straße ist blitzschnell schwarz von Menschen und das Eingreifen verbreit sich im Nu. Sofort auf die Straße gehen zielt darauf ab, die kapitalistischen Teilungen des Proletariats gewaltig zu brechen: der beschränkte Kreis des Betriebs, des Bergwerks oder des Büros zersplittert. Arbeitslose, Frauen, welche das Kapital zu Hausarbeit verdammt, Alte, Kinder, alle greifen zusammen ein.

Diese Aufstände brechen im Allgemeinen ohne klares Ziel aus, und schlagen selten irgendetwas Konstruktives vor. Sie beginnen meistens mit etwas wie „genug davon“, was wirtschaftliche, politische und soziale Aspekte umfasst. „Nieder mit der Unterdrückung, den Polizeikontrollen“, „Zuviel Preisanstiege“, „Gegen die Allgewalt der Polizei und die Regierungspartei“, „Wir wollen essen“, „Wir wollen den Gürtel nicht mehr enger schnallen“, „Wir lehnen den Preisanstieg dieser lebensnotwendigen Produkte ab“... sind in großen Zügen die einigenden Elemente für die Aktion des Proletariats. Aber das ist kein hervorstechendes Merkmal für heute. In der ganzen Geschichte unserer Klasse konzentrieren die gewaltigen Massenaufstände diese kollektiven Negationen dieser oder jener Aktion vom Kapital und Staat. Was kennzeichnet vielleicht die Aktualität, ist die Tatsache, dass es keine sichtbare quantitative Fortbewegung vor dem Ausbruch gibt, dass der "Verdruss" des Proletariats inem Ganzen von großen Teilkämpfen icht vorangegangen wird. Im Gegenteil kennzeichnet sich die heutige Periode genau durch diese Wiederbehauptung vom vergänglichen Dasein des Proletariats, denn, außer diesen Augenblicken, das Proletariat scheint alles anzunehmen, und das Kapital selbst ist erstaunt über den durch seine verbrecherischen Sparmaßnahmen wenigen Widerstand [11].

Genau weil es den verschiedenen Angriffen vom Kapital gegenüber keine tägliche Reaktion gibt, geht das Kapital immer weiter und setzt das Proletariat in einer hoffnungslosen Lage. Nie wurde das Weltproletariat so schlecht behandelt, einer unerträglichen Lage unterworfen, in einer Sackstraße eingeklemmt... nie wurde es zum Äußersten getrieben. Dies ist ein anderes wichtiges Kennzeichen der heutigen Kämpfe, und die wirklichen Wutausbrüche des Proletariats wurden durch die hoffnungslose, unerträgliche Lage verursacht...

Die Wirtschaft hat immer den Menschen geopfert, wie Marx schon seiner Zeit hingewiesen hat. Aber nie früher war die Verzicht auf alles, was der Mensch braucht, so vollständig und mit Frechheit im Namen der Betriebsrentabilität und der nationalen Konkurrenz bekannt gegeben und verwirklicht worden. Nie in der Geschichte gab es so wenige tägliche Proteste gegen diese Staatsräson. Nie hat eine solche Unmenschheit in dieser Gesellschaft so wenige Empörung verursacht. Genau diese Logik führt gegenwärtig zu explosiven Zuständen: das Proletariat erträgt viel mehr als man ertragen und sich vorstellen kann. Es kommt aber unvermeidlich einmal vor, dass die Fabeln und de Lügen uns nicht mehr zum Narren halten können und dann kommt der Ausbruch.

Der Kampf als unabwendbare Explosion findet seine Kraft in dem Überraschungseffekt Dieser Effekt lähmt den Feind, der nicht weiß, wie er antworten kann. [12] Das alte reformistische sozial-demokratische Arsenal hat keine Wirkung gegenüber der entschlossenen und gewaltigen Aktion des Proletariats. Auch der Syndikalismus ist ganz und gar unfähig, die ausweitende proletarische Gewalt zu antworten und einzurahmen. Die verschiedenen regionalen Strukturen oder die Wohnviertelteilungen, die Sozialarbeiter und im Allgemeinen die verschiedenen Vermittlungsstaatsbeamter sind der Dinge nicht mehr Herr. Das Ausbleiben von konkreten Forderungen macht ihre reformistischen Aufgaben für die Liquidierung der Bewegung noch schwieriger. Wenn sie vor dem Proletariat stehen, werden sie durch das Proletariat überläuft. Dieses Ausbleiben von positiven Forderungen und die Teilnahmen des Proletariats an Forderungen über bestimmte Kategorie von Arbeiternehmern sind genau die Kraft der Bewegung: Opposition gegen alles, was von der Macht kommt, Negation von allem, was besteht (was die bürgerliche Linke in Bezug auf diese Bewegungen genau kritisiert) kennzeichnen tatsächlich die Notwendigkeit der kommunistischen Revolution.

Die Protagonisten selbst ziehen Vorteil aus dem Überraschungseffekt. Die allgemeine Nichtkommunikation, die während des sozialen Friedens üblicherweise herrscht, der höchste Individualismus, der im täglichen Leben herrscht, „nur tun, was jedem daheim gefällt“, alles das zerspringt durch direkte Aktion auf der Straße (selbst wenn dieses nur mit Minderheitsvorkämpfern wahr ist und wenn der Kampf geht auf). All diejenigen, die an diesen Bewegungen teilnehmen, entdecken eine bis her unbekannte Solidarität und erstaunen sich über die Egoïsmuslosigkeit, die auf den Barrikaden herrscht, über das außergewöhnliche Organisationsverständnis, womit die Aktion sich strukturiert. Überdies entdecken sie bei diesem Nachbarn, den sie nie begrüßten, bei diesem Kollegen, den sie als einen Dummkopf betrachteten, bei diesem Freund, der nur von Fußball sprach... einen Genossen, der mit ihnen nebeneinander kämpft.

