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Die Spuren der Lehren die die Kommunisten aus unserem historischen Kampf gezogen haben, sind selten und kostbar. Auch die Bourgeoisie ist des Wertes dieser Materialien der Vergangenheit bewußt und entwickelt eine riesengroße Energie, um unsere Arbeitsdenkschrift zu verdunkeln, um unsere alten Genossen zu verleumdern, um ihre Kämpfe zu entstellen, um ihre Presse zu zerstören...

Im Rahmen der Wiederaneignung unserer eigenen Klassenvergangenheit stellen wir die von unserer Gruppe auf deutsch gemachte Übersetzung eines Flugblattes aus jiddisch vor, aber in lateinischem Alphabet gedruckt. Dieses Flugblatt wurde von "Den revolutionären Kommunisten" unterschrieben und am 1.ste Mai 1943 in Südfrankreich verbreitet.

Die wenigen Informationen, die wir über diese Gruppe und ihres Dokument besitzen, rühren von mehreren Quellen her:

* Zuerst haben wir die französiche Übersetzung dieses Flugblattes im Maurice Rajfus Buch herausgefunden: "L'an prochain la révolution. Les communistes juifs immigrés dans la tourmente stalinienne. 1930-1945." (Editions Mazarine, Paris 1985). Auf deutsch: "Nächstes Jahr, die Revolution. Die im stalinistische Sturm einwanderten jüdischen Kommunisten. 1930-1945." Lest ihr den einzigen Kommentar dieses Historikers über dieses Flugblatt:

"Jenseits der Terminologie und der von der "Dritten Periode" der Komintern nachbildeten Schlagwörter, stellt dieses Flugblatt ein merkwürdiges Dokument dar, weil es das unbedingte Vertrauen zu den "großen Alliierten" zerbricht."

* Dann unsere Forschungen auf die Spuren der kommunistischen Minderheiten während dieser Zerstörungsperiode des Proletariats haben uns gebracht, die historische Flugbahn der Gruppe, die dieses Dokument unserer Klasse erzeugt hat, genauer zu untersuchen. Das Flugblatt, "Jüdische Arbeiter, Kameraden", das wir hier vorstellen, wurde von in der RKD Gruppe ("Revolutionäre Kommunisten Deutschlands") organisierten kommunistischen Militanten geschrieben, veröffentlicht und verbreitet.

Es gibt eine organisatorische und programmatische Verbindung der Kommunisten in Mitteleuropa, die zur Bildung der RKD hinführen wird und deren Zusammenfassung interessant ist.

1935 in Österreich gründen mehrere Militantengruppen der Jugend der KPÖ ("Kommunistische Partei Österreich") eine Fraktion, so daß sie mit der KPÖ schnell zerbricht und sich unter den Namen RKÖ ("Revolutionäre Kommunisten Österreichs") autonom organisiert. 1936-37 veröffentlichen die RKÖ das Organ "Bolschewik", dessen Spruch ist: "Der Feind steht im eigenen Land!". Ihr Kampf vertritt eine unbestreitbare Referenz für zahlreiche Militanten, die, wie sie, sich in einem Bruchprozeß mit der trotzkisten Strömung, insbesondere mit der "Bolschewiki-Leninisten" Gruppe einschreiben. Von 1937 bis 1938 zeigen sich die RKÖ sehr kritisch der trotzkisten Strömung gegenüber und bestätigen ihren internationalistischen Charakter in der Zeitschrift "Der einzige Weg", die sie gemeinsam mit Revolutionären in der Schweiz und in der Tschechoslowakei veröffentlichen.

1938 zwingt die Unterdrückung sie in Westeuropa zu Verbannung. Sie nähern sich dann den Positionen des RWL ("Revolutionary Workers League") in den USA, der sich offen gegen die trotzkiste Strömung aber für den revolutionären Defätismus während des kampfes unserer Klasse in Spanien entschließt. Sie veröffentlichen dann einige Broschüren, die "Juniusbriefe".

