Der Kapitalismus am Werk:

Die Bombardierung auf Dresden - Februar 1945

Zu jeder bürgerlichen Gedenkfeier, schöpfen die Fachleute der historischen Verfälschung ihr ganzes Talent aus, um ihre Beherrschung über die an Gedächtnisschwund leidenden  Bürgermasse zu verstärken. 1989 schon, mit dem zweihundertsten Jahrestag der sogenannten französischen Revolution [1] , hat die Bourgeoisie die gesäuberte Herrschung der Demokratie und ihrer hochheiligen bürgerlichen „Menschenrechte“ gefeiert: „Freiheit“ um unsere Arbeitskraft zu verkaufen, „Gleichheit“ in der Ausbeutung und „Brüderlichkeit“ für Verbrüderung zwischen den Klassen. Bei der „Wende“ hat sie den „Sieg der Demokratie über den Totalitarismus“, „den Zusammenbruch des Kommunismus“ und ja sogar „das Ende der Geschichte“ entschieden austrompetet.

Die widerlichen Gedenkfeier der „Befreiung“ gehen von derselben Strategie aus. Die Propagandafeldzüge der Demokratie wenden sich direkt an die atomisierten Einzelwesen, die Grundkerne dieser Gesellschaft, um alle hinter der Verteidigung des Staates zu sammeln, zu integrieren, zu vereinigen. Heute haben die mit Laserstrahl und Dezibel auf der Straße oder im überfüllten Stadion Riesenmedienshows, die einstigen großen Nazimessen wie der Parteitag in Nürnberg und die militärisch disziplinierten Fackelzüge ersetzt. All diese Mobilisierungen stehen tatsächlich im Einklang und stimmen zusammen der fiktiven Gemeinschaft des Kapitals zu. Behauptete Hitler schon nicht mit seinem größen-wahnsinnigen Anspruch, wie „unsere“ Fachleute und heutige Wirtschaftler, er habe der Klassenexistenz für wenigstens Tausend Jahre ein Ende gemacht ? Faschismus oder Antifaschismus manipulieren genauso gut die Mengen und ihre Rührungen. Während dieser großen kollektiven Messen, behauptet sich voll und ganz das bürgerliche Projekt für das, was es ist: eine gehärtete Logik des Handelswertes, deren einzige Sehweise des menschlichen Werdens diese der kapitalistischen Produktionsweise ist.

Die Zustimmung des Einzelwesens zum Vaterland, zu der Bürgergemeinschaft zu erlangen, muss den täglichen Krieg zwischen den, die alles besitzen und den, die nur ihre Arbeitskraft haben, endgültig verdecken. Jede Kritik ist so verbannen, jede Infragestellung der offiziellen Geschichtsschreibung entspricht dem „Revisionismus“. So haben die faschistischen, antifaschistischen oder anderen Mythen, nicht nur als Hauptfunktion, dass die Bürger mit dem Staat fraternisieren, sondern auch als Ventil, damit jeder über seine Zukunft aber vor allem über die des zum Krieg rüstenden Kapitals beruhigt wird.

Hinter diesem einstimmigen Konzert verborgen, werden die wirklichen Ursachen und Ziele des Krieges 1939-45, der, wie  aller anderen Kriege, die Welt mit Feuer und Schwert verwüstete, durch eine vielseitige verkaufsfördernde Medienkampagne für „das Grauen der Konzentrationslager“, „die Nazigrausamkeit“, „die Kriegesausschreitungen“,... mehr denn je vertuscht. Einerseits „die Guten“, andererseits „die Bösen“. Außer dieser Wahrheit, keine Rettung! Die Antifaschisten [2] vertuschten schnell ihre eigenen Blutbäder hinter den Grausamkeiten ihrer faschistischen Mitbewerber. Die bürgerliche Polarisation Faschismus/Antifaschismus entfaltet sich nochmals wieder, wie die beiden Backen derselben Falle, um die Einreihung der Proletarier in zwei feindliche Lager zu organisieren, was dazu unerbittlich führt, eine neue „Endlösung“ des Sozialantagonismus vorzubereiten: DEN KRIEG!

In diesem Kampf zwischen dem antifaschistischen und faschistischen Lager, hat dennoch keiner das Monopol im Bereich des „Schreckens“ und der „Barbarei“. Beide Mitbewerber, die nach neuen Gewinnsmöglichkeiten hemmungslos streben, haben dieselbe durch das Kapital vorgeschriebenen Erfordernisse beantworten, um die Vernichtung und den Tod, auf eine bis dahin niemals erreichte Höhe, hinzubringen. Die totalitäre Herrschaft der Demokratie, erhabener Ausdruck der kapitalistischen Zivilisation, konkretisiert sich so in der Zeiten der menschlichen Vorgeschichte, das heißt, die Zeiten der KZ, der Atombomben, der Schlachtfelder, der massiven Bombardierungen, der Kriege zum bitteren Ende. Unter diesen Ausdrücken hat sich die ganze Negation des Gattungswesens durch die Klassengesell- schafften zu einem noch bis dahin unbekannten Maß verwirklicht. Was diesen schrecklichen Krieg von 1939 bis 1945 betrifft, werden wir hier sehen das, was die englischen, amerikanischen, russischen Bürger, die Alliierten, die Antifaschisten... in ihre Fähigkeit den Tod zu organisieren, die Faschisten nicht zu beneiden brauchten.