Jedes Mal werden die Polizeireviere, die Gebäude der regierenden Parteien, der Gewerkschaften und anderen Staatsapparate (die Verwaltungsstelle, die amtlichen Büroräume, die Gerichte...) angegriffen und angezündet. Die direkte Aktion wird gegen die offiziellen Vertreter des Regimes angewendet, und die Kollaborateure werden erledigt. In bestimmten Fällen werden die Gefängnisse angegriffen und die Gefangenen befreit. Unabhängig von dem diffusen Bewusstsein der Protagonisten, handelt es sich nicht nur um eine gewalttätige Demonstration der Wiederherstellung, der Existenz unserer Klasse, sondern auch um den allgemeinen Antagonismus zwischen dem Proletariat und dem ganzen bürgerlichen Staat.

Noch etwas anderes zeigt die unbestreitbare Kraft dieser proletarischen Aufstände: die mehr oder weniger organisierte Enteignung des bürgerlichen Eigentums durch Gruppen von Vorkämpfern. Die alten Vorurteile hinwegfegend, den Staatsterrorismus trotzend, [13] nehmen die Proletarier, was sie brauchen. All die Vermittlungen des Kapitals, die sie verurteilen (Geld, Lohn, Arbeit...), versuchen sie so zu vernichten. Für das erste Mal essen viele wirklich, was sie wünschen und, unter denjenigen, die an dem Aufstand teilnehmen, leisten sich zahlreiche, wovon sie immer geträumt haben, ohne dafür genug Geld zu haben: ein Fernsehapparat, eine Heizung, ein Federbett, ein Seidenanzug... Für einmal beim Fest sein: man trinkt uneingeschränkt Getränke, die weniger als gewöhnlich verfälscht werden, weil ihre unerschwinglichen Preise ihren Verbrauch im Allgemeinen verbieten; man isst ohne die täglichen Entbehrungen; man tanzt; man singt; es wird tüchtig gefeiert...

Zur gleichen Zeit dieser Grundbehauptung von proletarischen Interessen gegen das bürgerliche Eigentum (vergängliche Behauptung des menschlichen Lebens, die die Möglichkeit und die Notwendigkeit der Diktatur des Proletariats gegen diese Gesellschaft von Entbehrungen, Krieg und Tod meldet), werden die ersten Organisationsprobleme verursacht. Auf den Barrikaden, in den Stadtteilen, wohin die Polizei nicht eindringen darf, organisieren sich Aktionsgruppen: die Verantwortungen werden verteilt, die gefährlichsten und organisiertesten Aktionen werden geplant [14] und die Kriterien werden diskutiert: Kriterien für die Aktionen, für die Teilung, für die Gewaltanwendung, für den Angriffauswahl von Geschäften, für die Formen von Selbstverteidigung...

All diese Proteste, Kämpfe, Plünderungen... zeigen eine wirkliche Tendenz, um zu dem durch das Kapital angetriebenen Zivilkrieg im Ansatz zu übernehmen. Die Soldaten und/oder die Bullen, die entsendet werden, um die morbide Ordnung des Kapitals wieder zu herstellen, weichen aus, zu schießen, und kehren manchmal selbst zu den kämpfenden Proletariern zurück.

Die bürgerliche Gegenoffensive: Zuckerbrot, Peitsche und Desinformation

Selbstverständlich ist alles nicht gerade rosig, und die für diese Situation bewaffneten, besonders formierten und gut trainierten Organe des Kapitals zögern nicht einen einzigen Augenblick, blutig niederzuschlagen.

Nach der Überraschung von der gewaltigen Ausbreitung der Bewegung, bereitet die Bourgeoisie ihre Gegenoffensive vor, und die Lösung dazu ist immer dieselbe: die Mehrheit der Proletarier von ihrer Avantgarde abzusondern.

Diese Trennung spekuliert auf die Grenzen, die der Bewegung eigen sind, auf die wirkliche Spaltung im Schoss des Proletariats, zwischen denjenigen, die tatkräftig für den Kampf sind und denjenigen, die gegen sind. Die Macht der bürgerlichen Ideologie ist so stark, dass selbst in diesen zugespitzten Umständen nur eine Minderheit an der direkten Aktion teilnimmt. Proletarische Sektoren, die durch die Gewerkschaften oder die Parteien starker beherrscht werden, weichen nicht nur den Kampf aus, sondern sind dagegen und bereit die offizielle Darstellung der Ereignisse anzunehmen, oder jene der parlamentarischen Opposition, welche immer der ersten entspricht, wenn es sich handelt, um dem kämpfenden Proletariat zu trotzen.

Deswegen spielen dann all die Apparate der Öffentlichkeitsfabrikation ihre entscheidende Rolle in der Institutionalisierung von der Lüge: man veröffentlicht nur, was der Polizei passt. [15] Man diskreditiert die entschiedensten Taten, man spricht von Provokateuren, von Außenagenten, von Terroristen, von internationaler Subversion... Wenn noch dazu die lokale Bourgeoisie auf die oder die lokale, rassische, nationale, ideologische oder andere Teilung rechnen kann, nehmen all die Verbreitungsmittel den Glücksfall wahr, denn sie wissen, dass es der Augenblick ist, sie zu nützen: „die Ausländer sind es, die jene Unruhe verbreiten“, „es sind Neger gegen Koreaner“, „die Unruhestifter kommen aus den Favelas“ , „die Kurden“, „es handelt sich um einen Aufstand von Fundamentalisten“, usw. Alle versuchen im Einverständnis das Proletariat zu leugnen. Selbstverständlich wird diese Art Angriffe gegen unsere Klasse mit allen internationalen Kommunikationsmitteln weitergegeben und verstärkt. Die ausschlaggebende Tatsache ist, um jeden Preis zu vermeiden, dass irgendeiner in diesen Aufständen die allgemein gültigen Ursachen bemerkt. Die Proletarier der ganzen Welt dürfen niemals darüber klar werden, dass anderswo andere Proletarier sich als Proletarier auflehnen. Für die Medien, von denen erwartet wird, dass sie uns informieren, gibt es keine proletarischen Aufstände, sondern nur Aufstände von Fundamentalisten, von Palästinensern, von Einwanderern, von Ausgehungerten, von Arabern, nur Aufstände gegen Diktaturen oder typisch für die „Dritte Welt“...