1939 und 1940 in Antwerpen in Belgien veröffentlichen die RKÖ die Zeitschrift "Der Marxist", und in Frankreich "Oppositionell Bulletin". Sie gründen um 1941 ein Bruchpol für einige deutschen trotzkisten Militanten in der Verbannung. Sie nehmen dann den Namen RKD ("Revolutionäre Kommunisten Deutschlands") anstatt RKÖ.

1941 ist die RKD hauptsächlich nach Südfrankreich gezogen, wo sie wirksam ist und trotz der Verbannung, der Heimlichkeit und der Unterdrückung regelmäßig ihre Presse veröffentlichen: "RK-Bulletin" von 1941 bis 1943 und "Spartakus" von 1943 bis 1945. Die Analysen, die in ihre Presse enthalten sind, zeigen eine Verstärkung der internationalistischen Positionen. Außer ihrer regelmäßiger Presse haben die RKD von 1942 bis 1944 zehn internationalistische Flugblätter (in deutsche, jiddische, französisch und italienische Sprache) in höchsten gefährlichen Umständen verbreitet. "Spartakus" April 1945 enthält einen "Ruf der revolutionären Kommunisten Deutschlands zum deutschen Proletariat", dessen wir hier einige starken auszüge geben (1):

"Vergeßt ihr nicht, der Kapitalismus hat Hitler an die Macht gelegt. Der Kapitalismus hat den neuen Weltkrieg verursacht... Trotz ihrer imperialistischen Gegensätze sind die Ausbeuter aller Länder gegen die "Gefahr" der proletarischen Revolution vereinigt, die für sie ein sterblicher Gefahr ist...

Die Alliierten und russischen Kapitalisten eilen zu Hilfe der deutschen Bourgeoisie gegen das deutsche Proletariat. Die russischen Kapitalisten mit Stalin an ihre Spitze erwürgen alle revolutionäre Bewegung. Sie haben schon vorher bei ihnen die proletarischen und revolutionären Oktobereroberungen von 1917 liquidiert. Die Kommunisten in Rußland sind eingesperrt und erschossen worden. Das Proletariat ist, wie bei uns, in Sklaverei reduziert worden.

So ist es logisch, daß die Massenmörder der russischen Revolution ihre Väter und ihre Söhne, ihre Männer und ihre Brüder jetzt deportieren, um sie zur Zwangsarbeit zu verpflichten. Sie verbieten ihre eigenen Soldaten mit euch zu sprechen, sie verleumdern euch unter dem Vorwand, ihr seid "Nazis", denn sie befürchten und wollen um jeden Preis die Verbrüderung zwischen deutschen und russischen Arbeitern hindern.

Andererseits haben sie den Frieden mit einem Teil der deutschen Kapitalisten und Krautjunker, mit dem Nazi Marschall von Paulus gemacht. Sie verlassen sich auf die von ihnen begnadigten Nazibonzen und SS Henker. Nur das deutsche und russische Proletariat sollten ihrer Meinung nach sich hassen und einander umbringen, während die Herren Kapitalisten sich bereichern: so ist Hitlers, Stalins, Churchills... Wille.

Die englische, amerikanische und französische Bourgeoisie handelt nicht anders."

Die kommunistische Positionen bestätigen bedeutet auch sich von seinen Feinden abzugrenzen:

"Wir sind weder Sozialdemokraten noch Stalinisten noch Trotzkisten. Die Ansehenfragen interessieren uns nicht. Wir sind Kommunisten, revolutionären Spartakisten."

1942 in Frankreich bilden sich CR, "Communistes Révolutionnaires", die 1943 und 1944, in der Zeitschrift "Fraternisation prolétarienne" ("Proletarische Verbrüderung") gleichartige Positionen zu diesen der RKD verteidigen. Die organisatorische Autonomie beider Gruppe verhinderte nicht ihre Kräfte gegen das Kapital zu vereinigen. Versammlungen, Diskussionen, Debatte, usw., werden immer gemeinsam aber heimlich organisiert. Zusammen schaffen sie eine internationale Kommission und veröffentlichen sie ein Organ: "Die Internationale".