Der Greuel kommt vom Himmel

Schon ab 1940 stellen die englischen Strategen den „Bomber Command“, Stabsquartier der Bomber, auf, mit dem Ziel, den Tod und die Vernichtung auf die deutschen Städte massiv zu verbreiten. Um diese Einstellung einer wirklichen Terrorsstrategie zu begründen, um ihre Entfesselung ideologisch zu rechtfertigen, gebraucht die englische Bourgeoisie die Bombardierungen ihrer deutschen Mitbewerber auf London und Conventry im Herbst 1940 und auf Rotterdam, deren Tragweite absichtlich übertrieben wurde. Mit solcher inszenierten ideologischen Beeinflussung, können dann die alten Haudegen ihr ganzes Henkerswissen in den Dienst des kranken Kapitalismus stellen. Ab März 1942 behaupten sie:

 „Ein erweiterter Bombardierungsangriff könnte die Moral des Feindes untergraben, sofern er gegen die Arbeiterwohnviertel (wir unterstreichen) der 58 deutschen Städte mit einer Bevölkerung von 100.000 Einwohnern gezielt wird. Zwischen März 1942 und halb 1943muss es möglich sein, ein Drittel der ganzen Bevölkerung Deutschlands obdachlos zu machen.“

(Professor Lindemanns Endbericht von 30. März 1942 auf Bitte des Bomber Commands)

Wenn die Bourgeois unter sich den Vorteil haben, klar zu sein, stellt sich schnell eine zweite Rede auf, um unter den Leuten der „freien Welt“ den Glaube zu verstärken, dass das antifaschistische Lager den Krieg mit Menschlichkeit organisiert. Man muss selbstverständlich die Barbarei und die Grausamkeit so vorstellen, als ob es nur dem anderen Lager vorbehalten wäre. Die Täuschung von sich selbst steigernd, erweist es sich notwendig ihre Wirkung auf die dem kriegerischen Projekt der Bourgeoisie untergeworfenen Massen zu verstärken, indem sie ihnen folgendes anvertraut:

„Der Bomber Command bombardiert nur zu Militärzwecken und zielt nur militärisch auf. Jede Anspielung auf Angriffe gegen Arbeitsgebiete oder Zivilzonen ist als Unsinn zurückzuweisen und als eine Verletzung der Ehre der Flieger, die ihr Leben für das Vaterland opfern...“

Alle Lügen, die die unheimliche Wahrheit tarnen sollen, werden die Bourgeoisie mit dem Zynismus, welcher sie charakterisiert, daran nicht hindern, das Ziel dieser Bombardierungen weiter festzulegen: das Blutbad systematisieren.

„... es ist klar, dass die Zielpunkte die erbauten Zonen sein müssen und nicht, zum Beispiele, die Docks oder die Fabriken. Das muss ganz und gar klar sein, falls man das noch nicht verstanden hätte.“

(Bericht des Führungsstabs der Luftwaffe: Sir Charles Portal 14. Februar 1942)

Nach drei Einstellungsjahren von verschiedenen Bombardierungsstrategien, ist der Präzisionsgrad des Terrors mehr als schätzenswert. Von nun an, werden Hunderte von viermotorigen aufeinander folgenden Flugzeugen an die Bombardierungen einer einzigen Stadt teilnehmen. Die erste und blutige Illustration dieser Wirklichkeit war die Bombardierung von Wuppertal im Mai 1943 dort, wo die Militärziele auf Eberfeld erst systematisch vermieden wurden, zum Schaden der Arbeiterwohnviertel von Barmen.

Aber das antifaschistische Lager, sowohl sein faschistischer Mitbewerber, wird noch sich selbst übertreffen, was die Organisation des Terrors betrifft. Das Kapital, durch die Entwertung getroffen wie durch einen Krebs, wird mit der Steigerung seiner Zerstörungsfähigkeit nur eine vorläufige Linderung finden. Mit dem Krieg gelangt dieses in den letzten Zügen liegende System seine produktive Basis höchstens und völlig umzuwälzen und dabei neue Bedingungen zu erschließen, um eine neue Aufwertungsstufe zu garantieren. Die reine materielle Zerstörung der Produktionsmittel ist eigentlich die Fortsetzung des Handelskrieges zwischen den Mitbewerbern aber auf einer höheren Ebene, denn der offene Krieg siegt nicht nur im Bereich der Entwicklung von den Produktivkräften, sondern auch in seiner Weiterführung: der Militärwirtschaft. Kein Wunder also, dass neue Erfindungen, Technologien, Begriffe in dieser Zeit aufkommen. Noch immer in dem Tod übertreffen sich die anbetenden Weißkittel des Goldenen Kalbs. Während die V1 Raketen geduldig auf die faschistische Seite ausgearbeitet werden, dagegen leitet die Bombardierung von Hamburg durch die antifaschistische Luftwaffe im Juli 1943 das Zeitalter der Feuerstürme ein. Tatsächlich werden mehr als 50.000 Menschen durch zahlreiche Brandbomben getötet und zugleich 40.000 Leute verletzt. Das Stadtzentrum wird ganz zerstört. Ohne über die Zahl der Toten zu polemisieren, erreicht die Gesamtzahl der Opfer in Hamburg diese der Engländer, die durch die deutschen Bombardierungen während des ganzen Krieges getötet werden. Danach kommt Kassel dran dort, wo ungefähr 10.000 Zivilisten im Oktober 1943 in einem gewaltigen  Flammenmeer ums Leben kommen werden. Die Feuerstürme verwirklichen die Fähigkeit des Kapitals immer mehr den Tod zu verfeinern und zu rationalisieren.

„... das plötzliche Verbinden von zahlreichen abgelegenen Feuern verursacht eine solche Lufterwärmung, dass ein stürmischer Aufwind sich ereignet, welcher seinerseits die frische Luft von allen Seiten bis zum glutroten Zentrum der Zone anzieht. Dieses außerordentliche Ansaugen verursacht Luftbewegungen, die heftiger sind als die übliche Windstärke. In Meteorologie wechseln die Wärmunterschiede von 20 bis 30° C. In diesem Brand sind sie in der Größenordnung von 600, 800 oder sogar 1.000 °C.  Dies zeigt die durch die Feuerstürme verursachte kolossale Windstärke. Keinerlei zivile Schutzmaßnahme wird solche Feuerstürme nie beherrschen können, wenn sie einmal losbrechen. Sie sind wirkliche Monster, die durch die Menschen produziert werden (nämlich durch das Kapital: die Redaktion) aber keiner Mensch wird sie beherrschen können.“

(Bericht des Polizeileiters von Hamburg nach der Bombardierung im Juli1943)

Die einzige Antwort auf diesen menschlichen beispiellosen Völkermord ist in Betonzufluchtsstätten zu finden, wo die Bewohner wie verrückte Tiere zusammengepfercht sind, mit der Hoffnung den Explosionen und Flammen so zu entkommen. Aber mitten in diesen überhitzten Bunkern krepieren unausbleiblich Männer, Frauen und Kinder entweder an Sauerstoffmangel oder wie Fleisch vom Rost.