Die Gegenoffensive strukturiert sich mit der Organisation der Trennung zwischen „den guten und ehrlichen Bürgern“ und „den Provokateuren“, zwischen den „Inländern und Ausländern“, zwischen „den guten Arbeitern und den Faulenzern“, zwischen den ehrlichen Angestellten und den Randgruppen, für die ersten das Zuckerbrot und für die zweiten die Peitsche.

Danach kommt die Zeit für die Zugeständnisse: dieser Minister oder Bürgermeister wird geopfert, gesetzliche oder barmherzige Maßnahmen gegen Armut werden angekündigt, Preiserhöhungen, die den proletarischen Wutausbruch verursacht haben, werden zurückgenommen, die subventionierten Warenhäuser werden mit Lebensmitteln versorgt... Gleichzeitig wird es gewalttätig und soviel möglich selektiv unterdrückt. In der Tat, legen alle Lehrbücher betreffend den Gegenaufstand den Akzent auf die Selektivität der Unterdrückung, auf die Tatsache, dass, „um die Sympathie der Bevölkerung für die Subversiven zu vermeiden, die Unterdrückung selektiv und nicht diskriminierend sein muss“. Die angestrengte Arbeit der offiziellen Staatsapparate, die die tatkräftige Unterdrückung gegen die offen kämpferischsten Sektoren auf der Straße ausüben, bleibt ungenügend. Deswegen ist es notwendig, dass so genannte offiziöse Apparate (paramilitärische Gruppen, halb gewerkschaftliche, halb mafiose Meister der Verbrechen, Sonderkommandos, vor dem Ausbruch der Unruhen sich vorbereiten.

Die Desinformation ist total. Man erzählt nie, was auf der Straße wirklich geschieht, aber man bringt durcheinander und amalgamiert Ereignisse oder Fotos von „Barbarei“, proletarische Wiederaneignungen, Brandstiftungen, Unterdrückungsbilder mit den Reden von „sachkundigen“ Politikern, die uns die „Unruhenursachen“ erklären und in Namen des Staates, der Ordnung und der Sicherheit beruhigen. Um uns zu verwöhnen, bieten sie uns Spektakulärerweise all diese Lügen als die Wahrheit: Zoom auf diesen armen Schlucker, dessen Geschäft enteignet und in Brand gesteckt worden ist, indem genau dieses Geschäft für seinen Lebensunterhalt und diesen seiner Familie ganz knapp aufkam [16]. Danach wird alles, was auf der Straße geschieht, allmählich und geschickt vernachlässigt, und wir werden mehr und mehr mit besänftigen politischen Reden bombardiert, die die Wiederkehr zur Ruhe, die Änderung irgendeiner Maßnahme, den Rücktritt des Herrn Soundso, neue Wahlen ankündigen. Diese Reden äußern mit tiefstem Mitleid, dass es klar, abgemacht und verstanden ist, dass die Elendslage unerträglich ist, aber dass sie deswegen diese oder diese Aktion nicht rechtfertigt, dass übrigens die Bewegung durch Berufsagitatoren manipuliert wird, usw. In diesen heiklen Augenblicken von wirklichem auf der Straße sich spielendem Kräfteverhältnis zwischen den Klassen, arbeiten alle Staatsbeamten an der Suche von politischen Lösungen mit: von den Journalisten zu den Gewerkschaftlern über die Pfaffen, die Soziologen, die Polizei, die Ökologen, die Links- oder Rechtsparteien.

Die wirklichen Schwächen unserer Klasse

Zusammenfassend ist es unbestreitbar, dass die Bourgeois bei diesen Ausbrüchen einen Bammel haben. Sie weichen ganz klar zurück. Selbst manchmal gelingt es uns, ihnen einen solchen Terror zu erwecken, den sie noch nie gekannt haben! Was uns betrifft, haben wir die Gelegenheit während dieser einigen Kampftagen, einen Teil unserer direkten Bedürfnisse zu befriedigen. In den Stadtvierteln und manchmal selbst in ganzen Städten können wir für das erste Mal in unserem Leben tüchtig feiern!

Aber keine Illusionen, das dauert nicht an. Innerhalb von einigen Tagen zwingt das Kapital die terroristische Ordnung auf. Mehrmals, wenn nicht unglücklich in den meisten Fällen ist das Blutbad ungeheuer: Tote und Verwundete. Unsere besseren Genossen werden registriert und inhaftiert. Der aufgezwungene Staatsterror ist furchtbar. In Venezuela, Algerien oder Los Angeles z. B. folgt jedenfalls auf die momentane Besetzung der Straße, kurzlebigen Sieg, die tiefe und langjährige Niederlage, bevor diese wieder in Frage gestellt worden kann.

Deswegen ist es verbrecherisch, die Augen dieser Wirklichkeit gegenüber zu schließen, und solche Aufstände zu verherrlichen, als ob sie wie die endlich erfundene Form des revolutionären Kampfes vorgebracht würden. [17] Wenn wir verhindern wollen, dass verschiedene „Immediätisten“ und Modernisten solche Bewegungen täuschend verherrlichen, ist die Aufgabe der Revolutionären, also unsere Aufgabe, diese durch unsere Klasse geführten Aktionen militant und kritisch durchleuchten.

Unsere Genossen zu toten, ohne dass wir reagieren können, ist ernst und dramatisch. Wir haben während einziger Tage Mut bewiesen, aber alles war plötzlich vorbei und wir waren wieder ganz allein wie zuvor. Wie traurig und schmerzlich! [18] Die praktische Solidarität, die wir während dieser einzigen Tage erlebt haben, verschwindet so schnell wie sie geboren wird. Trostlos sind wir unfähig, unsere Genossen aus dem Gefängnis zu befreien. Schmerzlich stellen wir fest, dass die Pfiffigkeit auftaucht, sobald wir die Strasse verlassen und der Individualismus, der Egoismus, der machtlose Bürger nimmt seinen zentralen Platz auf die historische Bühne wieder auf. Schlimmer noch, die Geschichte selbst unseres Erlebnisses wird durch die herrschenden Darstellungen geleugnet und auch durch die Vergessenheiten unseres eigenen Gedächtnis, das dem Fabulieren dieser Darstellungen unterworfen wird.