1944 ist die OCR, "Organisation Communiste Révolutionnaire", geschaffen und sie veröffentlicht zwei Organe gemeinsam mit den CR: "Revolutionäre Kommunistische Versammlung" und "Arbeitsmacht". 1944 und 1945 veröffentlicht die RKD gemeinsam mit der OCR: "Vierte Kommunistische Internationale". Während der 40 Jahre gibt es also ein revolutionäres Einflußbereich, worin diese drei Gruppen: CR, OCR und RKD ihre programmatischen Positionen in Gegenüberstellung/Abgrenzung mit den Bordigisten, die "Anarchisten", die Conseillisten und die Linkstrotzkisten läutern.

1945 wurde die Unterdrückung mit den RKD-Militanten endlich fertig, die durch die Grenzen, die politische Familien, die Unterdrückung und die Entmutigung hindurchgedrungen sind, um immer stärker unseres kommunistische Programms zu bestätigen.

Diese Gruppen von kommunistischen Militanten haben von Brüchen nach Brüchen eine Klassentätigkeit entwickelt, trotz der verlängerten Isolierung und der Unterdrückung in den schwärzsten Jahren der Konterrevolution, in den Jahren 30 und 40. Ihre Tätigkeit ist ein programmatische Wiederaufbauwerk gewesen nach der Niederlage der Kampfwelle 17-23. Zu dieser Zeit mußten sie gegen zahlreiche sogenannte kommunistische Fraktionen Widerstand leisten, die in den zentristen (trotzkisten oder bordigisten) Oppositionen versunken waren und in der Problematik der Unterstützung und der Unterwerfung an der UdSSR Politik eingeschlossen waren. Die UdSSR hat ihre Herrschaft auf die Niederlage der Revolution und auf die Berichtigung der "Kommunistischen Internationale" gesetzt, welche, vom Anfang an durch die Konterrevolution verdorben, eine ihrer Lanzenspitze sehr schnell geworden ist. Sie mussten sich dem geschichtlichen Prozeß der Konterrevolution zu widersetzen!

In diesem Rahmen und gegen den Strom haben diese Gruppen das Folgende zu gleicher Zeit gemacht:

* die notwendige Bilanz der revolutionären Kämpfe der Jahre 1917-23 (2), was sie durch ihre zahlreiche Brüche geführt hat, die Organisation...

* ... der revolutionären Defätismus zu übernehmen, besonders durch die Ausbreitung in mehrere Sprachen und in mehrere Länder von Aufrufen für die Entwicklung und die Vereinigung des Kampfes gegen den Krieg. Diese Aufrufe enthielten deutliche Erklärungen der Solidarität aller bürgerlichen Fraktionen und aller Vaterländer gegen das Proletariat und brachten mit der einzigen und weltweiten Interesse des Proletariats übereinstimmende organische Schlagwörter vorwärts.

* die Arbeit, um die revolutionären Kräfte zu gruppieren und zentralisieren.

Gegen in dieser Zeit ultrabeherrschenden Stalinismus, haben sich Tausende von Proletarier zum Trotzkismus gewandt, um ihren Kampf gegen die Bourgeoisie zu strukturieren. Wenn der Trotzkismus das bürgerliche reformistische Programm in Bausch und Bogen verteidigt, bestand die trotzkiste Strömung auch aus zahlreichen kämpferischen Proletarier, die mit dem Stalinismus teilweise abgebrochen hatten (die Erfahrung der Revolution und der Konterrevolution in Spanien ist in diesem Sinn für uns wertvoll). Die kommunistische Bewegung, welche die ganze bürgerliche Gesellschaft durchquert, hat diejenigen zusammengesucht, die nicht stehengeblieben sind und die, mit dem Trotzkismus, Ausdruck der zentristen Konterrevolution brechend, auf internationalistische Klassenpositionen angekommen sind. Die RKD vertreten ein Beispiel dieser kommunistischen Strömung. Zuerst innerhalb der trotzkisten Linksopposition organisiert, werden diese "Revolutionären Kommunisten" die Überbringer der revolutionären Grundsätze sein, die ganz und gar mit der trotzkisten Strömung abbrechen. Die ganze Kraft und Klarheit ihres Bruches, sowie diese der CR und der zukünftigen OCR, wird sein, von der Notwendigkeit an, deutlich sich hinsichtlich des Krieges aufzustellen, ihre ganze eigene Flugbahn in Frage zu stellen und davon die programmatischen Lehre zu ziehen.