„Wenn die Hilfsmannschaften sich nach mehreren Wochen einen Weg nach den hermetisch verschlossenen Bunkern und Zufluchtsstätten bahnen könnten, die darin stehende Hitze war so heftig, dass nichts mehr von den Bewohnern übrig geblieben war: nur eine dünne wellenförmige Schicht von grauen Aschen war in einem Bunker zu finden; man überschlug die Zahl der Opfer zwischen 250 bis 300 (...). Die ungewöhnlichen Temperaturen in diesen Bunkern wurden außerdem durch die Tümpel von geschmolzenem Metall bewiesen, welche früher Töpfe und Kochgeräte waren, und in den Zufluchtsstätten mitgebracht wurden. [3]

Vor dem Ausmaß der zivilen Bevölkerung angerichteten Schäden, kommt dann eine Folge von Fragen. In der tat war es unmöglich all diese Bomben abzuwerfen, ohne diese grauenhaften Verwüstungen bei der Zivilisten zu verursachen. Die antifaschistische Regierung antwortet stets darauf mit derselben Sicherheit und Arroganz:

„... keine Anweisung wurde gegeben, Wohnhäuser zu zerstören... die Ziele des Bomber Commands sind immer militärisch.“

(Staatsekretär der Luftwaffe Sir Archibald Sinclair.  31. März 1943)

Deshalb in der Welt der Lügen als einziges Denksystem, schluckt der brauchbare Dummkopf des Kapitals die herrschende Rede weiter. Das unerträgliche Wiederkommen der Bombenflugzeuge kündigt die zukünftigen Versprechungen an, gute Geschäfte nach Ende   des Blutbades zu machen. Während des Jahres 1944 ist die Bombardierungstechnik so perfektioniert, dass kein Quadratmeter in den Wohnungszonen erspart bleibt. Deshalb werden die Luftangriffe auf Königsberg (Ende Augustus), Darmstadt (September), Braunschweig (Oktober), Heilbronn (Dezember), Bremerhaven usw. mehrere Dutzende von tausend Menschenleben fordern, die in die Falle dieses Flammenmeer gehen werden. Die ideologische Indoktrinierung bleibt total. Tagaus, tagein Hunderte von Bombern fliegen von Engeland ab, um in Deutschland Tausende von Bomben abzuwerfen. Für den Mann von der Straße entspricht dieses der richtigen Antwort auf die Schrecken der anderen Seite.

Während die öffentliche Meinung die durch ihre Meister ausgeheckten Dummheiten wiederholt, andere auf beiden Seiten arrangieren sich, um jede Spur dieses mit völliger Sachkenntnis organisierten Blutbads zu verwischen. Es erklärt so der amerikanische General in derselben Augenblick:

„Keinesfalls würden wir den Historikern dieses Krieges erlauben, uns anzuklagen, strategische Bombardierungen gegen den kleinen Mann gericht zu haben.“

Dennoch, fünfzehn Tage vor dieser Erklärung, hatte ein amerikanischer Luftangriff auf Berlin den Tod von 25.000 Menschen verursachen, da, was dieser betresste Schakal durchaus nicht ignoriert konnte. Man wird den Gedanken nicht los, dass es dieselben Lügen und derselbe Zynismus sind, welche während des ganzen 1991Golfkrieges angewendet worden sind. Es handelt sich doch um eine lange und dauerhafte Tradition, nicht nur in der Armee der USA, sondern auch bei der Bourgeoisie von gestern wie von morgen. Der einzige Zweck dieser Lügen ist die Riesenbemühungen dieser kapitalistischen Gesellschaft zu tarnen, um ihre Terror- und Zerstörungsausrüstung zu perfektionieren. Der Krieg ist für sie ein Riesenlaboratorium, das von technologischem Experimentieren lebt, aber vor allem eine riesenhafte Profitquelle.

Wenn das faschistische Lager das ausnützen wird, um manche wissenschaftliche Entdeckungen, wie die V1 und V2 Raketen, dank den Sklaven der KZ, zu entwickeln, was muss man sagen von ihren direkten Mitbewerbern? Immer mehr größere, stärkere und zerstörerischere Bomben werden systematisch ausarbeiten. So vor dem Leistungsmangel der traditionellen Bomben, die ihr Ziel selten erreichen, werden die durchbohrenden Bomben mit dem Erfolg ausgearbeitet werden, dass ein Maximum von Proletariern massakriert wird. Während der Bombardierungen suchen die Menschen in unterirdischen Deckungen oder in Kellern Schutz. Man muss aber wissen, dass der Einschlag der traditionellen Bomben nur die höchste Stelle des Gebäudes beschädigt. Die Bourgeoisie besitzt aber Genie und das wissenschaftliche Gesindel, das in Dienst dieser steht, erfindet eine Waffe imstande, den menschlichen Körper bis im tiefsten des Unterschlupfs zu treffen. Also zum ersten Einschlag explodiert die neue bombe noch nicht, sie geht erst durch das Dach, dann durch den Fußboden der Stöcke hindurch und explodiert nur bei der Berührung mit dem Massivbau der Keller.

Der Höhepunkt des Terrors: die Bombardierung von Dresden.

Vor allem werden die Arbeiter die Opfer dieser Luftangriffe sein, deren Höhepunkt im Februar 1945 Dresden wird. Das ist unverständlich für diejenigen, die sich Illusionen über die Menschlichkeit des antifaschistischen imperialistischen Lagers machen. Vom streng militärischen Standpunkt aus, darf man das zusätzliche Blutbad keinesfalls rechtfertigen, denn Deutschland war schon kaputt, außer dem baldigen Ende des Krieges und dem offensichtlichen Wille der bürgerlichen Siegerfraktion, alles zu zerstören, was noch zu zerstören war.