Die Folgen der tragisch fehlenden dauernden Assoziation des Proletariats kennzeichnen die heutige Welt: weder keine dauernde Gruppe noch Zusammenschlusszentrum; weder Massenpresse für die Klasse noch fähige internationale revolutionäre Organisation für den Zusammenschluss der Avantgarde von dieser Kampfgemeinschaft, die sich sporadisch meldet. Deshalb kann man verstehen, wie wichtig heute mehr denn je die dauernde militante Arbeit ist. Gegen die Strömung muss die Aktion direkt internationalistisch kommunistisch und auf ein revolutionäres Programm zentriert sein, was die Aktion, die Organisation und die Perspektive betrifft. So versucht unsere kleine militante Gruppe (IKG) sich zu entwickeln, trotz ihrer schwachen Kräften.

Die fehlenden allgemeinen Organisationsformen konkretisieren sich, genau im entscheidenden Augenblick der Aktion, durch die fehlenden organisatorischen Strukturen, durch die fehlenden klaren Weisungen, Perspektiven und Führung. Wenn der Klasseninstinkt genügt, um die Stellen zu erkennen, die zu enteignen sind, die Feinde, die zu trotzen sind (im Allgemeinen die Polizei und anderen offenen Unterdrückungsstrukturen)... aber sobald man zu einer entscheidenderen Kampfphase übergeht, und die Bourgeoisie subtiler wird, sobald die Sektoren der bürgerlichen Opposition versucht, den Klasseninhalt in einen besondern Inhalt umzuwandeln... wird der Kampf gegen den Kapitalismus in einen besondern politischen Kampf umgewandelt: gegen die Diktatur, gegen solch eine Regierung, solch einen Minister, gegen solch eine unpopuläre Maßnahme, oder noch schlimmer: für die Demokratie, für die regionale Autonomie oder für den Islam...

Aber all dieses wird auch durch die Tatsache verursacht, dass, selbst auf dem Gipfel des Kampfes, die Lügen und Fabeln, von denen die Bourgeoisie uns ständig überschüttet, unsere Klasse weiter eingedrungen haben. Der Nationalismus, die islamischen Mobilisierungen, die Kämpfe gegen diese oder jene Diktatur... sind aber leider nicht nur bürgerliche Reden, sondern auch eine mächtige materielle Kraft, die unseren Kampf desorganisiert, da Dutzende und Hunderte von Proletariern für diese Ideologien mitgeführt und mobilisiert werden. Der Populismus, der neue Erfolg der Sekten und Religionen, der Rassismus und Pseudoantirassismus als politische Bewegungen haben sich ungeheuer entwickelt und ihr desorganisierendes Gewicht drückt das Weltproletariat nieder, nicht nur während dieser endlosen Jahre von sozialem Frieden, sondern auch während großer Kämpfe. Also wenn der Kampf sich ausbreitet, gelingt es der Bourgeoisie, ihm von seinen Zielen abzulenken. Noch schlimmer, es gelingt ihr in den meisten Fällen, einen Teil des Proletariats gegen einen anderen zu mobilisieren, was einen entscheidenden Schritt bedeutet, um den sozialen Krieg in einen imperialistischen Krieg innerhalb desselben Landes umzuwandeln. [19]

Ohne die Ausmaße der Situation in Jugoslawien zu erreichen, wo die proletarischen Kämpfe traten hinter einem Bruderkampf für die Verteidigung von bürgerlichen Interessen zurück (was, über die Verdienste dieser oder jener internationalen oder örtlichen Fraktion, einen unleugbaren Sieg für das Weltkapital als Totalität bedeutet), wo das Proletariat als Klasse geleugnet ist, sucht der Staat (und findet zu oft) das Mittel, um verschiedene Sektoren von dem Proletariat gegen einander kämpfen zu lassen. Das war der Fall in Argentinien zwischen den Bewohnern von den Stadtteilen, die an den „saqueos“ (Plündern) teilgenommen hatten, das war auch der Fall in den Vereinigten Staaten mit zahleichen Versuchen, um den proletarischen Aufstand in Los Angeles in einen Interrassenkonflikt umzuwandeln.

Zusammenfassend können wir heute behaupten, dass unsere Geschichte solch eine mangelnde Anpassung zwischen der Kraft der Aktion und dem fehlenden proletarischen Bewusstheit dieser Aktion nie gekannt hat, also zwischen der Klassenpraxis gegen das Kapital, gegen den Staat und der allgemeinen Ignoranz von den Bestimmungen dieser Praxis und ihrer Ziele, zwischen der Homogenität dieser Kampf- und Lebensbedingungen des Proletariats und der totalen und internationalen Bewusstlosigkeit zu derselben Klasse zu gehören und für dieselben Ziele zu kämpfen. Nie ist die Diskrepanz zwischen der praktischen und rasanten Infragestellung des Privateigentums und der sozialen Unkenntnis von dem kommunistischen Entwurf so tief geworden. Genau die fehlenden dauernden proletarischen Massenorganisationsstrukturen und die entsprechenden fehlenden Sicherheitsventile machen diese Widersprüche gewaltiger als in der Vergangenheit. Diese Merkmale fassen den Rahmen von den heutigen Kämpfen zusammen, sowohl hinsichtlich der Kraft als auch der Schwächen. Diese Schwächen äußern sich in der Fähigkeit des Kapitals, um unsere Kämpfe in interbürgerliche Konflikte umzuwandeln und im letzten Instanz in einen Konflikt, der sich gegen den bewusstlosen Entwurf der proletarischen Kämpfe (die kommunistische Revolution) stellt, aber für den Entwurf des Kapitals selbst: den imperialistischen Krieg (d. h. die Renovierung der bürgerlichen Gesellschaft durch einen neuen Kriegszyklus, Wiederaufbau...Expansion,...).