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Die RKD Genossen, die dieses Flugblatt unterschreiben, das um proletarisches Solidarität und um revolutionären Defätismus gegen alle bürgerlichen Lager ruft, gehören also zu dieser kleinen Militantminderheit, die sich, von Brüchen nach Brüchen, wie eine der seltenen Militantorganisationen wieder zurechtgefunden hat, den revolutionären Defätismus als lebendige Verwirklichung des Internationalismus des Proletariats zu behaupten. Die gegenwärtigen und zukünftigen Militanten haben aus ihrer Tätigkeit viel zu lernen.

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Wir betrachten die Wiederveröffentlichkeit dieses Dokumentes für verschiedene Gründe als höhere Wichtigkeit.

Obwohl es sich an "jüdische" Proletarier wendet, die sich hauptsächlich in jiddische ausdrückten, ist es ein seltenes Dokument, das die jüdische Eigentümlichkeit überholt und kritisiert. Sich selbst pro- oder anti-jüdisch, pro- oder antisionistisch, pro- oder anti-Israel zu bestimmen, ist immer eine rassistische, konterrevolutionäre Haltung. Das bedeutet, sich einer bürgerlichen Polarisation zu fügen. Der folgende Absatz des Flugblattes besitzt eine Klarheit und ein Subversivität, die heute noch ihre ganze Kraft behält:

"Jüdische Arbeiter, Genossen, wo ist euer Platz?
Mit der jüdischen Bourgeoisie? Sie haben euch immer gehaßt und verratet. Sie ziehen aus dem Krieg Vorteile, während ihr Blut vergossen wird. Sie sind immer mit den nicht-jüdischen Kapitalisten vereinigt."

Wir denken nicht, daß die "jüdische" Bourgeoisie je die "jüdischen" Arbeiter "verratet" hat... sie gehört niemals ihrer Seite an. Solche Formulierung benutzen entkräftet den internationalistischen Vorsatz des Flugblattes.

Das Proletariat ist weder jüdisch noch französisch noch deutsch noch amerikanisch noch chinesisch. Es ist eine Weltklasse mit identischen Interessen: die kommunistische Revolution für die Ankunft einer menschlichen Gesellschaft. Es ist eine Klasse, die dieselbe Ausbeutung von einer einzige Weltklasse, die Bourgeoisie erträgt. Diese Bourgeoisie zerteilt sich in Tausenden auf den Markt unserer Ausbeutung konkurrierenden Gesichter, aber im Grunde hat sie überall dieselben Interesse: das Fortbestehen des Kapitalismus. Dieses Realität im Jahre 1943 wieder behaupten besitzt eine Kraft, die man hervorheben muß.

Die Ideologie des "jüdischen Volkes" kritisieren ist sehr wichtig für verschiedene Gründe. Die Ideologie der jüdischen Verfolgung ist sehr strukturierend während aber vor allem nach dem Krieg im Vergleiche mit zwei Achsen gewesen:

* eine Rechtfertigung für die Errichtung eines jüdischen Staats, Gendarms in der Gegend vom Mittlerem Osten, schaffen;

* die bürgerliche Faschismus/Anti-Faschismus Polarisation (den Text darüber in demselben Zeitschrift sehen) schaffen und verstärken. Diese Polarisation schließt noch heute viele proletarische Reaktionen auf dieses bürgerliches Gebiet ein. Das ist noch ein harter Schlag in den Händen der Bourgeoisie.

Nur Klassenpositionen erlauben den Kommunisten diesen anti-proletarischen, religiös-soziologisch-historischen Kram zu überschreiten und zu überschreiten/leugnen.