In Dresden gab es weder die geringste strategische lebenswichtige Industrie, noch die geringste wichtige Militäranlage. Deshalb war die Stadt einen Zufluchtsort für Hundert von Tausenden Leuten, die vor den Bombardierungen und dem Vormarsch der gleichfalls massakrierenden Sowjetarmee flüchteten. Irregeführt durch die Propaganda der Alliierten und überzeugt, dass Dresden niemals bombardiert würde, ballten sich all diese Flüchtlinge in die zahlreichen Krankenhäuser der Stadt zusammen und stürmten die Schulen, die Bahnhöfe usw. Die britische Regierung ignorierte diese Tatsachen nicht und es war derart wahr, dass selbst bestimmte Militärführer des Bomber Commands ernste Vorbehalte hinsichtlich der Gültigkeit eines solchen Ziels geäußert hatten. Der Krieg war beinahe zu Ende, die deutschen Truppen wichen auf allen Fronten zurück und lösten sich auf. In diesen Umständen war es tatsächlich schwer jemandem, selbst den Flieger weiszumachen, dass die Organisation des größten Blutbads in diesem Krieg irgendein Militärziel hatte. Darauf wurde es ihnen schroff antwortet, dass Dresden ein vorrangiges Ziel war: mitten in Yalta Konferenz und dem schnellen Vormarsch der sowjetischen Truppen gegenüber, erlaubten diese Bombardierungen in einer stärkeren Lage zu sein.

Am 13. und 14. Februar 1945 wird dann die Stadt bombardiert. Die Bourgeoisie ignoriert nicht, dass ungefähr anderthalb Millionen Leute sich dort befinden, darunter manche Flüchtlinge aus Schlesien, viele Verletzten, Kriegsgefangene, Verschleppte und Zwangsarbeiter... Für das erste Mal wird die größte Tonnage von Bomben während zwei Nächte abgeworfen: ungefähr 3.000 Tonnen, darunter 650.000 Brandbomben, verursachen das Riesenflammenmeer dieses Krieges mit einem Wind von mehr als 200/300 Stundenkilometern. Dresden wird acht Tage lang verbrennen, das Flammenlicht ist bis mehr als 300 Kilometer zu sehen! Einige Stadtteile sind so glühend heiß, dass mehrere Wochen notwendig sind, um zu den Kellern zu gelangen. Die verschiedenen Mordbomben werden gebraucht: Phosphor, Napalm... Die Leute als menschliche Fackel springen in die Elbe, wo sie weiter brennen, die Feuerlawine läuft vom Stadtzentrum ab bis in die Elbe, wo sie verbrennt. Durch Zersplitterungsbomben geköpfte Leichen liegen auf den Straßen herum. Von 35.000 Wohnungen sind nur 7.000 stehen geblieben. Das ganze Stadtzentrum ist auf einer Fläche von 18 Quadratmetern verschwunden. Die meisten Krankenhäuser werden zerstört werden, indem die Gleise kaum beschädigt und weder der Militärflugplatz noch die wenigen Industrien in der Nähe gezielt worden sind.

Die Intervention ist methodisch verlaufen: selbst der Wind wurde berücksichtigt, damit die Feuerbrunst sich mit einer furchtbaren Raschheit entwickeln konnte. In der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 werden mehr als tausend englische Bomber Schrecken verbreiten. Tags darauf treten amerikanische Bomberflugzeuge die Nachfolge an und werfen noch 771 Tonnen von Brandbomben ab, darunter eine große Zahl von Zeitbomben. Diese „Neuerung“ wird dem Bomber Command noch eindrucksvollere Erfolge garantieren. Diese Bomben, die mehrere Stunden nach dem Vorbeifliegen der Flugzeuge explodieren, werden nicht nur Leute töten, die den Brand auszulöschen versuchen, sondern auch all die unvorsichtigen Menschen, die in Flammen stehende Stadt flüchten. Die Bilanz dieses unbestrittenen höchsten Ausdruck der Zivilisation und des Fortschrittes übersteigt die Ziffer von 250.000 Toten, fast alle Zivilisten, ohne über Dutzende von Tausenden Verletzten zu sprechen: Verletzten mit Verbrennungen, Sterbenden, Krüppeln, Wahnsinnigen...

„... ungefähr zehn Tage nach den Bombardierungen hat eine Gefangenengruppe die Treppen eines Untergeschosses frei gemacht aber sie weigert hineinzugehen; etwas außerordentliches war darin geschehen. Die Männer waren mit düsterer Miene draußen geblieben, als der Zivildirektor, der mit gutem Beispiel vorangehen wollte, in den Keller mit einer Karbidlampe in der Hand hinunterging. Kein üblicher Fäulnisgeruch war zu spüren, was ihn beruhigte. Die letzten Treppen waren glatt. Der Kellerboden war mit einem flüssigen Blut- Fleisch- und Knochengebräu auf eine Dicke von ungefähr dreißig Zentimetern; eine kleine Sprengbombe war durch die vier Etagen des Wohnhauses hindurchgedrungen und hat in dem Keller explodiert. (...) Dem Concierge nach waren ungefähr 200 oder 300 Personen in dem Keller an diesem Abend.“

(Hans Voigt Leiter der Abteilung Tote, mit dem Saubermachen von Leichen in der Stadt beauftragt)