Notwendigkeit und Möglichkeit unsere Schwächen zu bekämpfen

Das Kapital kann nur mehr Elend, mehr Arbeitslosigkeit, mehr Obdachlosen, mehr Kriege, mehr tägliche Gräueltaten... schenken. Allen Widersachern zum Trotz wird der soziale Frieden, wesentliches Bestandteil dieser verbrecherischen Welt, nie aufhören, durch diese proletarischen Kampfwellen abgebrochen zu werden. Was auch die Kehrtwendungen und Schliche des Kapitals und seiner Staatsvertreter sein mögen, werden sie die quantitative und qualitative Zunahme dieser Aufstände nicht verhindern, selbst wenn die internationalen Institutionen, die Dienste für Unterdrückung und gegen Aufstand, die Zukunftsforschungsspezialisten voraussehen und sich vorbereiten, sie zu bekämpfen. Gewerkschaftler, Politiker, Pfaffen, Sozialarbeiter vorhersagen neue Konfrontationen und machen alles, was sie können, um zu verhindern, dass sie zum Ausbruch kommen, aber sie wissen richtig wohl, dass morgen ihre Rolle sein wird, eine Ende dazu zu machen. Ganz normal, dass der Feind sich vorbereitet.

Und wir, was machen wir, um fertig zu sein? Wahrscheinlich nicht vieles!!!

Diese traurige Wirklichkeit kann dank dem einzigen Wille und revolutionärer Bewusstheit dieser oder jener Splittergruppe leider nicht verändern, während die übrige Klasse nicht empfänglich ist, sondern zufrieden mit dieser durch das System aufgezwungene Welt von Elend. Die Minderheitsorganisation von einer Hand voll Kommunisten, was auch die Wichtigkeit ihrer Funktion sein mag, kann das Riesenausbleiben von Kollektivvorbereitung nicht ersetzen. Die von unserer Klasse erlebte Desorganisation, die fehlenden dauernden Strukturen für die Verbreitung der Standpunkte, für die Debatte, den Meinungsaustausch, die Koordination, die Organisation können durch eine winzige Aktivität einer Splittergruppe nicht ersetzt werden.

Deshalb, kurz- und mittelfristig, wird diese Art Aufstände mit allen seinen Kräften und vor allem, leider, mit allen seinen Schwächen fortbestehen. Wir werden nicht verhindern können, dass die zukünftigen proletarischen Ausbrüche unsere Klasse teuer zu stehen kommen. Unsere Reihen desorganisieren sich, und gehen auseinander, sobald der Feind die Massenunterdrückung reorganisiert und beginnt auf uns zu schießen. Die Tatsache, dass das Proletariat sich auf Aktionsgruppen gar nicht verlassen kann, die fähig sind, den Staatsterrorismus mit dem selektiven Elementarterrorismus unserer Klasse zu beantworten, dass es keine internationale Elementarsolidaritätsstruktur besteht und fast keine proletarischen Strukturen, die fähig sind, zu verbreiten, was sich in anderen Gegenden der Welt passiert, also kurz die Desorganisation des Proletariats als Klasse, all diese Tatsachen werden der Bourgeoisie mehrmals und an zahlreichen Stellen erlauben, sich für unsere Aufstände zu rächen, indem sie die Kräfte der Avantgarde des Proletariats verhaftet, misshandelt, ermordet, foltert, beseitigt und vergisst in den Kerkern des Regierungssystems.

Noch schlimmer, die Bourgeoisie wird das Klassenmerkmal der nächsten Aufstände weiter verdecken können. Man wird weiter schreiben, dass diese Aufstände eigentümlichen Ursachen gehorchen und die Mehrheit von den Proletariern wird teilnahmslos bleiben, überzeugt sein, dass es sich um „islamische“ Aufstände handelt oder um Aufstände „gegen die Diktatur“, „die Korruption“... Wie früher wird diese falsche Auslegung zu der Wahrheit gehören (wie ein Philosoph vor sehr langer Zeit schon gesagt hat: „das Falsche ist ein Moment des Wahres“) und das Kapital wird sein Möglichstes tun, damit alles sich in eine einzige Wahrheit umwandelt, damit der Klassenkampf ein interbürgerlicher, interimperialistischer Kampf wird.

Aber der kaum beschriebene Zustand wird nicht ewig sein. Einerseits, denn die immer allgemeinere Homogenisierung von dem Kapitalismus wird jeden Versuch verhindern, die Gleichförmigkeit der Kampfbedingungen des Proletariats zu verdecken. Andererseits, denn die Zunahme dieser Art Aufstände und aufeinander folgenden Niederlagen wird das unvermeidliche Bewusstwerden provozieren.

Die Krisis homogenisiert die allgemeinen Entwicklungsbedingungen des Kapitals. Nicht nur sind die kapitalistischen Probleme immer dieselben, nicht nur gibt es unvermeidlich immer mehr Hungersnot, Elend, Arbeitslosigkeit... sondern zudem ist die wirtschaftliche Politik von den Regierungen der ganzen Welt jeden Tag ähnlicher. Außerdem wird die Handlungsspielraum enger, und die Reden weichen von einander kaum ab: alle nehmen an, was sie „Realismus“, „Pragmatismus“ benennen, was nichts anders ist, als die offene und unvermeidliche Anerkennung ihrer Unterdrückung den Diktaten der Wirtschaft. Die Neuheit liegt nicht in dieser Unterdrückung als solche, so war es immer gewesen, sondern in dem allgemeinen und unvermeidlichen Geständnis dieser Unterdrückung. Wenn die Rede von rechts und von links, vom Norden und Süden, von den Imperialisten und vermutlichen „Antiimperialisten“, von den Nationalisten und Islamiten immer ähnlicher sind, ist es weder weil diese Fraktionen kapitalistischer als zuvor würden noch weil diese Art kapitalistischer Verwaltung mit dem Beinamen „Kommunismus“ verschwunden wäre, sondern weil das Kapital sich verschiedene Verwaltungsformen mitten in Wachstumsperiode erlauben kann, in der das Weltkapital doch in Krisisperiode nur eine diktatorische Direktive ausführt: den Gürtel enger schnallen. Während bestimmter Perioden, auf Grund eines anhaltenden Reallohnanstieges, ist das Kapital fähig, die Arbeitskraft populär zu verwalten, indem es die dauernde Steigerung der Ausbeutungsrate verdeckt (was Anlass gibt zu verschiedenen wirtschaftlichen Politiken, weniger oder mehr populistisch, weniger oder mehr protektionistisch...), aber während einer Krisisperiode, vor allem wenn diese allgemein und tief ist, wie wir diese heute erleben, herrscht gewaltig das Wertgesetz und zwingt all die bürgerlichen Fraktionen zu einem verallgemeinerten Kampf gegen ihr eigenes Proletariat und gegen ihre Konkurrenten, um den Aufwertungsprozess zu erhalten. Wenn das „normal“ Wachstum der Ausbeutungsrate unzureichende Erfolge gibt, erfordert der Kampf gegen das Proletariat (fast in jedem Fall) den Zwang von einer Herabsetzung des Reallohns.