Sich entscheiden, dieses Flugblatt heute wiederzuveröffentlichen ist auch an der invarianten Verteidigung der historischen Position der Kommunisten, dem Internationalismus teilzunehmen. Dieses Flugblatt entspricht deutlich unserem Klassengebiet des Kampfes gegen die Nationen und gegen die Vaterländer... gegen das Kapital und all seine Kriege. Das Schlagwort: "Nie wieder Volk gegen Volk, sondern Klasse gegen Klasse" ist ein kommunistisches Schlagwort. Die Stalinisten haben es verdreht und benutzt, um die Verwirrung innerhalb des Proletariats noch zu vermehren. Die bürgerliche stalinistische Fraktion beförderte den Rassismus und den Nationalismus unter dem Deckmantel des Anti-National-Sozialismus... nach Art des stalinistische Dichters Ilya Ehrenburg, der im Laufe des ganzen Krieges vor unausberen Anrufen zu Morden und Vergewaltigungen geiserte, deren wir ihnen einige Auszüge hierunter liefern:

"Wir sagen nicht mehr guten Tag oder gute Nacht! Am Morgen sagen wir: 'erschieße den Deutschen'; und am Abend: 'erschieße den Deutschen (...) schlag den Deutschen nieder'! Das ist das Gebet, das deine alte Mutter an dich schickt (...) Zerbricht mit Gewalt den rassischen Hochmut der germanischen Frauen. Nehmt sie wie einen legitimen Beute. Tötet, tötet, mutige Soldaten der roten Armee (...)!"

Das von den RKD Militanten wiederangeeignetes Schlagwortes 1943 "Nie wieder Volk gegen Volk, sondern Klasse gegen Klasse", ist also nicht nur, dem Historiker Rajfus Meinung nach, ein "auf die 'Dritte Periode' der Komintern nachgebildetes Schlagwort" sondern ein Ausdruck des Kampfes des Proletariats, das seinen Kampf auf sein Gebiet, den Internationalismus, zu zwingen versucht!

Das Proletariat ist von der faschistischen/anti-faschistischen Polarisation zerstört worden. Zehnten von Millionen Proletarier sind auf den Seiten des Faschismus und des stalinistische, sozialdemokratischen, "anarchistischen", christlichen, usw., Anti-Faschismus angeworben und verschlungen worden. Seit der Niederlage der Revolution (gegen 1923), hat diese Polarisation die Massenvernichtung des Proletariats in den Jahren 1938-48 vorbereitet.

Die RKD Strömung hat die programmatische Erbschaft der Kommunisten während der Kampfwelle 1917-23 fortzupflanzen versucht. Um unseren Vorsatz zu illustrieren, nennen wir einen in Mai 1919 "Anrufen der (sogenannten makhnovistischen) aufständischen Armee". Dieser Ruf gehörte zu dem unversöhnlichen Kampf unserer Genossen in der Ukraine gegen die Judenhetze und für den internationalistischen Kampf:

"Wir müssen überall verkünden, daß unsere Feinde die Ausbeuter und die Unterdrücker aller Nationalitäten sind: der russische Fabrikant, der deutsche Hüttenbesitzer, der jüdische Bankier, der polnische Grundeigentümern... Die Bourgeoisie aller Länder und aller Nationalitäten hat sich für einen grimmigen Kampf gegen die Revolution gegen die Arbeitermassen der ganzen Welt und aller Nationalitäten vereinigt." Peter Archinoffs "Geschichte der makhnovistischen Bewegung" 1921.

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Wenn wir die starken Punkte dieses Flugblatts hervorgehoben haben, muß man feststellen, daß es auch entweder Verwirrungen oder Schwächen besteht, die wir kritisieren müssen, um die militanten Brüche unserer Klasse zu verstärken. Zeigen wir eine um anzufangen: "Die SS sind, für sie wie für uns, der Hauptfeind". Unser Hauptfeind, unser einziger Feind ist das Kapital und alle konkurrierenden Fraktionen, die es stützen. In Frankreich sind es die SS nicht, sondern die französichen Polizei und Gendarmerie, die das Wichtigste der Unterdrückung während der Kriegsjahren übergenommen haben. Diese bürgerlichen bewaffneten Truppen sind außerdem von Stalinisten geholfen worden, die manche unsere Genossen sofort getötet oder an die Gestapo denunziert haben. Mit der Ideologie des Hauptfeindes muß man das Bestehen sekundärer Feinde und also verschiedene proletarische Antworten nach den Umständen... verstehen, was bedeuten sollte, ein Minimumwiderstandsprogramm und ein Maximumprogramm für nach der Revolution zu beschreiben!

