„Business as usual“

1914-1918: der Krieg wütet. In jedem Lager sorgt man auf die Disziplin. Die Protestierenden und Unentschlossenen, die angeklagt werden, nicht alles einzusetzen, um den Sieg auf das Schlachtfeld zu begünstigen, machen sich strafbar wegen „ Antipatriotismus, Verrat und geheimer Verbindungen zum Feind“. Die Bourgeoisie, Propaganda- und Unterdrückungssubjekt, ist doch wenig streng für sich selbst. Die Händler aller Lager gehen mit ihren Bombengeschäften weiter, und die ideologischen Betrachtungen sollen ihren Blutsaugenden Profitwettlauf nicht erschweren. Churchills Ausdruck dafür, „Business as usual“, könnte nicht besser das Arbeitswesen des Kapitals bei dieser oder anderer Gelegenheit zusammenfassen.

G. Feldman in Army and Industry and Labor in Germany 1914-1918 erstattet darüber Bericht:

„In Deutschland förderte die Armee Granaten aus dem besten Stahl, so, ab 1915 verlängerte das Ministerium keine Thomasverträge mehr. Indem die gezwungenen Industriellen allmählich zu den Martingranaten übertraten, wurden die Thomasgranatenbestände via die Schweiz an Frankreich und Italien verkauft. Als 1916 Großbritannien seine eigenen Stahlexporte unterbrach, nimmt die Nachfrage von den Neutralen, Franzosen und Italienern plötzlich zu. Aus Devisenmangel erlaubte die deutsche Regierung den Industriellen ein Teil ihrer Produktion umzustellen, vorausgesetzt, dass sie zusammengeschlossene Preise betreiben wurden, um jeden Fallenwettlauf  zwischen den verschiedenen deutschen Magnaten zu vermeiden. Diese letzten verkauften dem Feind lieber Thomas als  dem Ministerium Martin. Während der Sommeschlacht war die Führung für das erste Mal mit Munitionen schlechter versorgt als der Feind. Sie förderte dringend selbst die meisten Thomasgranaten. Die Erzeuger gaben sie dem Ministerium aber zum zusammengeschlossenen Preis. Das Ministerium förderte den wahren Wert, die Industriellen weigerten abzuliefern. Also, sie verkauften dem Feind, via die Neutralen, Granaten, die sie ihren eigenen Soldaten nicht mehr besorgen. Dieser Zustand dauert nicht lange. Hindenburg brauchte Hilfe von den Industriellen. Er befahl dem Ministerium ihnen „den Preis zu geben, den sie möchten“.

Selbstverständlich hat Deutschland das Monopol einer solchen Praxis nicht. Frankreich, während Hungersnot in seinem Gebiet, schickte Rinder und Viehfutter nach Deutschland durch die schweizerische Grenze. Großbritannien, das die Blockade gegen Deutschland offiziell proklamiert hatte und also den anderen Länder verbot, diesem ihre Überschüsse zu verkaufen, organisierte durch Schweden und Dänemark hindurch ein Verkehr, das viel Geld einbrach. Consett, britische Botschaftsattaché in Kopenhagen und empörter Beobachter über diese Geschäfte, wundert sich, dass diese unaufhörlichen Beziehungen seine Vorgesetzten keinesfalls rühren. So geschah es mit dem Kakao, der Baumwolle, dem Kautschuk, dem Fisch und lebensnotwendigen Produkten. In England und an der Front begannen diese Waren zu fehlen, wie das Motoren- und Bremsenöl, welche den Weg nach den deutschen Häfen einschlugen. Dasselbe mit dem Zement, der aus England, via die Niederlände, großenteils kam: so die berühmten deutschen Grabenbunker, die so viele alliierte Soldaten das Leben kosteten. Dasselbe mit dem Nickel der Kanonen der deutschen Armee und dem Benzin ihrer Flugzeuge. Der Fall der strategischen Produkte ist besonders bemerkenswert. Das Glycerin war das Ausgangsprodukt der meisten Sprengstoffe, das eine große Quantität von Tropensamenkörnen, wie die Kopra und Soja, für seine Fabrikation förderte. Deutschland hatte nichts davon. Vor dem Krieg war das Britische Weltreich sein Hauptlieferland, wie Russland, für das nicht Tropenfett. Die von Consett zusammengestellten Statistiken zeigen, dass die Einfuhren aus Dänemark von 1915 bis 1918 plötzlich verdoppelten, genau nach der englischen Verkaufkurve und der Ankaufkurve von Deutschland in Dänemark: die Tatsache ist für die Kopra, die Soja und auch das Kupfer bewiesen. All diese Produkte waren der ausgeprägteste Engpass der deutschen Kriegsindustrie, ohne diese hätte Deutschland den Konflikt nie verlängern können.

Über den Verkehr der Kapitalien zwischen den verschiedenen „feindlichen“ Ländern, verfügt man über ziemlich wenige Informationen. Man müsste die Konten bestimmter Banken kennen, die Interessen in mehreren Ländern beider Lager hatten, wie die Barclays Bank und viele andere.

Also, während dieser starken Zwietrachtszeiten trieben die Bourgeois die Proletarier an, sich einander zu massakrieren, indem sie mit allen ihren Propagandamitteln proklamierten, alles für ihre Armee zu opfern, hysterische Leidenschaft fürs Vaterland zu beweisen und Hass bis zu Rassenhass gegen den Nachbar zu empfinden.

Danach und ohne Hass vereinigen sich die Bourgeois beider Lager und stoßen auf ihre Geschäfte an. Was bedeutet das schon, wenn die Geschäfte Kriegsmaterial betreffen, das dem „Feind“ abgeliefert und Tausende von ihren eigenen „Landsleuten“ schließlich zerfetzen wird. Das liegt ganz im Trend, dass die Ware ein verlockendes und heftig begehrtes Gut ist, umso mehr als die Gewinnspannen unmäßig anschwellen. Tatsächlich werden die Proletarier in den Rüstungsbetrieben mit Aufforderungen zu Patriotismus und Selbstlosigkeit ad nauseam

überschüttet. Deshalb sind sie überzeugt für die Bedürfnisse ihrer Brüder an der Front zu arbeiten, nehmen die schlimmsten Arbeitsbedingungen an und produzieren mehr denn je. „Business as usual“.


OL.GE.3.4 Business as usual