Die unvermeidliche und universale Durchführung derselben wirtschaftlichen Politik gegen dieselbe soziale Klasse, die Wiederholung bis zur völligem Erschöpfung derselben Art Rede überall auf der Welt, um diese Politik zu rechtfertigen („die Opfer sind unvermeidlich“, „wir müssen mehr und rentabeler produzieren“, „verteidigen wir die Konkurrenz unseres Landes“...), zielen mit der Zeit darauf ab, die Reaktionen des Feindes zu einigen... und den Feindselbst zu einigen, trotz allen ideologischen Anstrengungen, um diese Einigkeit zu verhindern. Diese letzte ist zuerst das weniger oder mehr automatische, vorbewusste Ergebnis der unvermeidlich geeinigten Reaktion in der Zeit und in dem Raum. Ihre Wiederholung und das Zusammenfallen dieser Art Aufstände in verschiedenen Stellen auf der Welt werden die Rolle der Ideologen und Journalisten erschweren, um die gemeinsamen Ursachen der Aufstände zu verdecken, was die Möglichkeiten eines wirklichen Bewusstwerdensprozesses für die Bildung einer einzigen Klasse gegen einen einzigen Feind notwendigerweise öffnet.

Andererseits, die unvermeidliche quantitative und qualitative Intensivierung dieser Aufstände, die Wiederholung der Niederlagen werden die Augen des Proletariats aufschlagen, seine Ohren aufmachen, seinen Geist aufschließen. Das Proletariat wird seine eigene Erfahrung machen, diese von seinen Nachbarn hören, diese von anderen Orten, von anderen Zeiten suchen. Am Anfang werden diese, die diesen Prozess beginnen werden, sicher wenig zahlreich sein, aber irgendwie ist jeder von uns, als Militant, das Produkt dieser Art erzwungener Aufgeschlossenheit, dieser Art Überlegung nach Aktion, des unentbehrlichen bersteigen von den Hindernissen, an die der vorige Kampf gebrochen worden ist, der Bilanz von einer Kampfwelle, die nicht dort geführt hat, wo wir es gewünscht haben. Die Revolutionären, jene, die die Klasse wirkliche vorwärts führen, jene, die, um jeden konkreten Augenblick der Bewegung, die Interessen der ganzen Klasse, die internationalistischen, historischen Interessen des Kommunismus vertreten... Also, jene Revolutionären bilden sich nicht in den Büchern, sondern sie sind das komplexe Produkt von konkreten Erfahrungen, von Versuchen, um diese Erfahrungen zu verallgemeinern, von militanten Abstraktionsanstrengungen, von dem Prüfen der in Ansatz seienden Folgerungen, zu denen sie angekommen sind, auf Grund von jenen, die in andern Zeiten und Umständen gezogenen worden sind. Genau in diesem Kontext bekommen militante Bücher und Schriften ihre ganze Bedeutung für die Vermittlung von Erfahrungen, für die Wiedererlangung des historischen Klassengedächtnisses und der Bilanz einer Niederlage, um die Perspektive von dem Sieg, von der Entwicklung und Behauptung des kommunistischen Programms zu organisieren. Der Prozess ist lang, schwierig und schmerzlich... aber es gibt keinen anderen.

Im Gegensatz zu der sozial-demokratischen und leninistischen Weltanschauung einer Partei von bürgerlichen Intellektuellen, die alles weißt und es die willenlosen und ungebildeten Massen lehrt, ist die soziale Realität sehr verschieden. Das Proletariat erzeugt Fraktionen, Gruppen, die fähig sind, die angesammelte historische Erfahrung zusammenzufassen. Das ist die einzige Weise, um mit dem „Immediatismus“ zu brechen, um zu verhindern, dass sich dieselben Fehler in jeder Stelle und jeder Zeit wiederholen.

Aber diese revolutionären Gruppen, die heute mehr denn je isoliert sind, werden ihre revolutionäre Führungsaufgabe völlig übernehmen können, nur wenn die zukünftigen Kämpfe immer großer Sektoren des Proletariats antreiben werden, mit den Ideologien zu brechen, die sie einsperren, wenn Minderheiten beginnen werden, sich deutlicher, auszuzeichnen, wenn ihre Besorgnisse, diese von jeher der Kommunisten: die Revolution, der Kampf gegen den Kapitalismus unter allen seinen Formen, in den Vordergrund wieder stehen werden.

Bis auf diesem Moment werden unsere Feinde in den idyllischen und einschläfernden Wolken noch schweben, in denen der Kommunismus für immer begrabt ist, in denen die Sicherheit herrscht, dass das Proletariat nicht mehr besteht, in denen sie ruhig ewig schlafen können, da niemand nie wieder „ES LEBE DIE SOZIALE REVOLUTION“ schreien wird. Aber ab diesem Moment werden unsere Feinde plötzlich in Angst des Jahrhunderts geraten: aschgrau und terrorisiert durch das erschreckende Erwachens des Proletariat, wird der wunderschöne und dumme Traum, an den sie geglaubt hatten, im Auftrag der Gesellschaft, die sie vertreten aber von der sie subsumiert werden, plötzlich schwanken, und sie werden niedergeworfen werden. Der Sturz wird ja schmerzlicher sein!