Angesichts des Epidemierisikos wird das Stadtzentrum verbotene Zone erklärt. Täglich werden Tausende von Körpern zum übrigen zentralen Platz der Stadt herumgeschleppt, um nach einem letzten Identifikationsversuch auf Scheiterhaufen von 400 bis 500 Leichen aufgestapelt und verbrannt zu werden. Ungefähr 70.000 Opfer werden so auf dem Altmarkt wegen prophylaktischer Gründe eingeäschert. Für das erste Mal in der Geschichte des Krieges sind die Überlebenden nicht zahlreich genug, um die Toten zu begraben. Die Apokalypse  hat wie der Blitz auf dieser Gegend eingeschlagen. Während mehrerer Wochen wird sich ein entsetzlicher Fäulnisgeruch mit verbranntem menschlichem Fleisch über den Trümmern und in der Nähe verbreiten. Scharen von Hunden klappern die Trümmer nach Leichen ab. Dutzende von Tausenden verstörten, zerlumpten Gespenstern, wirklichen Todeskandidaten irren auf den Wegen und suchen Zuflucht. Es ist fast unmöglich mit Wörtern, sogar mit Ziffern, die richtige Bedeutung dieses wahren Grauens zu beschreiben. Unser Wortschatz genügt heute nicht, um den Hass, den Abscheu vor einer solchen systematischen, methodischen, wissenschaftlichen Organisation des Terrors, des Todes auszudrücken. Und der Abscheu vor den Heldentaten der antifaschistischen Bourgeoisie ist umso mehr tief als sie jede Kritik diesen Taten entgegen begraben hat, indem sie die systematische, methodische, wissenschaftliche Organisation des Terrors als das Monopol ihrer Mitbewerber genau denunzierte. So hat das Kapital einen entscheidenden Schlag geführt.

Der Schrecken, den die Bourgeoisie entfalten kann, ist grenzenlos. Die Flüchtlingskolonnen, die der mit Feuer und Schwert verwüsteter Stadt entfliehen, werden sogar von den Jagdflugzeugen beschossen. Gleichfalls werden die Hilfsdienste aus den Nachbarorten beschossen. Mit dem Befehl, Chemnitz in den folgenden Tagen zu bombardieren, wird das alliierte Kommando den Fliegern ohne schonende Vorbereitung erklären:

„Euere Gründe, in dieser Nacht dort zu fliegen, sind all den aus Dresden überlebenden Flüchtlingen den Gnadenstoß zu geben.“

Wie eine durch Blutgeruch betäubte Horde, appellieren diese Wachhunde des Kapitalismus an neuen mordgierigen Orgien, um ihre Leichendurst zu stillen. Die antifaschistische Allianz braucht die faschistische Koalition nichts zu beneiden, was die Ausgesuchtheit betrifft, mit der beide das Überleben dieser sterbenden Zivilisation garantieren. Innerhalb von 18 Monaten sind 45 von den 60 deutschen Hauptstädten ausgebombt, ganz zerstört und ausradiert worden. Bei vorsichtiger Schätzung werden mehr als 650.000 überwiegende Zivilproletarier während dieser Terrorluftangriffe ums Leben kommen. Sprechen wir nicht über diejenigen, die dieser Hölle entronnen sind und in Krankenhäuser oder Irrenanstalten weiter leben werden. Auf wirklichen Leichenhaufen wird der Sieg des antifaschistischen Lagers am 8. Mai gefeiert werden.

Es ist wirklich ein schöner Sieg, seine eigenen Verbrechen hinter den Schrecken der Mitbewerber verbergen können zu haben. Schöner Sieg ja, Leichenfelder zu feiern!

Krieg führen: Notwendigkeit des Kapitals.

Je mehr das Kapital sich entwickelt, um so mehr werden seine Widersprüche immer heftiger. Keiner Zufall wenn der Krieg irgendwo auf der Welt ständig besteht, wenn er sich allgemein regelmäbig ausweitet. Der Konkurrenzkampf für Maximalprofit, der Handelskrieg oder der Krieg ganz einfach sind genauso lebenswichtig für die Kapitalisten wie das Einatmen für die Menschen.

Tatsache ist, dass die Gesellschaft nicht ohne Krieg leben kann. Der hier rein schematisch ausgedrückte Grund dafür ist, dass das Kapitalvolumen nimmt schneller zu als seine mögliche Wertsteigerung. Es gibt also eine zyklische Überproduktion von Kapital mit der Folge, dass die Aufwertung eines Teils des sozialen Weltkapitals die Aufwertung eines anderen Teils desselben sozialen Weltkapitals ausschliebt. Die Unternehmensstilllegungen oder das Werfen von anderen fixen Kapitalien zum alten Eisen sind nie genug, um die Lage wieder herzustellen. Ein allgemeines Konjunkturtief ereignet sich regelmäbig unerwartet und führt unvermeidlich zu einer allgemeinen Entwertung jedes bestehenden Kapitals. In diesen Umständen kann das Kapital nicht rentabel gemacht werden, was zum allgemeinen Bankrott der wenigsten gewinnbringenden Kapitalisten normalerweise führen müssen. Die letzten, wie all die anderen, organisieren sich, um jenem unerbittlichen Gesetz des Kapitals Widerstand zu leisten. Der Krieg wird periodisch wirklich durch die auf verschiedenen zentralisierten Organisationsebenen, deren Ziel ist, diesen Krieg in den besten möglichen Bedingungen zu führen (Gesellschaften, Kartelle, nationale Staaten, Blöcke oder Versammlungen von Staaten). Dann ist der Krieg vorhanden wie eine Teilauflösung für die Probleme des Weltkapitalismus. Die Zerstörung eines wichtigen Teils des Kapitals verhindert sein eigenes Funktionieren, deswegen verbessert der Krieg tatsächlich die allgemeinen Bedingungen des ganzen sozialen Weltkapitals. Der Krieg erlaubt ihm also, auf einer anderen Basis, einen neuen Aufwertungszyklus in Gang zu bringen. Auf einer anderen Seite macht diese Auflösung das Problem für die zukünftigen Kapitalisten noch unlösbarer. Eine neue noch wichtigere als die vorige Überproduktionsphase wird zwischenkommen und die gewaltige Entwertung durch die Zerstörung von noch immer mehr Produktionsmitteln notwendig machen.

Der sogenannte zweite Weltkrieg entkommt diesen unveränderlichen Gesetzen des Kapitals nicht. Die Erklärung dieses Riesenblutbads ist nicht im Kopf irgendeines Hitlers, Stalins oder irgendeines Trumans zu finden, sondern nur im Schob dieser Gesellschaften. Unter vielen fällt es auch vor allem den Proletariern schwer diese Gesellschaft als Klassengesellschaft zu erkennen. Statt dieser klaren Tatsache überschüttet die Bourgeoisie, die immer fertig ist, ihrer Öffentlichkeit Quatsch zu reden, den hominem democraticum Biedermann mit Gedenkfeiern, Militärparaden, Reportagen über die Psychologie irgendeines für das Kapital brauchbaren Dummkopf.  Schliebchlich ist das Ziel, die unannehmbare Kriegsbeteiligung zu erhalten, um sein sterbendes System zu retten.