Gegen diese Ideologie der sekundären Feinde und Hauptfeinde hat das Proletariat das Schlagwort "der Feind steht im eigenen Land, er ist unsere eigene Bourgeoisie!" hervorgehoben. Die Position der Revolutionären dem kapitalistischen Kriege gegenüber ist immer dieselbe: dem Kriege die soziale Revolution gegenüberstellen, gegen "seine eigene" Bourgeoisie und gegen "seinen eigenen" nationalen Staat kämpfen. Historisch nennt sich diese Position revolutionären Defätismus, weil sie offen verkündet, daß das Proletariat gegen den feind kämpfen muß, der ihm in "seinem eigenem" Land die Stirn bietet; daß es handeln muß, um seine Niederlage zu verursachen und daß es an der revolutionären Einigung des Weltproletariats nur so teilnimmt, daß die proletarische Revolution sich in der Welt nur so entwickelt (3).

Eine andere Position des Flugblattes scheint uns Problem zu stellen, das ist das Schlußschlagwort des "Friedens!". Von welchem Frieden sprechen diese Militanten? Es gibt keinen Frieden in sich. Die Bourgeoisie legt den sozialen Frieden durch das verallgemeinerte Blutbad der Proletarier und die Zerstörung unserer Klassenkräfte auf. Wir wissen, daß der Kapitalsfrieden die Fortsetzung seines Krieges gegen unsere Interessen, gegen unser Leben selbst, gegen unseren sozialen Entwurf der Revolution ist. Um die Massenmorde, die Deportation, usw. aufzuhalten, wird das Proletariat seinen Klassenkrieg intensiver machen, die Welt umwälzen, die von der Bourgeoisie personifizierte Macht des Geldes und des Terrors niederschlagen müssen. Das Proletariat ist gegenüber dem bürgerlichen Terror gezwungen, seinen eigenen Terror zu benutzen. Aber er kämpft historisch, um die Abschaffung jedes Terrors, jedes Staates...

Im allgemeinen ist das Schlagwort "Brot, Frieden und Freiheit" ein Schlagwort der Sozialdemokratie. Aber wenn die Bourgeoisie sich unter dem Wort "Frieden" versteckt, haben sich proletarische Interessen unter dem Schlagwort "Brot und Freiheit" tatsächlich ausgedrückt. In zahlreichen Länder haben proletarische Kämpfe diese Fahne oft geschwungen. In unserer historischen Anstrengung, um unser revolutionäres Programm zu erklären, ist es hauptsächlich, sich deutlich von seinen Feinden zu unterscheiden und ihrer politischen und auflösenden Demagogie genaue Schlagwörter gegenüberzustellen, die unserem Kampf eine Richtung gibt.

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In einer Zeit totaler Vernichtung dieser revolutionären Welle, in voller Periode intensives weißes Terror, zeigen uns unsere RKD Genossen, daß das Proletariat in den Kriegsjahren 1938-45 die bürgerliche Welt mit dem Kommunismus herausforderte.

Diese "Revolutionäre Kommunistengruppe", Ausdruck der kommunistischen Avantgarde geschweige denn daß sie sich entmutigen und den Kampf im Stich ließ, gibt unserem historischen Kampf deutliche Perspektiven, die heute immer noch gültig sind. Wenn diese Periode in Bausch und Bogen eine Niederlage- und Vernichtungsperiode für das Proletariat ist, finden wir im Laufe der Jahre Spuren des Ultraminderheitskampfes der Kommunisten.

Genossen, lest ihr dieses von der Leidenschaft des Kommunismus brennende Flugblatt! Genossen, wenn ihr ergänzende Informationen über diese Gruppe und im allgemeinen über jeden Ausdruck unseres Kampfes während und nach der Periode 1939-48, läßt ihr uns es wissen.

Gegen den Amnesie, womit die Bourgeoisie uns belegen möchte, nehmen wir in die Wiederaneignung unseres Klassengedächtnisses teil!