Fußnoten

[1] Wie schon mehrmals gesagt, ist die Demokratie selbstverständlich keine einfache Form der Herrschaft; sie entspricht dem Wesen selbst des Kapitals, der normalen Funktionierungsweise der allgemeinen profitgierigen Gesellschaft.
[2] Klarheit wegen, was wir hier als getrennte Momente darstellen müssen, sind aber nur zwei Teile eines gleichen Prozesses, worin diese Negation des Proletariats als Klasse sich verwirklicht.
[3] Wir setzen „Streike“ in Anführungszeichen, weil ein wirklicher Streik für uns ein Kampf zwischen den Proletariern und dem Kapital ist. Diese Wirklichkeit, sowohl inhaltlich als auch formal, versucht sich auf verschiedene Weise auszudrücken (keine genaue und berufsständische Forderungen, Aktionen die dazu tendieren sich auszuweiten, unbefristet, Produktionssabotage, Konfrontation mit den Streikbrechern, Erscheinungen von „unkontrollierten“ Minderheitsgruppen...). Hier, im Gegenteil, weisen wir auf eine gewerkschaftliche Aktion hin (d. h. auf eine Aktion eines kapitalistischen Staatsapparats), deren Ziel ist, die proletarische Kraft zu kanalisieren (und so zu liquidieren).
[4] In bestimmten Fällen erlaubt selbst die Arbeitsteilung der bürgerlichen Staatsapparate (z. B. zwischen Gewerkschaften und Ordnungskräften) eine bestimmte Dosis von steriler Minderheitsgewalt, da diese die bürgerliche Ordnung überhaupt nicht angreift. So, wenn die Mehrheit der Demo von gewerkschaftlichen endlosen Reden friedfertig eingerahmt wird, gestattet man einem radikalen Teil der Demonstranten, seine Kräfte gegen Sonderpolizeieinheiten zu verzetteln. Die Bourgeoisie und ihr Eigentum bleiben so wohl bewahrt und nimmt die Gelegenheit wahr, um die radikalen Proletarier zu überprüfen und die möglichen Aktivisten zu registrieren. Jede Staatsmacht erfüllt also ihre Funktion. Die einen nutzen den Knüppel aus, die anderen bieten Abwechslung (das bedeutet doch nicht, dass die Gewerkschaften die offene Repression gelegentlich nicht anwenden). Deshalb ist die proletarische Macht verschwendet, ohne das Kapital in Frage zu stellen, weil sie unfähig ist, auf ihre eigenen Ziele zugehen, und die Gewalt von Minderheiten gegen ihre wirklichen Feinde zu gebrauchen.
[5] Im Gegensatz zu dem Dekadenzmythos, der betrachtet, dass die Gewerkschaften die proletarischen Interessen bis 1914 beantworten, nehmen wir diese Zwischenbemerkung wahr, um zu erinnern, dass Gewerkschaften von Anfang und besonders während des 19. Jahrhunderts bestehen, deren Ziel gleich den heutigen Gewerkschaften ist: die Klassen zu versöhnen, die sofortigen Arbeiterinteressen zu verraten... Schon 1890 empfiehlt die katholische Kirche die Errichtung von Gewerkschaften gegen den proletarischen Kampf.
[6] Dieses Verschwinden des Proletariats ist nur scheinbar, denn, im letzten Instanz, das Bestehen selbst der bürgerlichen Gesellschaft hat für Grundlage und Ursprung der erweiterten Reproduktion das Proletariat selbst. Doch ist das Proletariat als Klasse, Kraft, Macht gegen das Kapital bestreitet. Diese Wirklichkeit kann nur in der Praxis in Frage gestellt werden. Das heißt, es nützt nichts, in einer Periode wie heute, zu sagen: „das Proletariat besteht“. Das Proletariat wird ganz bestehen, nur wenn es sich wieder zu sozialer Macht gegen die bestehende bürgerliche Ordnung erhebt. Selbstverständlich, um diese Affirmation zu ergänzen, muss man hinzufügen, dass die Möglichkeit und Notwendigkeit dieser Erhebung des Proletariats zu Klasse und also zu Partei auf den beständigen Antagonismus dieser Gesellschaft faktisch beruht. Diesen Antagonismus kann die Bourgeoisie nicht abschaffen, selbst nicht während der Goldenzeit der totalen Herrschaft. Die zahlreichen sporadischen und unterbrochenen Kämpfe, die wir in diesem Texte zu schematisieren versuchen, enthalten schon die Entwicklung dieser Erhebungsbewegung des Proletariats.
[7] Man wird uns mit Recht erwidern, dass ein Menschenähnlicher keine Wert schaffen wird, und diese Grenz der eigene Tod des Kapitals sein wird, da die Wert hauptsächlich Menschenarbeit ist. Dennoch führt das totale Kapital die Welt überhaupt nicht, sondern der Kampf zum Tod zwischen den vielfältigen eigentümlichen Kapitalien; Kampf, womit jedes diesen Kapitalien eine außergewöhnliche Mehrwert für jeden Schritt nach diesem Menschenähnlichen bekommt, und deshalb durch die Entwicklung der produktiven Kräften in diese Richtung interessiert ist. Vermuten, dass das Kapital seinen eigenen Selbstmord und/oder diesen der Menschheit Einhalt gebieten könne, bedeutet ihm Planungswirksamkeiten zugestehen, die es sachlich nicht hat.
[8] Wir glauben nicht notwendig, die Anführungszeichen für unsere Leser hier zu erklären.
[9] Siehe "Direkte Aktion und Internationalismus!" in Kommunismus 2 (Dezember 2000).
[10] Solche Ausbrüche, die in bestimmten Fällen nur einen Stadtteil trifft, in anderen eine ganze Stadt oder das ganze Land, und selbst über die Grenzen übertreten, sind selbstverständlich nicht die einzigen heutigen Kampfsformen, sondern für uns die kennzeichnendesten Formen dieser Periode. Das Proletariat zeigt auch seine Existenz und seinen Antagonismus der Weltordnung gegenüber, wenn es ablehnt, Soldat oder fahnenflüchtig zu werden. Aber, mit Ausnahme von Irak, sind heute diese proletarischen Ausdrücke leider nicht entscheidend. Erwähnen können wir auch den Fall eines gewerkschaftlichen „Streik“, der durch die Proletarier beherrscht wird, weil sie den Betrieb verlassen, um ihren Kampf zu verbreiten. Aber, da solch ein früher Ausdruck des Proletariats ziemlich selten und von geringer Bedeutung ist, verdient es gar nicht, dass wir ihm große Beachtung in diesem allgemeinen Schema über die heutigen Klassenkämpfe schenken.