Aber wie wurde ein solches Blutbad damals erklärt?

Was zum Beispiel in „Le Soir“, der großen offiziellen belgischen Tageszeitung zu lesen war? Die Information über die Bombardierung von Dresden wird zwei Tage später in einer kleinen Beilage zwischen den Todesanzeigen und der Rubrik der Tagesvorstellungen gegeben. Man konnte lesen, dass 1.400 RAF Bomber Dresden mit dem Ziel die Ölraffinerie von Bohlen angegriffen hatten (aber wir wissen, dass diese Raffinerie unbeschädigt geblieben ist). Auf der ersten Seite war kein Spur der 250.000 Toten von Dresden zu lesen, sondern eine Information über... ja über den Frieden und das Yalta Abkommen. Ein wenig weiter, im Gegenteil, konnte man eine kleine Meinungsumfrage mit folgendem Schlub finden: „nur mit Waffengewalt wird man mit diesem fanatischen Gesindel fertig werden“! Einerseits den Feind als den Teufel vorstellen und über Frieden reden, andererseits die Verbrechen der Sieger ganz einfach verdecken: die Desinformationsmethoden der „Alliierten“ unterscheiden sich also wirklich kaum noch von jenen der „Nazis“, so geht es auch heute mit den Methoden um den Golfkrieg zu rechtfertigen oder zum Beispiel die proletarischen Aufstände zu vertuschen. Jedenfalls übernimmt die Desinformation dieselbe Funktion: die Proletarier an eine Nation zu binden und die Übereinstimmung der Interessen des Proletariats jenseits jeder Grenze, jenseits jedes Vaterlands zu leugnen.

Und schlieblich was mit dem Proletariat?

Bis jetzt haben wir in diesem Text über das Proletariat als Objekt  der Geschichte, als Kanonfutter, als Ausbeutungs- und Kriegsopfer gesprochen. Wir können diesen Text nicht herausgeben, ohne wenigstens die Tendenzen unserer Klasse zu erwähnen, um sich selbst als Subjekt zu behaupten, um für seine eigenen Interessen zu kämpfen, um den Kommunismus als einzige Behauptung unserer Menscheit aufzudrängen. Denn „das Proletariat ist ein ausgebeutete UND revolutionäre Klasse“ (K Marx), das heibt nicht, dass es entweder ausgebeutet oder revolutionär, entweder Objekt oder Subjekt ist, sondern, dass es dialektisch die beiden ist. Selbst wenn es am Ende des Krieges besiegt ist, wenn die Revolution auf der Tagesordnung nicht steht, wenn es in der bürgerlichen Faschismus/Antifaschismus Polarisation eingereiht ist und vor allem wenn es unter den Bomben und dem Terror vernichtet ist, manifestiert sich das Proletariat wie der alte Maulwurf von Marx. Tatsächlich

manifestiert es sich als Subjekt immer irgendwo durch seine Kämpfe im Gegensatz zu einer Tendenz, die es als einfaches Ausbeutungsobjekt festmacht.

Wie wir es schon vorher gesehen haben, war die kriegerische Vernichtungsstrategie nicht nur eine interbürgerliche Konkurrenzfrage, aber vor allem ein Ziel, um ein Maximum von überzähligen Produktionskräften zu liquidieren. Wir können aber unsere Analyse auf diesen einzigen Aspekt der Frage nicht beschränken. Die Beseitigung dieser Scharen von Proletariern, die Beschiebung mit diesen Tausenden Tonnen von Bomben auf die Arbeiterzonen setzen in die Tat die Fähigkeit unseres Klassenfeindes um, jeden proletarischen Spannungsherd vorbeugend niederzuschlagen. Wenn es dem in der interbürgerlichen Polarisation atomisierten Proletariat der 39-45 Jahre schwer fiel, sich als Proletariat zu erkennen, war die Bourgeoisie ihrerseits über ihre ideologischen Verschiedenheiten hinaus fähig, überall Gegenschlag zu führen, um das unpersönliche Interesse ihrer Weltstaat zu verteidigen.

Damit der vorige Aufstand sich nicht wiederholt, mubte der terroristische Einsatz der alliierten Luftwaffe nicht nur die deutschen Industriezentren zu bombardieren, aber auch die Grobstädte, wo die Arbeiterviertel vor allem ausgewählt wurden, um das Gröbtmab der Proletarier zu massakrieren.

Diese Vernichtung wurde als Sofortmabnahme „begründet“, weil Arbeiterkampfgruppen ab 1943 in Europa wieder anfingen, der Ausbeutung Widerstand zu leisten. Viele bürgerlichen Mythen lassen die Meinung fortbestehen, dass der soziale Zustand am Ende des Krieges nicht unruhig war oder wenigstens in der Stimmung vom Faschismus befreiet zu sein. Im Gegenteil behaupten wir, dass lebensnotwendig gezwungene Proletarier das Schreckgespenst der sozialen Revolution damals im ganzen Europa heraufbeschwörteten. Eine gleiche Bewegung schien wieder aufzutauchen, um die Befriedigung unserer Bedürfnisse vorzubringen.

1945 war selbstverständlich 1918 nicht! ... Die meisten der damaligen revolutionären Militantenkerne, denen es mitten in diesem konterrevolutionären Sturm gelang, den proletarischen Kurs zu halten, haben die Kampfaussichten reichlich überschätzt, da sie auf das nahe Bevorstehen eines proletarischen Aufstand in Deutschland wie in 1918 mechanisch geschlossen haben. Diese auftauchende Kampfherde waren noch recht schwach und vor allem unter dem Druck von mehr als 25 Jahren vom konterrevolutionären Terror: während dieser 25 Jahre waren die kommunistischen Vorhuten liquidiert worden. Innerhalb mehr als zwei Jahrzehnte! hatte die Bourgeoisie ihren konterrevolutionären Zyklus beendet und zahlreiche Militanten der 1917-21 Welle waren in den KZ verschwunden, im Kriege massakriert oder durch die stalinistischen Parteien eingereiht worden und ihren Befehlen unterworfen, mit anderen Wörtern: durch „le Parti de l’ordre“ (wie man auf Französisch sagt) liquidiert.