Fußnote

1. Wir besitzen das originale Dokument nicht. Wir haben also eine französische Übersetzung dieses selbstverständlich in die deutsche Sprache geschriebenes Textes wieder ins Deutsche übersetzt! Wenn Genossen die Dokumenten der RKD in ihrer Originalsprache besäßen, wäre es interessant die zirkulieren zu lassen. Wir würden so die Spuren unserer Vorgänger in der Geschichte der Revolution wiederfinden.

2. Der in "Dem Proletarier" erschiene Text der OCR 1946 "Revolution und Konterrevolution in Rußland", den wir auf französisch in "Le Communiste" Nr28 (Dezember 1988) veröffentlicht haben, bezeichnet einen unschätzbaren Beitrag für das Verständnis des Prozesses der programmatischen Wiederaneignung des Proletariats in Rußland, während der Kampfwelle 17-23, die von den höchsten Kampftaten und von den Bruchmängel bezeichnet wurde, welche ihre tragischen Auswirkungen erklären. Dieser Text gründet einen Richtpunkt in der internationalistischen, klassistischen und militanten Kritik dieser riesigen und furchtbaren Erfahrung revolutionärer Konfrontationen unserer Klasse. Eine Vorstellung der Aktivität der OCR in Frankreich in den Jahren '40 geht diesem Text vorher.

3. Für eine wichtigere Entwicklung dieser zentralen Frage weisen wir den Leser auf unseren Text "Invarianz der Position des revolutionären Defätismus dem Kriege gegenüber. Die Bedeutung des revolutionären Defätismus" hin. Dieser Text wurde in unserer zentralen Zeitschrift auf französisch "Communisme" Nr49 und auf spanisch "Comunismo" Nr44 1999 veröffentlicht.


Jüdische Arbeiter, Genossen

Der erste Mai ist der Tag des internationalen Proletariats, der Tag der proletarischen Verbrüderung. Der neue Weltkrieg dauert schon seit vier Jahre. Dieser Krieg geht nicht soviel die Reichen an aber die Armen sind die wirklichen Opfer. Ihr seid verfolgt, mißhandelt, ausgebeutet und vernichtet.

Klasse gegen Klasse

Der internationale Kapitalismus braucht fortdauernd frisches Kanonenfutter, billige Arbeitskraft. Die französichen, deutschen, polnischen, italienischen, tschechischen und soviele anderen Arbeiter sind wie uns Juden unterdrückt. In Afrika, in Amerika, in Rußland, sind, Gläubiger oder Ungläubiger, Lateiner, Araber, Schwarzer, Gelber, Weißer Arbeiter durch ihre eigenen Unterdrücker zerstossen. Überall in der Welt hat der Imperialismus die Proletarier in einem unendlichen Konzentrationslager gesperrt.

Wieviele kapitalistische Juden werden deportiert? Keiner. Alle haben Frankreich verlassen. Aber die Masse der jüdischen Proletarier krepieren, zu den Todeslager im plombierten Waggons deportiert. Viele leben in heimlichen Orten ohne Papieren, ohne Geld, von den jüdischen Bourgeoisie und Bürokraten im Stich gelassen.

Klasse gegen Klasse

Kein französicher Kapitalist ist deportiert worden. Kein einziger deutscher oder italienischer Kapitalist ist im östlichen Schlachtfront umgefallen, kein englischer oder amerikanischer Kapitalist ist in der Afrikawüste krepiert.

Alle Proletarier werden von ihren Kapitalisten verkauft und ausgebeutet. Alle Sklaven sind unsere Brüder, alle Kapitalisten und alle Verräter sind unsere Feinde. Nie wieder Volk gegen Volk, sondern Klasse gegen Klasse.

In der Todt Organisation müssen deutsche, jüdische Sklaven und noch viele Anderen arbeiten, von den SS unterdrückt und manchmal von jüdischen Bullen überwacht. Die französichen Polizisten machen Jagd auf französiche Arbeiter. Die Gestapo fahndet deutsche Deserteure und Flüchtlinge. Die GPU erschießt russische Kommunisten. Die englische und amerikanische Polizei wirkt gegen die Streiken in England und Amerika.