[11] Die Sachverständigen der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds gehen so weit, sich zu dem wenigen Widerstand zu gratulieren, den die Bevölkerung den empfohlenen Maßnahmen leistet, und das wird für sie ein starkes Argument, um die Regierungen oder die politischen Parteien zu überzeugen, diese Maßnahmen durchzuführen.
[12] Selbstverständlich weisen wir hier auf die klassischen bürgerlichen Staatsapparate hin. Klar, dass der Staat direkte und ideologische Unterdrückungssonderorgane für diese Umstände seit schon lange besitz: Nachrichtmanipulation, selektive Unterdrückung, usw. wie weiter schematisch erwähnt sein wird.
[13] Wenn klar ist, dass der Staat das Eigentum nicht begründet hat, sondern das Gegenteil, da der Staat nichts anderes ist, als das mit starken Kräften organisierte Eigentum, um sich zu reproduzieren, sollen wir nicht vergessen, dass der Mensch das private Eigentum respektiert, dass er selbst von Hunger stirbt, weil er des Haupteigentums beraubt wird, indem es andererseits verschwunden wird. Dies alles nur dank der auf ihm ausgeübte Kraft von Jahrhunderten Staatsterrorismus, dank der Ideologie des Respekts für das Eigentum, den dieser Terrorismus in seinem jahrhundertealten Werk aufzudrängen und zu reproduzieren tun können hat.
[14] In zahlreichen Fällen, nach dem ersten Überraschungsmoment, werden Schutzorgane für das Privateigentum organisiert, und darauf antwortet das Proletariat mit Elementarformen von Organisation und Bewaffnung.
[15] Nur behaupten, dass der Journalismus im Dienst des Staates ist, würde noch bedeuten, dass wir den Journalisten gegenüber zuviel herablassend sind. In Wirklichkeit ist der Journalismus ein Teil des Staates und trägt bei, seine Politik zu zeichnen. Im Gegenteil würde es falsch und voreingenommen sein, daran zu denken, dass genau dieses Staatsapparat (oder im Allgemeinen all die Kommunikationsmittel) die anderen leitet. Diese sehr Modeauffassung bei bestimmten Modernisten oder ehemaligen Linksmilitanten ist nichts anderes als eine idealistische Theseinterpretation von der „Schaugesellschaft“, die die Grundbestimmungen des Kapitals vergisst. Wenn der Journalismus kann tatsächlich in bestimmten Umständen die Polizei, die Regierung, die Armee... “leiten“, wird er selbst sehr oft von der Polizei, der Regierung, oder der Armee „geleitet“, und wir können nicht vergessen, dass die treibende Kraft dieses Bestandteils im letzten Instanz die sich aufwertende Werte bleibt, und dass jede Staatsstruktur der Zentralbestimmung des Staates unterworfen ist, d. h. das Kapital reproduzieren, die bürgerliche Herrschaft reproduzieren, den Ausgebeuteten als Ausgebeuteten reproduzieren. Die Behauptung einer journalistischen Schau, die die Welt leitet, ist nichts anderes als eine spektakuläre Unterwerfung unter die Welt der Schau.
[16] In all diesen Aufständen, können ungerechte und unrichtige Enteignungen, egoistische und individualistische Taten geschehen oder unausstehliche Chefs befehlen, können auch Provokateuren handeln, um die Bewegung herabzuwürdigen. Aber, im Gegenteil zu der polizeilichen und journalistischen Darstellung, sind diese Fälle nie das Wesen selbst solcher Bewegung. Es würde absurd sein, zu behaupten, dass solche Probleme nicht existieren. Die Verwandlung von einer individualistischen und egoistischen Menge, auf der das Kapital sich beruhigt, zu einer festen und revolutionären Klasse ist ein langwieriger Prozess, der nur mit diesen Aufständen (wieder) beginnt.
[17] Während der revolutionären Welle 1917-21 wies diese Lösung auf die Räte und Sowjets hin (nötige Strukturen für die Organisation des Proletariats), welche betracht wurden als die Form, die die Revolution ewig garantieren würde. Aber keine organisatorische Form kann den revolutionären Inhalt garantieren. Tatsächlich garantieren die Räte und Sowjets zuletzt überall (und das war klar in Russland und in Deutschland) den Betrieb des Kapitals. Die nicht kritische Verherrlichung dieser Formen (Ratsystem) wurde der höchste Alliierte des sich reorganisierenden kapitalistischen Staats.
[18] Selbstverständlich sind bestimmte durch die Bewegung produzierten Beziehungen unzerstörbar. Sie bestehen fort und entwickeln sich für die Vorbereitung neuer Kämpfe. Aber Berücksichtigung von der heutigen Weltsituation, kann man bestätigen, dass es sich um eine zu seltene Ausnahme handelt, um die Periode zu kennzeichnen.
[19] Das klarste Beispiel dieser Art Liquidierung des proletarischen Kampfes lässt sich in Spanien der 30er Jahre spielen: dort gelingt es dem Kapital, den Revolutionären Kampf des Proletariats gegen das Kapital und den Staat in einen interbürgerlichen Krieg, einen imperialistischen Krieg zwischen Faschismus und Antifaschismus umzuwandeln, was später der entscheidende aber fehlende Schritt sein wird, um den so genannten Zweiten Weltkrieg auszubrechen.

OL.GE.4.2 Allgemeine Merkmale derzeitigen Kämpfe