Die Weltbourgeoisie, die aus dieser revolutionären Welle die Lehren gezogen hat, hat sich die materiellen Mittel verschaffen, um einer aufgelösten Armee, einem defätistischen Proletariat trotzen zu müssen, welches schon seine eigenen Waffen auf seine eigenen Generäle, auf seine eigenen Bourgeoisie gericht hatte und sich in ein neues Heer der Revolution zu verwandeln konnte. Dank besseren und zahlreicheren Zerstörungsmitteln als diesen des vorigen Klassenkrieges, wird die Bourgeoisie es als ihre Pflicht betrachten, die Liquidierung, den „Klassengenozid“ nicht nur von Millionen von Soldaten gewordenen Proletariern, aber auch von Hunderten von Tausenden anderer Zivilproletarier zu übernehmen.

Auch kein Zufall wenn die Terrorbombardierungen geschehen sind, in dem Augenblick wo wichtige Streike in Deutschland (aber auch in Italien, Frankreich usw.) [4] genau ausbrachen und wo die Desertionen in der deutschen Armee dazu tendieren, sich auszubreiten. Zwar drückte sich die Komplementarität der „rivalisierenden“ Fraktionen der Bourgeoisie aus, um das Proletariat niederzuschlagen. Die Arbeiterklasse war zwischen zwei konvergenten Feuern gestanden: auf einerseits der Terror vom Himmel, andererseits Erschliebungskommandos für die Streikenden, damit die Proletarier gezwungen wurden, die „Kriegsproduktion“ und den „Endsieg“ zu übernehmen.

Am Ende des sogenannten zweiten Weltkriegs, schliebt die Bourgeoisie einenTerrorzyklus mit der vorläufigen Ausschaltung des Proletariats zu. Beide Weltkriege sind zwei Augenblicke eines antiproletarischen Riesengemetzels, welches von 1914 bis 1945 dauerte, aber in 1917-18 unterbrochen wurde. Nur ein abstrakter Begriff der Realität des Kapitals lässt uns die Ereignisse verstehen, die für die bürgerlichen Historiker unbegrifflich sind oder das Werk eines „bösen Geistes“: Hitler, Stalin, Roosevelt, Churchill und anderen. Das ist die idealistische Personifizierung der Geschichte, um die wahre, offene antiproletarische Bedeutung aller Kriege (antifaschistischen, für die nationale Befreiung, für die Verteidigung des Sozialismus oder andere antimenschliche Rechtfertigung) zu vernebeln.

Das Ende des Krieges wird also für die Bourgeoisie ein aubenordentliches Experimentfeld sein, sie wird die aus der vorigen Kämpfen gegen das Proletariat zahlreichen gezogenen Lehren in die Praxis umsetzen. Genau um die Wiederholung der revolutionären Zustand zu verhindern, die in Deutschland am Ende des sogenannten „Ersten Weltkrieg“ (1914-18) stattgefunden hatte, genau um jeden proletarischen Aufstand vorbeugend niederzuschlagen, wird die Bourgeoisie seine Wirkung in 1945 um drei Generallinien feststellen:

1.      die Proletarier liquidieren, die eine Drohung darstellen können und so jeden Versuch eines proletarischen Widerstandes in den Städten zu beseitigen;

2.      in diesem Sinn, ganz Deutschland besetzen, in Berlin einmarschieren, die deutsche Regierung auflösen und an ihrer Stelle einen alliierten Militärgewalt setzen;

3.      Internierung von vielen deutschen Kriegsgefangenen während mehreren Monaten, sogar Jahre auberhalb Deutschland, um zu vermeiden, dass sie die Umwälzungen von November 1918 wiederholen. Tatsächlich lieb sich die Weltbourgeoisie von der Heimkehraussicht demobilisierten deutschen Soldaten in ihre zerstörte Heimat so beeindrücken, dass sie Hunderte von Tausenden dieser Soldaten in die sojwetischen Straflager oder in die Internierungslager in den USA, Frankreich, Belgien, England (dort mehr als vierhunderttausend, einige davon bis 1948) schickten. [5]

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Das Proletariat, wie wir in unseren programmatischen Orientierungsthesen (These 26) behaupten, hat nur einen einzigen Krieg zu übernehmen und zu führen: den sozialen Krieg gegen all die Bourgeoisien.

„Die Arbeiter haben kein Vaterland“, man kann ihnen nicht wegnehmen, was sie nicht besitzen. Jede Verteidigung der Nation, was auch der zugrunde liegende Vorwand sein mag, ist ein Angriff gegen die weltweite Arbeiterklasse. Unter der Herrschaft der Bourgeoisie sind alle Kriege imperialistische Kriege, die zwei oder mehrere Fraktionen oder Interessengruppen des Weltkapitals zu Gegnern machen. Das Proletariat führt und übernimmt nur einen Krieg: den sozialen Krieg gegen die ganze Bourgeoisie. Von den unmittelbaren Absichten der Protagonisten abgesehen, haben die Kriege als Hauptfunktion das Kapital zu bekräftigen und die subversive Klasse in dieser Gesellschaft subjektiv und objektiv zu zerstören. In diesem Sinne sind sie mehr als „einfache“ imperialistischen“ oder „interimperialistischen“ Kriege zwischen nationalen Staaten oder“ Vaterlandsbefreiern“..., sie sind in ihrem Wesen Kriege des Kapitals gegen den Kommunismus.