Aber die Arbeiter antworten

In Arcachon streiken vierhundert deutsche Arbeiter und ein tausend jüdische Franzosen für eine bessere Ernährung. Zehn Deutsche und fünfundzwanzig Juden werden erschossen aber der Streik geht weiter. Die Deutschen teilen die Nahrung mit den Juden, weil die SS die Austeilung für die Juden verboten haben. Die französichen und ausländischen Arbeiter verstehen sich im Kampf gegen die französichen und deutschen Gendarmerie.

Deutsche Arbeiter desertieren, der blinde Widerstand breitet sich in dem Land aus. Jeden Monat werden tausende und tausende Männer erschossen. In der ganzen Welt gibt es viele Streike und Kämpfe. Der imperialistische Krieg verstellt sich in Bürgerkrieg gegen die kapitalistischen Henker.

Jüdische Arbeiter, Genossen, wo ist euer Platz?

Mit der jüdischen Bourgeoisie? Sie hat euch immer gehaßt und verratet. Sie zieht aus dem Krieg Vorteile, während ihr Blut vergossen wird. Sie ist immer mit der nicht-jüdischen Kapitalisten vereinigt.

Mit welchem Ziel vorschlagen die Zionisten ihnen ein Einvernehmen mit der jüdischen Bourgeoisie für ein «jüdische Land»? Heute sind Churchill, Roosevelt und Goebels auch einverstanden für ein jüdische Land, daß für die jüdische Masse ein neues Konzentrationslager bedeutet. Danke für solches jüdisches Land. Die jüdische Frage kann nur durch die Verbrüderung aller Arbeiter, durch die Revolution in der ganzen Welt aufgelöst werden. Ohne den Sieg der generalisierten proletarischen Revolution, werden die Juden immer verfolgt und ausgebeutet. Euer Platz ist mit der Proletarier der ganzen Welt.

Die Zionistische Bewegung schafft Kolonien, dorthin gehen viele junge Leute aber es gibt kaum Lebensmöglichkeiten für diese Jugend. Wohin geht das für die Jugend bestimmtes Geld? Die UGIF Verband Bürokratie eignet sich widerrechtlich alle Verantwortlichkeit an. Jüdische Jugend, lasse dich von den Zionisten und der jüdische Bürokratie nicht ausbeuten.

Genossen

Denkt an unsere Toten. Denkt an unsere Brüder, die in den Lager warten. Denkt an eure Brüder, Schwester, Männer und Frauen, an eure Gelobten, an eure Kinder, Väter und Mütter, die in den Lager mit Millionen Polen, Tschechen, Russen, Franzosen und Deutschen sind, in die Hölle deportiert. Sie warten auf eure Tat für ihre Befreiung.

Sie haben verstanden, daß wir nur durch die Tat aller Unterdrückten gerettet werden können. Sind unsere Genossen vergeblich gefallen? Könnt ihr unsere Brüder vergessen, die in den Todeslagern sind?

Hofft nichts von Roosevelt, Churchill oder Stalin! Verläßt euch nur auf eure eigenen Kräfte, auf die der revolutionären Proletarier aller Länder.

Glaubt an die nationalistischen Lügner nicht mehr. Die deutschen und italienischen Arbeiter sind Opfer wie wir, sie sind unsere Klassenbrüder. Die SS sind für sie wie für uns der Hauptfeind.

Die Kapitalisten sind gegen uns vereinigt, lassen wir uns gegen sie vereinigen! Wir sind stärker, wir sind die Massen!

Nieder mit dem imperialistischen Krieg!
Nieder mit dem Nationalismus!

Genug mit Pogrome, Gemetzel und Deportierungen!

Es lebe der 1ste Mai, der Tag der internationalen proletarischen Verbrüderung!

Es lebe die neue Arbeiterinternationale!

Vorwärts für die proletarische Weltrevolution!

Frieden! Freiheit! Brot!

1ste Mai 1943. Die revolutionäre Kommunisten.


OL.GE.2.3 "Jüdische Arbeiter, Kameraden" (1943)