Gegenüber all diesen interbürgerlichen Antagonismen zwischen „Progressisten“ und „Reaktionären“, „Faschisten“ und „Antifaschisten“, „Linke“  und „Rechte“..., die logisch zu dem imperialistischen Krieg führen, hat das Proletariat nur eine einzige Antwort darauf: den unversöhnlichen Kampf gegen jede Aufopferung (gegen jeden Waffenstillstand und jede nationale Solidarität), den revolutionären Defätismus, seine Waffen auf seine eigenen Ausbeuter, seine direkten Unterdrücker richten. Das Ziel des Proletariats ist den kapitalistischen Krieg in einen revolutionären Krieg des weltweiten Proletariats gegen die weltweite Bourgeoisie umzuwandeln, um diesen Kampfgemeinschaft gegen das Kapital international zu zentralisieren.

Die oben erwähnte These wird als Abschluss dieses Textes behauptet, um daran zu erinnern, dass, von Dresden bis Rotterdam, von Hiroschima bis London, von Stalingrad bis Warschau, der einzige bedeutende Sieg in 1945 diese der Bourgeoisie schlieblich ist: in 1945 konnte die kapitalistische Ausbeutung auf Grund der Niederschlagung des Proletariats fortdauern. Ein Moment jener fortbestehenden Niederschlagung konzentriert sich in den Glauben an die „antifaschistischen“ Verbrechen der Alliierten mit Hilfe von der Werbung für die Missetaten des anderen Lagers. Es ist gut daran zu erinnern, dass faschistische oder antifaschistische die Diktatur des Kapitals die Demokratie ist.

Wir fragen unsere Leser nicht teilnahmslos zu bleiben, sondern gegen die durch die Bourgeoisie verursachte Amnesie mit uns zu kämpfen. Wir fragen sie nicht nur diesen Text zu kritisieren, aber auch uns Material zu senden, das uns helfen würde, die Geschichte unserer Klasse und seines Kampfes um die Jahre 1939-45 besser zu kennen. Darauf werden wir später zurückkommen.

Fußnoten

[1]               Über diese Frage distanzieren wir uns von der herrschenden Terminologie, weil die Jahre 1789-93, vom Standpunkt des Proletariats aus, als wirklich wirkende revolutionäre Klasse, wesensmäßig revolutionär waren. Dort wo die offizielle Geschichte das Aufkommen der bürgerlichen Aufklärung beweihräuchert, finden wir nur Vereinnahmung, Ablenkung eines proletarischen Kampfes heraus, zugunsten der Verstärkung der kapitalistischen Produktionsweise, deren Revolution nicht 1789 stattfindet, sondern an den 14. 15. und 16.Jahrhunderten entlang, durch die Ausweitung des Weltmarktes.  Wir werden bald darauf zurückkommen, da einige Thesen unserer Gruppe schon zirkulieren.

[2]               Wir betrachten schließlich, dass der einzige echte Feind des Faschismus oder jedes anderen bonapartistischen  durch die Bourgeoisie aufgestellten Versuches, um unsere Klasse zu zerschlagen, das ist das revolutionäre Proletariat. Aber der revolutionäre Kampf gegen den Faschismus ist untrennbar von all anderen bürgerlichen Fraktionen, einschließlich der angeblich antifaschistischen Fraktionen, die nichts mehr äußern, als ihr Wunsch, die kapitalistische Ausbeutung in einer anderen Form und unter der Diktatur anderer Verwalter zu erhalten. In diesem Sinne, ist der durch diese Fraktionen proklamierte „Antifaschismus“ meist ein äußerer Antifaschismus, der die Terminologie nur opportunistisch anwendet, um einem kapitalistischen Mitbewerber leichter zu trotzen. Sein „Antifaschismus“ ist ein Spruchband, womit er gelegentlich Kräfte leichter zusammenschließt, um seinen Krieg zu begründen. Muss man daran erinnern, dass Stalin sich zum ersten dafür entscheidet, ein Bündnis mit Hitler und dem Faschismus zu schließen, bevor er sich mit Churchill und Roosevelt verbündet? Die Bourgeoisie ist nicht mehr die Feindin des Faschismus, als jeder anderen Form der kapitalistischen Verwaltung; das Proletariat ist der echte Totengräber der kapitalistischen Diktatur, welches, was auch ihre Vorteile sein mögen: Faschismus, Antifaschismus, Volksdemokratie, Republik, Antiimperialismus, Bonapartismus...

[3]               Zitat aus David Irvings Buch „Der Zerstörung von Dresden“ Verlag Robert Laffont 1964.

[4]         Wichtige Klassenkämpfe waren nicht nur –für die bekanntesten- in Norditalien (43-45) und in Griechenland verlaufen, aber auch in Deutschland, Belgien, Frankreich, Jugoslawien, sogar in Russland.  Wenn Arbeiterkonzentrationen wie Mailand, Turin oder Rom nie während des Krieges bombardiert worden waren, wie zufällig wurden sie wohl  bombardiert, als Italien in das alliierte Lager eingeschwenkt war und vor allem mit dem Ausbruch von Streiken, weil dann der Terror notwendig wurde, um den Frieden in diesen Regionen zu stiften.

[5]               Es ist klar, dass wir hier nur über die gegen die Proletarier ergriffenen Mabnahmen sprechen. Was betrifft die Generäle, die Nazioffiziere, die Industriellen, die Wissenschaftler..., werden die meisten deutschen Bourgeois, von einigen bei dem Schauspiel von Nürnbergprozess liquidierten Halunken abgesehen, entweder zu höheren Amtsgeschäften in dem gegnerischen Lager befördert werden (Wissenschaftler wie Von Braun) oder einige Zeit inhaftiert (was jedenfalls weniger ärger war als der Zustand der Soldaten, die an der Zwangsarbeit unterworfen wurden), dann freigelassen, um eine neue kapitalistische Laufbahn in dem „neuen“ Deutschland einzuschlagen. So als H. M. Schleyer durch die Rote Armee Fraktion umgebracht wurde, erfuhr man, dass dieser Chef aller deutschen Bosse in der Tat ein alter Naziwürdenträger war.


OL.GE.3.1 Der Kapitalismus am Werk: Dresden 1945.